Christus glänzt
Eine solche Begeisterung und Verzückung, dass Sie sich wünschen würden, die Zeit möge stillstehen, es möge nie vorübergehen. Was ist Glück?
Manchmal der Augenblick, der mein Leben in ein Vorher und ein Nachher teilt. Und der mich von einem Ort anders zurückkehren lässt als ich gekommen bin. Anders, also verwandelt. Ein Stück Ewigkeit mitten in der verfliegenden Zeit? Bringe ich solche Augenblicke mit Gott in Verbindung?
Es gab diesen einzigartigen Moment im Leben Jesu, eine Grenzüberschreitung, vielleicht nur diese eine: das Gipfelereignis auf dem Berg, so rätselhaft, wie im Traum, so glanzvoll, so bestürzend schön, für die Jünger auch: so strahlend, als sei schon Ostern. Ein Gegenbild zu all den angstmachenden und düsteren Bildern, die uns begegnen.
Zu schön, um wahr zu sein?
Seltsamerweise hat diese Lichtsekunde im Leben Jesu in unseren westlichen Kirchen nicht den tiefen Eindruck hinterlassen wie in den Kirchen des Ostens. Vielleicht sind wir Westler religiös zu unterkühlt, zu nüchtern und wehren ab. Das ist mir zu mystisch und irrational, zu viel Übernatürliches, zu viel Ekstase. Kann man Gott erleben oder ist so etwas ein Ausnahmezustand, eine Entrückung für wenige Auserwählte, die am liebsten ein „Selfie“ mit ihm und den zwei alttestamentlichen Fremden gemacht hätten. „Seine“ Verklärung – nichts für uns Normalsterbliche.
Doch dieses Ereignis, seine Verwandlung, ist keine Verschleierung der Realität, keine kleine Flucht auf einen „Zauberberg“ in eine Traumwelt – das Bergfest Christi will uns helfen, tiefer zu blicken, intensiver zu hoffen und ihn auch im Nebel, im Tiefland des Alltags zu entdecken.
Glaube ich an die Stimme Gottes in mir und an das Licht, das auch auf mir liegt? Steht auf und fürchtet euch nicht! Mit Marie Luise Kaschnitz: „Manchmal stehen wir auf. Stehen wir zur Auferstehung auf …, Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.“
Teilen spendet Zukunft
Die diesjährige Familienfasttagsaktion der Katholischen Frauenbewegung lenkt unsere Aufmerksamkeit nach Indien. Das Plakat zur Aktion zeigt zwei Frauen aus dem Projekt „Seeds“, was übersetzt „Samen“ bedeutet. Die beiden Frauen Laxmi und Yamuna sitzen gemeinsam über einem Buch. Farbenprächtig ist ihre Kleidung. Beide Frauen nehmen leitende Funktionen in ihrer Organisation „Seeds“ wahr und organisieren Schulungen für Frauen und Männer, unterstützen arme Frauen als juristische Mitarbeiterinnen und bemühen sich um Lösungen, wenn es um häusliche Gewalt gegen Frauen geht. Sie setzen sich für die Geschlechter- Gleichstellung in Dorfhaushalten ein.
Laxmi ist die ältere der beiden. Sie ist 56 Jahre alt und ist seit 25 Jahren bei Seeds tätig. In ihren ersten Jahren bei Seeds absolvierte sie eine Ausbildung zur Wasserhandpumpen-Mechanikerin. Lami betreut etwa 50 Dörfer.
Yamuna ist 35 Jahre alt und seit acht Jahren bei Seeds tätig und arbeitet in 54 Dörfern.
Die beiden Frauen sitzen einander zugeneigt, offen lächelnd, konzentriert auf das Buch. Sie nehmen sich Zeit zum Austausch und arbeiten am gleichen Ziel: Gewaltfreiheit, Respekt, Menschenwürde, gutes Leben für alle.
Sie motivieren Frauen in den Dörfern am Gemeinschaftsleben teilzunehmen. Sie nehmen Schwierigkeiten ernst und weichen Problemen nicht aus. Das Leben in den Dörfern ist besser geworden, leichter. Ihre Arbeit trägt Früchte – für über 3000 Frauen und ihre Familien. Und mit unserer Unterstützung können es mehr werden. Teilen spendet Zukunft.
Pfarrer Franz Starlinger
zu den Bibelstellen:
Gen 12,1-4a | Ps 33,4-5. 18-20. 22 | 2 Tim 1,8b-10 | Mt 17,1-9
