Österliches Vorspiel
Wir sind gewohnt, diese Texte auf die Auferweckung von den Toten zu beziehen. Mit dem Blick auf Jesus darf man das wohl auch, auch wenn Ezechiel natürlich nichts von Jesus gewusst haben kann. Aber wenn man das ausschließlich tut, geht einem vielleicht doch der Blick dafür verloren, was Auferstehung auch meint: dass Auferstehung mit dem Leben jetzt zu tun hat.
Eigentlich muss einem die Lazarus-Geschichte stutzig machen. Genau genommen erzählt sie etwas ganz anderes als später die Auferstehungsgeschichten Jesu. Lazarus ist tot und wird von Jesus aus dem Grab herausgerufen, das ist deutlich genug. Aber Lazarus wird wieder sterben. Und so wunderbar so eine Geschichte ist, es hat sich nichts Wesentliches geändert für Lazarus.
Auferstehung jetzt
Die Pointe der Erzählung liegt deshalb wohl woanders. Immer wieder wird gesagt, dass Jesus erregt ist. Er liebt die Geschwister Martha, Maria und Lazarus, d.h. er ist mit ihnen eng verbunden und umgekehrt. Und er sagt von sich, dass er jetzt, mitten im Leben, die Auferstehung und das Leben ist. Die Verbundenheit mit Jesus, mit seinem Geist bringt Leben, wenn man sich darauf einlässt. Das soll wohl gesagt sein in dieser langen Geschichte. Und dieses Leben beginnt jetzt, mitten im Leben. Das es über den Tod hinaus reicht, ist eine Hoffnung, die wir aufgrund der Erfahrungen der Jünger nach Jesu Auferstehung haben dürfen. Oder mit Paulus: Der Geist, der uns jetzt im Leben bestimmt, wird uns auch über die Schwelle des Todes hinaus nicht verlassen. Auferstehung ist also nicht einfach die Grenze zwischen irdischem und himmlischem Leben. Auferstehung ist der Unterschied zwischen einem Leben, in dem es mir nur um mich geht, das so ganz anders ist als das, was Jesus vorgelebt hat: nämlich die Verbundenheit mit anderen Menschen, die Nächstenliebe, die Hingabe. Und dieses Leben im Sinne Gottes beginnt nicht erst nach dem Tod. Es beginnt hier und jetzt, es ist hier und jetzt einzuüben, nach dem Tod ist es zu spät.
Etwas handfester wird das beim Propheten Ezechiel erzählt. Die Toten, von denen die Rede ist, sind gar nicht tot. Sie sind im Exil gefangen und vollkommen hoffnungslos. Das Leben, das sie fristen, ist wie ein Grab. Und in diese Situation hinein erinnert Ezechiel daran, wie Gott Leben schenkt, wenn alles verloren scheint. War nicht der Auszug aus Ägypten wie die Auferweckung der Toten aus einem Grab? Hat nicht auch das Gott bewirkt?
Lebensmöglichkeiten jetzt
Die Geschichten der Totenauferweckungen, ja die Auferstehung Jesu selbst, die das Herzstück unseres Glaubens bildet, haben mit unserem Leben zu tun, nur am Rande mit unserem Tod. Das ewige Leben ist ein Leben in der Kraft des Geistes Gottes, das aus vielen kleinen und größeren Toden, Gräbern, Katastrophen unseres Lebens herausführen kann, das Hoffnung geben kann wider alle Hoffnung, wo nichts mehr möglich scheint.
Darum geht es an Ostern und darum geht es, wenn wir an die Auferstehung glauben: Lebensmöglichkeiten im Hier und Jetzt.
Pfarrer Franz Starlinger
zu den Bibelstellen:
Ez 37,12b-14 | Ps 130,1-8 | Röm 8,8-11 | Joh 11,1-45
als PDF-Dateien zum Download:
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