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Gemeinschaft – ein verletzliches Gut

Predigtgedanken – 23. Sonntag im Jahreskreis – 6. September 2026

 

Was sind eigentlich die Themen, die uns als christliche Gemeinde bewegen? Vielleicht die Gedanken darüber, wie es mit uns als Kirche weitergehen soll, wenn Finanzen und Personal immer weniger werden? Vielleicht treiben uns aber auch ganz andere Themen um, etwa wie wir gut als Gemeinschaft miteinander leben können?

Gemeinschaft ist man nicht nur während eines Gottesdienstes, sondern darüber hinaus. Und als Christinnen und Christen ist uns die Sorge um den Nächsten aufgetragen. Wie nehmen wir diese eigentlich im Alltag wahr?
Die Schriftlesungen dieses Sonntags setzen genau bei diesen Fragen an. Sie stammen aus frühchristlichen Überlegungen, wie man eigentlich als Gemeinde zusammenleben soll. Und wie gelingt Gemeinschaft auch dort, wo Fehler geschehen, Konflikte Beziehungen belasten?
Die Bibel zeichnet dabei kein romantisches Bild vom menschlichen Zusammenleben. Sie weiß sehr genau, wie verletzlich eine Gemeinschaft sein kann. Was wir tun oder unterlassen, betrifft immer auch andere.

 

Umgang mit Konflikten

Das Evangelium greift dieses Thema auf. Jesus spricht davon, wie man mit Schuld und Konflikten innerhalb der Gemeinschaft umgehen soll. Auffällig ist, wie behutsam sein Weg beginnt.
„Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, dann geh und weise ihn unter vier Augen zurecht.“ Nicht öffentliche Bloßstellung, nicht Gerede hinter dem Rücken, sondern von Anfang steht das persönliche Gespräch. Jesus weiß, wie schnell Konflikte eskalieren können, wenn Menschen nur noch übereinander statt miteinander reden. Für Jesus ist deswegen der beste Weg Unstimmigkeiten sofort anzusprechen, um mögliche Konflikte schon im Keim zu ersticken.
Dass man sich einander durchaus auch die Meinung sagen kann, zeigt: Niemand in der christlichen Gemeinschaft lebt für sich allein. Man übernimmt immer auch Verantwortung für den anderen. Und diese Verantwortung bedeutet nicht nur, dass man z.B. materielle Dinge miteinander teilt, um den Anderen aus seiner Not zu retten. Solche Verantwortung heißt auch, den Anderen auf Fehlverhalten hinzuweisen, Dinge offen und ehrlich anzusprechen, wenn sie die ganze Gemeinschaft zu vergiften drohen.
Er weiß, wie schnell Konflikte eine Gemeinschaft zum Zerbrechen bringen, wie schnell Streit eine Gemeinschaft spaltet. Das alles will er verhindern. Für ihn gibt es ein höheres Gut, das über allem steht und an dem alle Maß nehmen müssen. Es ist die barmherzige Solidarität mit dem Nächsten und der friedvolle Umgang mit allen, die in dieser Gemeinschaft leben.

 

Nicht Richter übereinander, sondern Wächter füreinander

Am Ende steht dann dieses wunderbare Wort Jesu: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“
Dieser Satz wird oft bei kleinen Gottesdiensten oder Treffen zitiert, aber im Zusammenhang des Evangeliums bekommt er noch eine tiefere Bedeutung. Jesus spricht diese Zusage mitten hinein in Konflikte, Versöhnungsprozesse und schwierige Gespräche. Das heißt: Christus ist nicht nur dort gegenwärtig, wo alles harmonisch ist, sondern gerade auch dort, wo Menschen ehrlich miteinander ringen und versuchen, neu aufeinander zuzugehen.
Gemeinschaft entsteht nicht dadurch, dass alle perfekt sind. Sie entsteht dort, wo Menschen trotz ihrer Fehler beieinanderbleiben. Gott ruft uns nicht dazu auf, Richter übereinander zu sein, sondern Wächter füreinander.

 

Franz Starlinger


zu den Bibelstellen: Ez 33,7-9 | Ps 95,1-2. 6-9. | Röm 13,8-10 | Mt 18,15-20

als PDF-Dateien zum Download:

 

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