Besuch der Gedenkstätte und Institut Hartheim
Am 4. Mai besuchten wir (19 Firmlinge) und unsere Begleiterinnen (Andrea Fischer, Angelika Grossl, Sylvia Grübl und Rita Willinger) das Schloss Hartheim, das heute eine Gedenkstätte für Verbrechen des Nationalsozialismus ist.
Wir begannen mit der Ausstellung „Wertes und unwertes Leben“ und haben erfahren, wie Menschen behandelt wurden, die eine Beeinträchtigung hatten.
Mich hat es sehr schockiert, als ich die Beschreibungen der Krankenakten gelesen habe mit Ausdrücken wie „still und willig, aber zu nichts nützlich, … blöde vom Gesichtsausdruck, …“ Wir wurden hier schon auf das vorbereitet, was uns in der zweiten Ausstellung gezeigt wurde.
Wir versammelten uns draußen in der früheren überdachten Parkzone. Hier kamen damals die schwarzen Busse an. Niemand sollte sehen, wer aus den Bussen ausstieg, aber nach einiger Zeit gab es schon Vermutungen in der Bevölkerung, was hinter den Schlossmauern vor sich gehen könnte.
Die Mitarbeiter des Schlosses haben mit den gleichen Bussen sogar Betriebsausflüge gemacht. Dass Menschen noch normal weiterleben können, obwohl sie täglich Menschen verbrennen oder einfach nur zuschauen und nichts dagegen tun, habe ich nicht verstanden.
Wir haben aber auch von einem Angestellten erfahren, der es nach kurzer Zeit nicht mehr ausgehalten hat und um Versetzung zu seiner früheren Arbeitsstelle angesucht hat.
Das wurde ihm sofort und ohne Probleme bewilligt.
Weiter ging es in das Auskleidungszimmer. Meine Mitschüler sind auch durch die Gaskammer und den Verbrennungsraum gegangen, aber ich habe nur einen kurzen Blick hineingeworfen, da wurde mir ganz schlecht!
Nach der Mittagspause gingen wir hinüber in das Institut, das nur ein paar hundert Meter vom Schloss entfernt ist.
Der Betreuer erzählte uns, dass man nach all dem Schlimmen, was Menschen mit Beeinträchtigung angetan worden ist, wieder etwas Erfreuliches bauen wollte.
Meiner Meinung nach ist das gelungen!
Wir gingen in die Kapelle, wo wir mit Christian, Susi, Gregor und Anton einen Wortgottesdienst feierten.
Christian kann sehr gut Orgel spielen und Anton hat die Musik sehr gefallen, mir auch.
Vorher haben wir noch einen Film über das Institut gesehen und wie wohl sich die Menschen hier fühlen. Beim Rundgang durchs Haus haben Elena und ich Gregor mit dem Rollstuhl gefahren und mit ihm geredet. Es war noch ein schöner Abschluss.
Elisa Huber
Im Schloss Hartheim wurden während des 2. Weltkrieges ca. 30.000 Menschen ermordet. 18.000 von ihnen hatten eine Beeinträchtigung, und ihr Leben wurde deshalb als „unwert“ eingestuft.
Obwohl es für mich sehr schlimm gewesen ist, zu erfahren, wie Menschen früher behandelt wurden, ist es doch schön zu wissen, wie sich die Sichtweisen bis heute geändert haben.
Denn es kommt nicht auf das Äußere, sondern auf das Innere an.
Bei der Ausstellung „Wertes und unwertes Leben“ haben wir auch erfahren, dass Menschen mit dunkler Hautfarbe von denen mit heller Hautfarbe als weniger wert angesehen wurden.
Ich habe das wirklich sehr schlimm empfunden.
Als wir an den Glastafeln vorbeikamen, wo die Namen aller Opfer, die bekannt sind, verewigt sind, konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass in diesem Gebäude so viele unschuldige Menschen umgebracht worden sind.
Als wir die Gaskammer betreten haben, ist mir schlecht geworden, denn es ist schrecklich, sich vorzustellen, was in diesem Raum früher passiert ist.
Ich war sehr froh, als ich wieder draußen war, aber vergessen kann ich das Gefühl nicht.
Nach der Führung gingen wir zum Mittagessen in das Café „Lebenswert“. Besonders toll war, dass uns sehr nette Leute vom Institut bedient haben, und obwohl sie eine leichte geistige Behinderung haben, machten sie einen glücklichen Eindruck :-) Im Institut haben wir Susi, Anton, Gregor und Christian kennengelernt.
Sie haben uns ihre Geschichte erzählt und wir durften Fragen stellen. Anton kann leider nicht sprechen, aber für ihn hat der Betreuer einiges erzählt. Danach sind wir mit Gregor im Rollstuhl durch den Garten gefahren.
Zum Schluss haben wir ihn noch zu seiner Wohnung gebracht. Er ist sehr nett und wir haben uns gut mit ihm unterhalten.
Ich hatte den Eindruck, dass die Bewohner sich im Institut sehr wohl fühlen, denn es gibt verschiedene Aktivitäten, zum Beispiel in der Werkstatt zu arbeiten, gemeinsam zu kochen oder sich im Hallenbad zu entspannen.
Sarah Buchinger
