Segnung des erneuerten Kreuzes bei Fam. Mair in Glatzing
Glatzinger Kreuz:
Das Kreuz steht für einen Spuck.
Es ist im Besitz der Familie Mair, Glatzing 9, und dürfte zwischen Mitte und Ende des 18. Jahrhunderts aufgestellt worden sein.
Eines Nachts, in den 90er Jahren fuhr ein LKW das Kreuz um und zerbrach es in viele Teile. Daraufhin erneuerte die Familie Mair das Kreuz und setzten den Gekreuzigten wieder zusammen.
Am 11. April 2015 wurde das Kreuz wieder so schwer beschädigt, dass Frau Rosa Mair sich gezwungen sah die Überreste des zerstörten Kreuzes zu entfernen.
Mitte April 2019 wurde ein neues Kastenkreuz von Manfred Mair aufgestellt. Frau Rosa Mair ließ das Holzkastenkreuz von Herr Fritz Litzlbauer, Bildhauer und Vergolder, Höllberg 4, aus Neukichen am Wald anfertigen.
Geschichte:
Der Großvater des zuletzt verstorbenen Johann Mair, Herr Leopold Mair stammte von Marchtrenk und war Polier beim Pfarrkirchenbau in Kopfing.
Herr Mair steckte auch das Turmkreuz. In dieser Zeit lernte er die Frau Maria Schmidbauer, Glatzing 9, kennen und heiratete auf dieses Anwesen.
Das erste Kreuz dürfte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufgestellt worden sein. Vorher stand an dieser Stelle eine Hanfstube, in der sollte es oft gegeistert (gespukt) haben.
Ein Mann hat sich laut mündlicher Überlieferung in dieser Hanfstube aufgehängt. Wie man ihn mit dem Leichenwagen wegbringen wollte, weigerten sich die Pferde an der Hanfstube vorbeizugehen, sie wieherten, stiegen mit den Vorderhufen auf und gebärdeten sich wie wild. Nur mit Mühe konnten sie vorbei gebracht werden.
Auch bei weiteren Begräbnissen wiederholte sich dieses Ereignis.
Daraufhin beschlossen die Bewohner dem Spuck Einhalt zu gebieten und stellten ein Kreuz auf. Ab diesem Zeitpunkt gingen die Pferde an dieser Stelle anstandslos vorbei.
Auch zu meiner Schulzeit hatten wir Kinder immer ein ungutes Gefühl wenn wir bei Dämmerung oder Nachtzeit an diesem Kreuz vorbeigingen, da uns vom Hören und Sagen bekannt war, dass es bei diesem Anwesen, und gegenüber in der Hanfstube wo jetzt das Kreuz steht, gegeistert (gespukt) haben soll.
Die erste Flurprozession im Mai führte früher von Kopfing beginnend Richtung Rasdorf über Matzelsdorf zum Glatzinger Bründl, weiter über Glatzing bei diesem Kreuz vorbei wieder nach Kopfing zurück.
Beschreibung:
Das aus Eichenholz bestehende Holzkastenkreuz (Höhe ca. 3,10 m Breite 1,50 m ist auf einem Betonsockel befestigt.
Der geschnitzt Gekreuzigte (Höhe 1,05 m ausgebreitete Arme 0,70 m) ist in Farbe gefasst.
Über dem Kopf des Gekreuzigten ist die ebenfalls in Farbe gefasste „INRI“ Tafel angebracht. Die beiden Dachbretter sind zum Schutz vor der Witterung mit einem Blech beschlagen.
Johann Gschwendtner