Krippenbesuch
Warum eine Krippe?
Krippen als szenische Darstellung der Geburt Jesu gehen eigentlich auf Franz von Assisi (1181-1226) zurück. Ihm war es wichtig, den Menschen im 13. Jahrhundert die Botschaft von Weihnachten anschaulich vor Augen zu führen. Von Italien aus verbreiteten sich die Darstellungen rasant über ganz Europa und schließlich über die ganze Welt.
Eine ganz besonders reiche Tradition von Krippendarstellungen in unserer Gegend gibt es vor allem im Salzkammergut, wo viele Krippen ganze Räume einnehmen und deren Aufbau bereits im Herbst beginnt.
Was ist aber eine Krippe?
Wer nun aber meint, eine Krippe versuche das Geschehen vor 2000 Jahren in Bethlehem möglichst originalgetreu nachzustellen, der irrt gewaltig. Das war aber auch nie das Ansinnen einer Krippendarstellung. Jesus wird in unserer Zeit und in unserer Kultur Mensch. Wir finden deshalb in jeder Krippe immer auch Beziehungen zur Entstehungszeit der jeweiligen Krippe.
Unsere Gutauer Krippe stammt aus dem 19. Jahrhundert. Wir bemerken beim Jesuskind noch die Darstellung als mitteleuropäisches Kind, die fast schon verklärte Haltung Marias oder das Mauerwerk an der Rückwand des Stalls.
Erst in der Nachkriegszeit werden bei uns in Österreich und Deutschland Krippen mit einem starken Israelbezug gestaltet, das heißt zum Beispiel, dass Jesus nicht mehr blond und blauäugig, sondern als Palästinenser dargestellt wird. Doch auch diese Entwicklung ist als Reaktion auf die Shoa ein Ergebnis unserer Zeit. Außerdem wurde natürlich durch eine verstärkte Reisemöglichkeit das reale Israel wesentlich greifbarer.
So möchte uns jede Krippendarstellung einladen, das Geschehen von Weihnachten in unsere Kultur und unsere Zeit zu übertragen. Gerade in dieser Übertragung liegt für mich der zeitlose Wert der Krippendarstellungen.
Andreas Golatz