Getragen von Gott und den eigenen Füßen
Pünktlich mit dem Geläute der Josefsglocke um 6 Uhr startete die Pilgergemeinschaft vom Pfarrplatz aus ihren Wallfahrtstag. Das Ziel, St. Leonhard bei Freistadt, war bekannt. Denn die 30 Kilometer lange Strecke wird schon seit über 100 Jahren am 2. Oktoberwochenende begangen.
Bei herbstlichem, bewölktem aber trockenem Wetter wurde mit Pilger-Fahne der Weg begonnen. Die Witterung änderte sich nicht viel, bis auf einige Sonnenstrahlen die man dankbar in der Gegend um Gutau einsammelte. Auch die Kulinarik hat schon lange Tradition. Stärkung erfuhren die Wallfahrenden bei einer kurzen Rast in Hagenberg, beim Wirt in Selker und beim "Singenden Wirten" in der Stiftung.
Die Kapellenandachten in Wögern, Selker und Hundsdorf folgten dem Jahresthema der Pfarrgemeinde. Unterschiedliche Aspekte die unserem Leben Halt geben wurden meditiert und besungen: Natur, Gemeinschaft, Glaube.
Auch die abschließende Wort-Gottes-Feier in der Pfarrkirche St. Leonhard widmete sich der Frage, wie uns Glaube und Gott über die Zeit hinweg trägt. Seelsorger Robert Janschek begleitete die Wallfahrt und stand dem Gottesdienst vor. Er wies in seinen Predigtgedanken darauf hin, dass die Begegnungen der Propheten mit Gott und der Apostel mit Jesus auch heute noch geschehen. Aber dass wir heute anders als in alter Zeit, bewusster auf die alltäglichen Erfahrungen der Liebe Gottes achten müssen um sie als solche zu erkennen. Aber auch mutig sein sollten, diese Erfahrungen weiterzugeben. (Predigtgedanken siehe unten)
Ein herzliches Dankeschön gilt dem Organisationsteam der Wallfahrt, Herbert Foissner und Alois und Maria Lanzerstorfer die von den Andachten über Verpflegung und Heimreise alles im Blick hatten.
So dürfen wir uns auf nächstes Jahr freuen, wenn es am 10. Oktober 2026 wieder heißt: Auf nach St. Leonhard!
Fotos: A. Lanzerstorfer, Robert Janschek
Text: Robert Janschek
L: Jes 431-3a; Petr 315-18; Ps 1211-8
E: Mt 1128-30
Liebe Feiergemeinde, liebe Wallfahrer:innen, Schwestern und Brüder im Glauben an den begleitenden Gott,
In einer Pfarrgemeinderatssitzung vor dem Sommer bei der ich als Gast anwesend sein durfte, wurde in einem breiten Gedankenaustausch ein Jahresmotto gesucht. Ein Thema, das uns, und alle Menschen in der Pfarrgemeinde begleiten soll. Das uns auf etwas hinweist, das uns erinnert, das wir hinaustragen wollen. Und bei diesem Suchen hat sich ein Anliegen, neben vielen anderen wertvollen Inhalten, herauskristallisiert: Wie gehen wir heute mit unserer Spiritualität um? Welchen Wert hat Glaube in der heutigen Zeit? Wie können wir positive Glaubenserfahrungen weitergeben?
Und diese Sammlung wurde in einen griffigen Satz gegossen, der uns auch heute schon bei den Andachten auf unserem Weg begleitet hat: WAS TRÄGT UNS! Was gibt uns halt? Bei wem finden wir Ruhe? Was sind die Ankerpunkte in meinem Leben, auf die ich mich verlassen kann? Auf die wir uns verlassen können.
Vielleicht habt ihr unterwegs eines der Andachtsthemen schon miteinander besprochen. Und es ist wichtig uns bewusst zu machen jedes dieser Themen gibt Menschen halt. Die eine findet in der Familie ihre Kraftquelle, für den anderen ist es die Gemeinschaft im Verein, die Beziehung zu einem Haustier, die Bewegung in der Natur, das Auspowern beim Trailrunning oder im Fitnessstudio. Der Mensch braucht Haltegriffe im Leben, eine Struktur, ein Netz, das da ist, wenn einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Wenn Unheil über uns hereinbricht. Wenn wir nicht mehr weiterwissen. Und es ist denke ich nicht an uns, zu bewerten was den vermeintlich besten Halt gibt.
Als Christ:innen haben wir neben all den Individuellen Sicherungen einen gemeinsamen Haltepunkt, an dem jede und jeder anknüpfen kann. Ich möchte mit euch auf 4 Themen der heutigen Schriftstellen blicken, die uns Gott als den näherbringt, der uns Trägt.
Halt in den Krisen des Lebens sagt uns die bildgewaltige Erzählung Jesajas zu. Die prophetische Schrift entstand, um den im Exil zerstreuten Israeliten Mut zuzusprechen. Sie daran zu erinnern, dass Gott sie nicht vergisst. In den Worten des Propheten werden wir daran erinnert, dass jeder Mensch von Gott gerufen ist. Ganz persönlich, Ich und du. Gott ruft mich beim Namen, weil er mit mir eine Geschichte schreibt. Und folge ich seinem Ruf so darf ich in allen Krisenlagen, Feuer und Wasser, Exil und Vertreibung, ob Krankheit und Tod darauf vertrauen, dass Gott im Leben und im Leiden mitgeht und mitträgt, dass Gott wahrhaft ein Retter ist.
In den Psalmen wird dieses Thema aufgegriffen. Die Lieder die die Israeliten wie die Christ:innen seit dem 1. Jahrtausend vor Christus singen und beten sind voll von der Zusage eines Gottes der uns nährt, der uns Ruhe verschafft, der uns ein Hirte oder wie vorhin gesungen Hilfe und Rettung ist. Oder wie vielleicht auf der heutigen Wallfahrt erfahren: der unsere Füße nicht wanken lässt und unser Gehen behütet.
Die biblischen Schriften geben uns dabei immer Zeugnis von Erfahrungen, die Menschen in alter Zeit gemacht haben, wie Jesaja, oder König David. Aber machen nicht auch wir heute Erfahrungen mit Gott?
In der Begegnung mit Menschen: Wenn mir jemand zuhört, ohne zu urteilen – und ich spüre, dass ich angenommen bin. Wenn ein Mensch genau im richtigen Moment da ist, um zu helfen oder zu trösten. Wenn Versöhnung gelingt, obwohl alles festgefahren scheint. Dann machen wir eine spürbare Erfahrung der Liebe Gottes, die uns annimmt, die uns auffängt, die uns sieht, wie wir sind. Ehrlich, echt, authentisch.
Oder in der Schönheit der Schöpfung: Der Sonnenaufgang, der uns in Wögern geschenkt wurde, Wind und Regen die kühlen, wachsen und gedeihen lassen, da dürfen wir glauben das Gott sich im Atem der Welt zeigt. Das er am Anfang der Schöpfung seine Liebe in unsere Welt gepflanzt hat.
Im Evangelium, wo wir Jesus selbst begegnen in seinen Worten, da hat er es uns zugesagt: Mit aller Mühsal und mit aller Last erwartet der HERR uns. Gibt ER uns Halt und Ruhe. In den Leiderfahrungen, die wir in unserer Zeit durchleben, kann es den Moment der Linderung und der Hoffnung geben, einen Augenblick wo die Last leichter wird und wir sie Tragen können. Da dürfen wir glauben, dass Gott mit uns geht und uns trägt, dass seine Liebe uns nicht verzweifeln lässt.
Schwestern und Brüder, ich glaube fest daran, dass wir auch heute solche Erfahrungen der Nähe und Liebe Gottes machen. Das sie uns aber im Trubel des Alltags, im Stress der Arbeit und Aufgaben, in einem gesellschaftlichen Klima des Gegeneinanders und des Neids, nicht mehr auffallen.
Und da sehe ich den Aufruf aus dem Petrusbrief als einen kleinen Hoffnungsschimmer. Dass wir als Christ:innen uns gerade in Zeiten der Krisen bewusst werden: Wir sind getragen. Wir haben Hoffnung, aufgrund der Erfahrungen der Propheten, der Jünger Jesu aber genauso in unserem bewussten Erleben heute. Dass wir mutig sind und unser Umfeld, da wo wir wirksam sind, darauf hinweisen, dass es die Spuren des Guten, die Spuren einer vollkommenen Liebe in unserem Leben gibt die uns Halt und Sicherheit gibt. Dass wir diesen Spuren folgen können, um schließlich Gott in unserem Alltag zu entdecken.
Ich hoffe, dass ihr heute kleine alltägliche Erfahrungen des getragen Seins gemacht habt. Dass die Hoffnungsbatterien aufgeladen und wieder bereit sind Rede und Antwort zu stehen in Wort und Tat. Denn Gott trägt uns. Er begleitet bei jedem Schritt, den wir gehen. So vertrauen wir ihm – und tragen einander.
AMEN