"Ein hörendes Herz, das Gute vom Bösen zu unterscheiden"
"Der zentrale Satz der heutigen Lesung ist die Bitte Salomos um ein „hörendes Herz“. Was bedeutet dieser Wunsch?
In unserer Kultur gilt das Herz als Zentrum der Lebenskraft, darüber hinaus als Ort des Gewissens, als Sitz der Seele, sowie der Gefühle. Wenn im übertragenen Sinn vom Herzen einer Stadt gesprochen wird, so ist das „Herz“ gänzlich zum Bild für „Mitte“ und „Zentrum“ geworden.
Zweifellos hängt die große Symbolkraft des Herzens mit der Tatsache zusammen, dass das Herz, als einziges inneres Organ, ständig mehr oder weniger spürbar ist.
Dass in der Bibel das Herz ein zentraler Begriff ist, erstaunt daher nicht. Aber im Hebräischen ist mit „Herz“ oft nicht dasselbe gemeint wie im Deutschen. Es steht ähnlich wie bei uns für das Innere des Menschen. Gott weiß um die Herzensgeheimnisse der Menschen. Das Herz kann voll Angst sein oder gelassen, mutlos oder überheblich. Es kann sich auch freuen. Wenn das Herz stirbt, ist der Körper gelähmt. Heute würden wir medizinisch von einem Schlaganfall sprechen, aber das Gehirn hat man damals, genauso wie die Lunge, nicht als Organ wahrgenommen.
Das Herz war in Israel jedoch nie primär der Sitz der Gefühle und schon gar nicht der Liebe, wie in unserem Kulturkreis. Es war vor allem der Sitz der Vernunft und des Verstandes, des geheimen Planens und Überlegens, sowie der Entschlüsse. Es verarbeitet und ordnet die Eindrücke, die von außen kommen. ....."
Aus den Predigtgedanken von Dr. Wolfgang Traunmüller