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Do. 30.10.25

St. Josefshaus, „Anstalt“

Unterlangbath 42, später, an anderer Stelle Langbathstraße 44

Kinderbewahranstalt, Nähschule, Dienstboten-Ausbildungsanstalt, Koch- und Haushaltungsschule, Kindergarten, Schulzentrum; vieles hat das Haus kommen und gehen gesehen, inklusive Untergang im Hochwasser.

Pfarrer Johann Ev. Kurrany wollte für kinderreiche Arbeiterfamilien in Ebensee eine „Kinderbewahranstalt und eine Arbeitsschule“ errichten. 1854 kaufte er das Woll- und Färberhaus in Unterlangbath 42 und übergab es der Pfarrkirche Ebensee. Die Führung der Anstalt überließ er den Vöcklabrucker Schulschwestern. Der Kindergarten wurde im Jahre 1864 eröffnet und kurz darauf die Schule. Deren Aufgabe war es, schulentlassenen Mädchen das Nähen beizubringen, da kein Handarbeitsunterricht bestand. Später wurde daraus eine „Dienstboten-Ausbildungsanstalt“.

Die Ausbildung dauerte 1 ½ bis 2 Jahre und die Mädchen erhielten Unterkunft und Verpflegung. Bei der Zuweisung sollte besonders auf Waisenmädchen nach Salinen- und Forstarbeitern geachtet werden.

Am 13. September 1899 brach die unvergessliche Hochwasserkatastrophe über Ebensee herein und zerstörte neben vielen anderen Häusern auch die gesamte Anstalt. Die Schulglocke, die 1864 vom Kalvarienberg in die Anstaltskapelle überstellt wurde, fiel dem Unglück zum Oper und landete unter den Schuttmassen. Das einzige erhaltene Stück aus dieser Zeit ist eine Muttergottesstatue, die vom Schlossergehilfen Anton Auer fast unversehrt über 1 km entfernt vom alten Haus aus Schlier- und Lehmmassen geborgen wurde.

1901 übersiedelten die Schulschwestern mit den Kindern in das an anderer Stelle, etwas höher gelegene, neu erbaute Haus neben dem Friedhof. Von da an hieß es St. Josefshaus. Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde die Schule umgewandelt in eine Koch- und Haushaltungsschule mit Schulküche und nach dem Ersten Weltkrieg erweitert um eine Nähschule für Damenschneiderei.

Durch die Nazis wurde das St. Josefshaus enteignet, es kam von 1939 bis 1945 die von Frau Spanitz und Frau Müller gegründete „Gewerbeschule“, die Vorgängerin der jetzigen Modeschule in das Haus.

1946 wurde die Unterrichtstätigkeit für eine Haushaltungsschule mit Internat wieder aufgenommen. Nach und nach übernehmen Lehrerinnen und Lehrer aus Ebensee den Unterricht, die Leitung bleibt weiter bei einer Schwester. In den 70er und 80er Jahren erfolgt in mehreren Stufen ein tiefgreifender Umbau für einen zeitgemäßen Kindergarten- und Schulbetrieb, bis 1984 der großzügige Zubau, der S 22.000.000 gekostet hat, eröffnet werden konnte. 90 Internatsschülerinnen bezogen das neue Heim.

1993 ging Schwester Norberta Weinbergmair nach 18 Jahren als Schuldirektorin in Pension, und ein Jahr später übergab Schwester Hildegard Klambauer nach 24 Jahren die Kindergartenleitung an Gabriele Preimesberger. 1999 verließen die letzten Schwestern Ebensee, die Schule wurde von der Diözesancaritas übernommen. Die Schule hat inzwischen das Internat mangels Nachfrage aufgegeben und sich umbenannt in „Josee“. Sie ist eine Schule für Sozialbetreuungsberufe geworden mit den Bereichen Altenarbeit, Familienarbeit, Behindertenarbeit, Behindertenbegleitung.

 


 


 

Text großteils nach Veronika Brunner, ehemalige Lehrerin im St. Josefshaus

Schulküche 1913, Fotograf Josef Berthold POLLANSCHÜTZ 4. v.l.: Leopold HOFINGER, Bürgermeister
Schulküche 1913, Fotograf Josef Berthold POLLANSCHÜTZ 4. v.l.: Leopold HOFINGER, Bürgermeister
Anstaltsmädchen in einjähriger Gratisausbildung zur Haushaltshilfe, ganz links Maria STEINKOGLER, geboren 1907, Aufnahme 1919 bis 1920
Anstaltsmädchen in einjähriger Gratisausbildung zur Haushaltshilfe, ganz links Maria STEINKOGLER, geboren 1907, Aufnahme 1919 bis 1920
Hochwassermadonna
Hochwassermadonna
Josefshaus um 1940
Josefshaus um 1940
vor 1945
vor 1945
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