Jung. Ohne Arbeit. Mitten in der Stadt.
Am 30. April ist Tag der Arbeitslosen. Der Aktionsgemeinschaft „Tag der Arbeitslosen OÖ“, gehören kirchliche und soziale Organisationen sowie Gewerkschaftsgruppen an, die aus diesem Anlass die Situation Arbeit suchender Menschen ins Bewusstsein rufen. Heuer lenkte die Aktionsgemeinschaft den Blick speziell auf die Bedürfnisse und Herausforderungen arbeitsloser Jugendlicher. Bei einem Stadtrundgang in Linz wurde Verantwortungsträger:innen und anderen Interessierten eindrücklich vor Augen geführt, mit welchen Hindernissen Jugendliche bei der Lehrstellen- und Arbeitssuche konfrontiert sind und welche Unterstützungsmaßnahmen es braucht.
Erschwerter Einstieg durch psychische Belastungen
„Ich habe die Balken einer Statistik gesehen. Es gibt viel zu wenig Lehrstellen. Das ist entmutigend. Ich habe noch keine Lehrstelle gefunden und es ist, als würden all meine Bemühungen nichts bringen.“ Diese Einschätzung eines 15-Jährigen ist kein Einzelfall. Anfang des Jahres verzeichnete Oberösterreich den Höchststand an Lehrstellensuchenden. Die Zahl der Jugendlichen, die eine Lehrstelle suchen, ist im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist die Zahl der offenen Lehrstellen um rund 23 Prozent zurückgegangen. Besonders schwierig ist die Situation für Jugendliche, die zusätzlich belastende Erfahrungen, etwa mit Mobbing oder Gewalt, gemacht haben. Daraus folgende Angsterkrankungen oder Depressionen stellen eine weitere Hürde bei der Suche nach einer Lehrstelle dar.
Frühe Unterstützung entscheidend
Das zeigt, wie wichtig verlässliche Unterstützung und niederschwellige Angebote der psychosozialen Begleitung sind. Sie helfen Jugendlichen, sich zu stabilisieren und Schritt für Schritt Vertrauen und Perspektiven für die eigene Zukunft zu entwickeln. „Ein erschwerter Einstieg ins Berufsleben erhöht das Risiko wiederholter Arbeitslosigkeit. Um gegenzusteuern, braucht es bildungspolitische und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, die Jugendliche beim Berufseinstieg unterstützen und zugleich dem Lehrstellen- und Fachkräftemangel entgegenwirken“, sagt Katja Haller, Projektleiterin und Referentin der Bischöflichen Arbeitslosenstiftung.
Linz durch die Augen arbeitsloser Jugendlicher sehen
Anschaulich wird die Situation betroffener Jugendlicher bei einem Stadtrundhang in Linz, der von der Aktionsgemeinschaft „Tag der Arbeitslosen OÖ“gemeinsam mit arbeitslosen Jugendlichen entwickelt wurde. Projektleiterin Katja Haller: „Es sind junge Menschen aus psychosozialen Einrichtungen im Alter zwischen 15 und 22 Jahren, die ihr Leben unter erschwerten Bedingungen meistern. Der Stadtrundgang führt zu Orten in Linz, die Einblick in ihren Alltag geben. Wir sehen die Stadt gleichsam durch ihre Augen.“ Etwa 25 Verantwortungsträger:innen und weitere Interessierte waren am 30. April 2026 der Einladung zu diesem besonderen Rundgang gefolgt.
Jede Station des Rundgangs stand für ein zentrales Thema. Gestartet wurde am Hauptbahnhof und der dort angesiedelten AMS-Zweigstelle, die für Arbeitssuche und Behördenkontakte steht. Weiter ging es zur Arbeiterkammer OÖ, wo Lehrstellensuche im Fokus stand. Dabei wurden auch Wünsche und Lösungsansätze thematisiert, etwa eine verstärkte Übergangsbegleitung im ersten Lehrjahr. Eine Apotheke stand stellvertretend für das Thema psychische Gesundheit, ein Fitnesscenter für einen Ort, der jungen Menschen sprichwörtlich Kraft gibt. Ein weiterer Fokus lag auf der digitalen Lebenswelt. Bei der Landesbibliothek wurden soziale Medien als wichtigste Informationsquelle Jugendlicher in den Blick genommen. Stellvertretend für psychosoziale Unterstützungsangebote wurde das IAB, Institut für Ausbildungs- und Beschäftigungsberatung, als abschließende Station gewählt.
Jugendliche, die beim Jugendprojekt JU-CAN der Bischöflichen Arbeitslosenstiftung in Betreuung sind, sowie Jugendliche von pro mente OÖ und vom Projekt VSG FACTORY, haben ihre Erfahrungen an den jeweiligen Stationen des Rundganges vorgelesen. Am Rundgang teilgenommen haben etwa Vizebürgermeisterin Karin Leitner, Stadträtin Eva Schobesberger, Nationalratsabgeordneter Roland Baumann und Caritas Vorständin Marion Huber sowie Vertreter:innen sozialer Einrichtungen.
„Es war ein sehr berührende Einblick in die Lebenswelt von jungen Menschen, die keinen leichten Start ins Leben haben“, so eine Teilnehmerin.
Bischof Scheuer: Jungen Menschen echte Perspektiven eröffnen
Bischof Manfred Scheuer, der aus Termingründen nicht am Rundgang teilnehmen konnte, betont die Verantwortung von Kirche und Gesellschaft jungen Menschen gegenüber: „Wenn immer mehr Jugendliche trotz großer Anstrengungen keinen Lehrplatz finden, ist das zutiefst entmutigend und ein Alarmzeichen. Als Gesellschaft sind wir gefordert, jungen Menschen durch Solidarität, verlässliche Begleitung und gerechte Strukturen echte Perspektiven für Arbeit, Teilhabe und ein gelingendes Leben zu eröffnen – aus Achtung vor der Menschenwürde, die Gott jedem Menschen zuspricht.“
Tag der Arbeitslosen
Am 30. April ist der Tag der Arbeitslosen, der auf die Situation und Bedürfnisse von Arbeit suchenden Menschen aufmerksam macht. Die Aktionsgemeinschaft „Tag der Arbeitslosen OÖ“, eine Aktionsgruppe mit sozialen und kirchlichen Organisationen sowie Gewerkschaftsgruppen, widmet sich jedes Jahr dem Themenkomplex Arbeitslosigkeit, Arbeitsmarktpolitik, Armut und Solidarität. Ziel ist, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und Vorurteile zu überwinden, Einblicke in die Lebensrealität von erwerbsarbeitslosen Menschen zu geben und auch politische Forderungen zu stellen.
2026 richtet sich der Fokus auf arbeitslose Jugendliche.
Aktionsgemeinschaft „Tag der Arbeitslosen OÖ“:
Bischöfliche Arbeitslosenstiftung, B7 Arbeit und Leben, Caritas OÖ, IAB Institut für Ausbildungs- und Beschäftigungsberatung, Katholische Arbeitnehmer:innenbewegung OÖ, Mensch & Arbeit, Katholische Jugend, migrare, Österreichischer Gewerkschaftsbund, Pro Mente OÖ, Solidarwerkstatt, Sozialplattform OÖ, Unabhängige Alternative Grüne Gewerkschafter:innen, Verein arbeitslos. selbstermächtigt, Volkshilfe OÖ, VSG Verein für Sozial- und Gemeinwesenprojekte