In Gedenken an Bischof em. Maximilian Aichern
Aufgewachsen in der Zeit des Faschismus und des 2. Weltkrieges war er ein überzeugter Vertreter des Dialoges und der Zusammenarbeit durch "sich zusammen Reden", ein überzeugter Freund dessen, was in Österreich nach 1945 Sozialpartnerschaft, "Große Koalition", demokratische Zusammenarbeit und feste Verankerung in den Menschenrechten hieß. Bischof Maximilian Aichern wollte diesen konstruktiven Geist in Österreich erhalten und litt daran, wenn dieser missachtet wurde.
Sein Engagement galt insbesonders Menschen am Rande der Gesellschaft. Gewalt, Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit waren ihm zuwider. Er verstand sich als Brückenbauer schon bevor er Bischof wurde. Für Bischof Maximilian Aichern war die katholische Soziallehre keineswegs Nebensache, sondern ein Kernanliegen des Glaubens.
Bischof Maximilian Aichern initiierte den Sozialhirtenbrief der katholischen Bischöfe und später das Ökumenische Sozialwort, gemeinsam mit den anderen christlichen Kirchen Österreichs. Niemals wäre dies ohne ihn und die von ihm geförderte Katholische Sozialakademie entstanden. Er war durch und durch Demokrat. Mit Leidenschaft arbeitete er an der Allianz für den freien Sonntag mit Gewerkschafter:innen und Unternehmen-Vertreter:innen und ging weltoffen und ökumenisch auf alle denkbaren Gruppen und Organisationen in der oberösterreichischen Gesellschaft zu. In Begegnungen mit Politiker:innen suchte er nie nur oberflächliche Höflichkeit, sondern ehrliche Auseinandersetzung um das Wohl der Menschen.
Er besaß ein aufmerksames Gehör für Notleidende und stiftete persönlich Initiativen der sozialen Gerechtigkeit und Armutsbekämpfung. Europa war ihm ein großes Anliegen, nicht nur als Wirtschaftsunion, sondern als Modell einer regelbasierten, friedlicheren Welt ohne Nationalismus und Verachtung.
Mit Bischof em. Maximilian Aichern verlieren wir eine große Persönlichkeit des christlichen Glaubens, einen wirklichen Mutmacher für alle, die Sorgen und Not haben und für alle, die sich von Herzen eine gerechtere Welt wünschen. Er lebte eine Weltoffenheit, die uns heute, 2026, in Österreich immer wieder fehlt. Wir haben ihm viel zu verdanken.
Dr. Dr. Severin Renoldner
1999-2017 Sozialreferat
arbeitete in sozialen Fragen mit Bischof Maximilian zusammen
Ablauf der Trauerfeierlichkeiten
Altbischof Aichern: Requiem im Linzer Mariendom, Beisetzung im Stift St. Lambrecht