"Lasst euch die Freude am Christsein nicht nehmen!"
Voll Dankbarkeit und in Verbundenheit trauert die Frauenkommission der Diözese Linz um Altbischof Maximilian Aichern. Er verstand sein Hirtenamt als eine von tiefer Herzlichkeit getragene Zuwendung zu allen Menschen in seiner Diözese und darüber hinaus. Als Vorwegnahme des synodalen Weges war ihm ein fruchtbares Miteinander von Priestern, Diakonen und Laienmitarbeiter:innen in der Diözese Linz ein großes Anliegen.
Einen offenen Blick hatte er besonders für die Situation der Frauen in der Kirche. Im Speziellen war ihm die Frauenförderung in der Diözese Linz wichtig. Bereits in den 1990er-Jahren setzte er sich bei einer Weltbischofssynode für das sakramentale Diakonat für Frauen ein. Diese in konservativen Kreisen unpopuläre Position vertrat er trotz heftiger Angriffe konsequent und unterstrich sie auch noch in einem Interview anlässlich seines 90. Geburtstags.
Im Oktober 1997 wurde schließlich im Auftrag Maximilian Aicherns die Frauenkommission der Diözese Linz gegründet. Sie sollte seiner Meinung nach als Beratungsgremium des Bischofs das gleiche Gewicht haben wie etwa der Pastoral- und der Priesterrat und Sitz und Stimme im Erweiterten Konsistorium bekommen. Dank Altbischof Maximilians Weitblick und vielen aktiven Frauen in diesem Gremium hat sich die Frauenkommission der Diözese Linz zu einem aktiven und Initiativen setzenden Gremium entwickelt, das für haupt- und ehrenamtlich tätige Frauen die Stimme erhebt.
2001 startete Bischof Aichern auf Initiative der Frauenkommission einen Gleichstellungsprozess in der Kirche Oberösterreichs - ausgelöst durch eine Analyse über die Situation der Frauen in den kirchlichen Einrichtungen. Viele jetzt bereits etablierte Maßnahmen zur Förderung von Frauen in Führungspositionen, Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder zur geschlechtergerechten Sprache sind darauf zurückzuführen.
Eine zukunftsweisende Bedeutung hatte auch Bischof Aicherns Umgang mit der Erinnerungskultur: Er beschränkte das ehrende und mahnende Andenken nicht auf Franz Jägerstätter, den NS-Kriegsdienstverweigerer, sondern inkludierte auch dessen Ehefrau Franziska Jägerstätter, die im Leben und nach seinem Tod fest zu der Entscheidung ihres Mannes gestanden hatte: „Was sie geleistet hat, ist herausragend.” Er unterstützte den Seligsprechungsprozess des Ehepaares.
Gerade vielen Frauen ist seine Ermunterung: „Lasst euch die Freude am Christsein nicht nehmen!“ in lebhafter Erinnerung und Aufforderung und Stärkung zugleich. Die Frauenkommission der Diözese Linz dankt dem verstorbenen Altbischof Maximilian von ganzem Herzen für sein vielfältiges Tun als liebevoller Hirte für alle Menschen in unserer Diözese und für seine Zuwendung zu den Anliegen der Frauen. Wir werden ihm stets im Gebet verbunden bleiben! Möge Gott ihm sein Handeln im Sinne des Evangeliums vergelten und ihn in seine Herrlichkeit aufnehmen!
Erinnerungen von Wegbegleiterinnen:
Mag.a Dorothea Schwarzbauer-Haupt (2003-2009 Vorsitzende der Frauenkommission) behält den treuen Beistand von Altbischof Maximilian im Gedächtnis und im Herzen: „Wenn der Bischof überzeugt war, etwas ist gut und richtig, stand er dazu und hielt dem Widerstand stand. Das war z.B. Ende der 1990er beim Alternativleseplan Frauenperikopen der Fall, einer Sammlung von Bibelstellen, in denen Frauen vorkommen: Als sie massiv angegriffen wurde, hat er unsere Initiative verteidigt.”
Mag.a Gabriele Eder-Cakl (Direktorin des Österreichischen Pastoralinstituts) arbeitete viele Jahre lang in der Diözese Linz mit ihm zusammen und hebt neben seinem großen Herzen auch seine klare Vision für die Kirche hervor: „Bischof Maximilian hat sich schon bei der Weltbischofssynode für Laien und für das geweihte Leben 1987 und 1994 als österreichischer Vertreter für das sakramentale Diakonat für Frauen eingesetzt. Dieser Einsatz von Bischof Maximilian für die Wertschätzung der gemeinsamen Taufwürde und der Charismen jedes und jeder Getauften ist nicht hoch genug einzuschätzen.”
Für Mag.a Johanna Strasser-Lötsch (Verfasserin von Frauenpredigten und ehemals Pastoralassistentin) bringt eine kleine Begebenheit die wertschätzende, unprätentiöse Haltung von Altbischof Maximilian zum Ausdruck: „Bei einem großen diözesanen Fest gab es lange Wege und viele Stufen zu bewältigen - und Bischof Aichern litt unter starken Rückenschmerzen! Ich bot ihm einen stützenden Arm an und wie selbstverständlich hat er sich eingehängt. Trotz des hochoffiziellen Settings mit der entsprechenden bischöflichen Gewandung und den rundum stehenden Assistenten und Ministranten hat er sich ohne Scheu auf den Arm einer Frau gestützt. Diese selbstverständliche Geste hat mich gerührt.”