In Gedenken an Beate Luger-Goyer
Beate Luger-Goyer war 1981 die erste Absolventin der neu gegründeten Studienrichtung Textil an der damaligen Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz. Als Künstlerin und Lehrende prägte sie über viele Jahre die Entwicklung des textilen Schaffens in Oberösterreich. An der Kunstuniversität Linz betreute sie als Leiterin der Webwerkstätte mit großer Kompetenz, Feingefühl und ausgeprägter Menschenkenntnis Generationen von Studierenden. Sie verstand es, ihre Begeisterung für das Material, die handwerkliche Präzision und die künstlerische Auseinandersetzung mit Textilien weiterzugeben und junge Menschen auf ihrem Weg zu begleiten.
Neben ihrer Lehrtätigkeit engagierte sie sich immer wieder in regionalen Kunst- und Kulturprojekten. Dabei brachte sie ihr umfassendes Wissen über textile Gestaltung im Spannungsfeld von Geschichte und Gegenwart, Kunst und Handwerk ein. Ihr Wirken war stets von der Überzeugung getragen, dass Kunst Räume des Erinnerns, der Begegnung und der Sinnstiftung schaffen kann.
Für die Pfarrkirche Schiedlberg entwarf sie in Abstimmung mit den liturgischen Objekten von Franz Josef Altenburg drei Altartücher sowie ein Messkleid. Diese Arbeiten zählen zu den herausragenden zeitgenössischen textilen Gebrauchsobjekten der Diözese Linz. Die unterschiedlichen Ausführungen für Werktag, Sonntag und Festtag machen auf subtile Weise die jeweilige Bedeutung der liturgischen Feiern sichtbar und verleihen dem Kirchenraum eine besondere Atmosphäre.
Von Beate Luger-Goyer stammt auch das künstlerische Konzept für die Neugestaltung der Aufbahrungshalle in Schiedlberg. Farbglasfenster und eine Wandgestaltung aus verschiebbaren Paneelen verbinden sich zu einem stimmigen Gesamtkunstwerk zusammen mit dem Kreuz von Franz Josef Altenburg, den barocken Bildern aus dem Bestand der Pfarre und den neuen Objekten des Designerduos Lucy.D (Barbara Ambrosz und Karin Santorso).
Darüber hinaus entwickelte sie unter dem Leitmotiv Alpha und Omega das Konzept für die Neugestaltung des Urnenfriedhofs in Feldkirchen an der Donau, einschließlich einer Brunnengestaltung als Gedenkort für Sternenkinder.
An diesen Orten des Abschieds ist es ihr gelungen, Räume zu schaffen, die Trost spenden und Hoffnung vermitteln. Besonders die Gestaltung des Aufbahrungsraumes in Schiedlberg zeugt von ihrer sensiblen Auseinandersetzung mit den großen Fragen menschlicher Existenz. Der Raum führt die Endlichkeit des Lebens vor Augen und stellt ihr zugleich Zuversicht und Geborgenheit zur Seite. Die Wandgestaltung besteht aus beweglichen Paneelen. Das farbige Mittelfeld mit seinen abgestuften Rot- und Blautönen erinnert an einen Sonnenaufgang und verweist symbolisch auf Neubeginn und Verwandlung. Die seitlichen Paneele tragen angedeutete, in Gold gestickte Flügel, die den aufgebahrten Verstorbenen gleichsam umfangen und beschützen. Die durchscheinenden Gewebeschichten lassen das Dahinterliegende nur erahnen und eröffnen einen Raum zwischen Sichtbarkeit und Geheimnis. So wird ein Bild des Übergangs geschaffen, das Trost spendet und Hoffnung auf Vollendung vermittelt.
Möge diese künstlerische Vision, die Beate Luger-Goyer gestaltet hat, nun auch für sie selbst zum Zeichen der Hoffnung und der Auferstehung werden.
Mit ihren Werken bleibt sie gegenwärtig. In Verbundenheit und Wertschätzung tragen wir ihr Andenken über ihre Lebenszeit hinaus.
Parte von Beate Luger-Goyer zum Download
Martina Gelsinger, Fachbereich Kunst, Diözese Linz