Arbeitsgemeinschaft Kirchlicher Museen und Schatzkammern
Notfallplanung für kirchliche Museen
Sie bewahren kostbarste Schätze aus zweitausend Jahren Kunst- und Kulturgeschichte: Die kirchlichen Museen und Schatzkammern. Zur diesjährigen Jahrestagung trafen sich 40 Museumsleiterinnen und Museumsleiter in Stift Heiligenkreuz sowie zum vertiefenden Austausch im Dommuseum Wien in Österreich. Im Fokus stand die Notfallplanung für kirchliche Museen, die immer schon notwendig war, aber gerade in der Gegenwart neue Bedeutung gewinnt.
Die Veränderungen der klimatischen Verhältnisse verstärken die Bedrohung durch Hochwasser und Starkregen, die Notwendigkeit der Prävention im Brandfall zeigt am eindrücklichsten Notre Dame in Paris. Vandalismus durch Spray-Aktionen und Ähnliches ist ebenso nicht zu unterschätzen wie die Diebstahlgefahr, die durch den Raub aus dem Louvre Aktualität erlangt hat. Und die kriegerischen Handlungen der jüngsten Vergangenheit lassen nicht nur staatliche Stellen neu über den Kulturgüterschutz nachdenken, sondern eben auch die kirchlichen Museen und Schatzkammern.
In der Arbeitstagung mit Inputs von Elke Kellner, der Geschäftsführerin von Icom Österreich, und der teilnehmenden Museen, die Einblicke in ihre Notfallpläne gaben, wurde dieses sensible Thema behandelt und in Gruppengesprächen auch in praktische Umsetzungen übergeführt. Vorzeigeprojekte gibt es auch im Bereich der Stifte in Österreich und besonders beeindruckte der – zugegeben staatlich organisierte – Kulturgüterschutz in der Schweiz, wo Bundeseinrichtungen auch kirchliche Museen in der Notfallplanung unterstützen, ja diese sogar konkret durchführen.
Sehr deutlich wurde allen Teilnehmenden, dass Kulturgüterschutz wesentlich mit der guten Planung und Prävention zusammenhängt. „Jede noch so kleine Maßnahme der Vorbereitung auf eines der genannten Ereignisse ist besser, als nichts zu tun.“, so Heimo Kaindl, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft. Zur Sprache kam auch, dass gerade Notfallplanung eine undankbare Aufgabe ist. Sie braucht Ressourcen, kostet Zeit und Geld und wird hoffentlich nie gebraucht. Wenn aber dann der Ernstfall eintritt und keine Notfallplanung vorliegt, dann brennt der Hut wirklich.
Als wichtige Erkenntnis der Tagung kann festgehalten werden, das kirchliche Museumsleiterinnen und Museumsleiter sich ihrer Verantwortung der Kulturguterhaltung für die Gesellschaft mehr als bewusst sind. Und bewusst ist auch, dass das ungeliebte Thema der Notfallplanung für Brand, Wasser, Vandalismus, Terrorismus und kriegerische Handlungen zum ungesehenen, aber notwendigen Aufgabenfeld der kirchlichen Museen und Schatzkammern gehört.
Die kirchlichen Museen und Schatzkammern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie Südtirol/Italien, Ungarn, den Niederlande und Belgien treffen sich einmal jährlich im Rahmen einer Jahrestagung zu Austausch und Fortbildung. In ihren Häusern präsentieren sie wertvolle kirchliche Kunstwerke der Bildhauerei, Malerei, Goldschmiedekunst und verschiedener Bereiche des Kunsthandwerks ebenso wie zeitgenössische Werke der bildenden Kunst. Seit 68 Jahren sind diese kirchlichen Museen in einer ökumenischen Arbeitsgemeinschaft verbunden und stellen sich in den Dienst der Gesellschaft.
Mag. Heimo Kaindl
1. Vorsitzender der Arge Kirchlicher Museen und Schatzkammern
