Donnerstag 12. Februar 2026

12 Schreibtipps – damit jeder Ihren Text kapiert, der ihn überfliegt

Tipps

Hier geht es um Ihren Schreibstil.

Im Deutschunterricht lernen wir die deutsche Grammatik kennen und anwenden. Außerdem lernen wird die deutsche Rechtschreibung. Wir lernen schwierige Sätze zu konstruieren, weil das in der deutschen Sprache möglich ist. Was die meisten nicht lernen, ist so zu schreiben, dass während des Lesens Bilder im Kopf entstehen. Ein guter Schreibstil erzeugt Bilder. Bilder werden verstanden – und behalten. Daraus folgt: Wer es schafft, Bilder in die Köpfe der Menschen zu zaubern, bringt seine Botschaft an – auch beim Überfliegen. Diese 12 Schreibtipps helfen dir dabei:

 

Tipp 1: Kurze Sätze schreiben.

 

Diese sind schnell verständlich. Außerdem helfen Sie Ihnen, schnell zum Punkt zu kommen.

 

Tipp 2: Einfache Sätze schreiben.

 

Einschubsätze und langwierige Konstruktionen machen einen Satz unverständlich – und Bilder unmöglich.

 

Beispiel für einen einfachen Satz:

Der Pfarrgemeinderat traf sich beim Punschstand am Adventmarkt

Beispiel für einen Satz mit Einschub:

Der Pfarrgemeinderat, der auch heuer wieder geschlossen am Adventmarkt zusammentraf, ist auf diesem Foto beim Punschstand versammelt.

Beispiel für einen schwierig konstruierten Satz:

Zum traditionellen Treffen des Pfarrgemeinderates am alljährlichen Adventmarkt waren auch dieses Jahr wieder die Pfarrgemeinderäte beim Punschstand zusammengetroffen, um das vergangene gemeinsame Arbeitsjahr gemütlich und in Gemeinsamkeit ausklingen zu lassen.

 

Tipp 3: Info-Dumping vermeiden.

 

Jeder Satz sollte ein Thema haben. Nicht mehr. Jedes neue Thema, jeder neue Schauplatz verdient einen eigenen Satz.

 

Als Beispiel dient wieder jener Satz:

Zum traditionellen Treffen des Pfarrgemeinderates am alljährlichen Adventmarkt waren    auch dieses Jahr wieder die Pfarrgemeinderäte beim Punschstand zusammengetroffen, um das vergangene gemeinsame Arbeitsjahr gemütlich und in Gemeinsamkeit ausklingen zu lassen.

Das traditionelle Treffen, der alljährliche Adventmarkt, Gemütlichkeit, Gemeinschaft – in diesem Satz stecken viel zu viele Themen. Zerlegt man ihn, bekommt man viele kurze Sätze, die aber in Summe verständlicher sind.

Traditionell trifft sich der Pfarrgemeinderat auf dem Adventmarkt. Beim Punschstand lassen die Mitglieder das gemeinsame Arbeitsjahr ausklingen. Das ist immer wieder gemütlich.

 

Tipp 4: Aktiv schreiben.

 

Achten Sie darauf, dass Ihr Prädikat einteilig ist.

 

Die Männer trafen sich zum Gespräch – das ist ein aktiver Satz. Die Männer haben sich zu einem Gespräch getroffen – das ist kein aktiver Satz. Man nennt ihn „passiver Satz.“ Sätze, die man mit „haben“ und „wurden“ bildet, fordern am Satzende einen zweiten Teil. Das bedeutet: Erst zum Schluss erfährt der/die Lesende, worum es eigentlich geht. Ein Beispiel dafür: Dem Obmann wurde im Rahmen der Veranstaltung vom Bürgermeister … – was jetzt? Besser ist, man schreibt: Der Obmann erhielt die Auszeichnung. Der Bürgermeister überreichte sie persönlich.

Mir ist aufgefallen, dass „wurde“-Konstruktionen oft verwendet werden, wann der Schreibende selbst nicht genau weiß, wer was getan hat; „wurde der Preis überreicht“ ist eben einfach zu schreiben, als nachzufragen, wer den Preis überreicht hat. Darum geht es im nächsten Tipp.

 

Tipp 5: Konkret schreiben.

 

Was ist passiert?

Sagen Sie klar, wer, was, wann, wo tut. Reden Sie nicht um den heißen Brei herum – getarnt durch viele „wurde“- und „haben“-Sätze, durch sinnlose Eigenschaftswörter und Info-Dumping an den verkehrten Stellen.

 

Tipp 6: Die Zeiten-Frage

 

Bevorzuge Mitvergangenheit und Gegenwart, egal wie viele Zeiten Sie sich vom Deutschunterricht gemerkt haben. Mitvergangenheit und Gegenwart haben ein einteiliges Prädikat. Daher versteht man sie schneller.

 

„Der Kongress tagte“ statt „Der Kongress hatte getagt“

„Ich war dabei“ statt „Ich bin dabei gewesen“

„Los geht’s“ statt „Bald wird es losgehen“

 

Tipp 7: Sparen bei den Eigenschaftswörtern.

 

Eigenschaftswörter (oder auch Adjektive genannt) beschreiben ein Hauptwort z.B. traditionell, alljährlich, … In der Schule haben wir gelernt, dass Eigenschaftswörter einem Text „Farbe“ geben – „das prächtige Haus“ ist mehr als „das Haus“. Das Problem mit den Eigenschaftswörtern ist, dass wir dann zwar wissen, dass das Haus prächtig ist. Nicht aber, warum. Ist die Fassade mit Stuck verziert? Oder mit einer Malerei? Sind die Türen und Fenster mit Holzeinlegearbeiten ausgestattet? Gibt es Fensterflügel – das alles sagt das Wort „prächtig“ nicht aus. Ein Bild entsteht vor den Augen unserer LeserInnen aber nur, wenn das „Prächtige“ erklärt wird. Bevor man ein Eigenschaftswort verwendet, sollte man sich also fragen: Gibt es einen besseren Weg, um den LeserInnen zu beschreiben, was ich meine? Aber bedenken Sie: Nicht jedes Eigenschaftswort ist schlecht. Manche brauchen wir. Zu viele Eigenschaftswörter hintereinander aber mästen einen Text – ein derart überladener Text ist ebenfalls schwierig zu verstehen. Außerdem: So manches Eigenschaftswort kann man sich sparen, wenn man stattdessen ein schönes Verb verwendet.

 

Tipp 8: Schöne Verben verwenden.

 

Verben stärken jeden Text. Sie pinseln Farbe zwischen die Zeilen. Meistens verwenden wir die Verben, die uns am schnellsten einfallen: sagte, geben, ist, werden, stattfinden, zusammentreffen, … Dabei bietet uns unsere Sprache so viele Verben. Statt „verwenden“ können wir sagen „nützen“. Anstelle von „stattfinden“ kann „tagen“ besser sein. Helfen Sie sich mit der Thesaurus-Funktion im Word, wenn Ihnen kein gutes Verb einfällt. Oder fragen Sie Dr. Google – und googlen Sie nach einem Synonyme-Lexikon.

 

Tipp 9: Der Satzanfang – aufgepasst!

 

Der erste Satz steigt direkt in dein Posting ein. Er reißt den/die LeserIn mit sich. Lange Erklärungen sind in Facebook fehl am Platz. Komme zum Punkt. Wenn der erste Satz sitzt, hast du zwei oder drei weitere Sätze für deine Info. Sitzt er nicht, hast du deine Chance vertan. Achtung: Wer gerne Links postet: Auch diese brauchen einen ersten Satz, der neugierig macht. Für den ersten Satz gilt daher: Interessant muss er sein. Und klar.

Am 25. Oktober 2013 ... – das ist ein langweiliger Anfang, wenn auch klar.

Neben dem vielfältigen Angebot war das Gemeinsame wichtig ... – dieser Anfang ist nicht klar. Was ist jetzt wichtiger? Das vielfältige Angebot oder das Gemeinsame? Auch hier gilt: Jedes Thema hat einen eigenen Satz verdient. Beginn-Wörter wie „neben“ „anbei“ „hinzu kam“ „um“… sind für gute Texte ungeeignet. Sie klingen langweilig, verstaubt und nach Deutschunterricht. Außerdem fördern sie Info-Dumping und schwierige Satzkonstruktionen. Also: Finger weg!

 

Tipp 10: Achtung vor faden Standard-Floskeln.

 

Im Rahmen der …

Im Zeichen …

Im Zusammenhang mit …

„Blabla“ war das Motto …

Unter dem Motto …

Unter der Flagge …

Das alles sind Standard-Floskel, die jede/r von uns schon hundertmal gelesen hat. Aufmerksamkeit kann man damit nicht erzeugen.

 

Tipp 11: Satzzeichen verwenden.

 

Beistrich, Strichpunkt, Gedankenstrich, Fragezeichen, Rufzeichen, Doppelpunkt: Sie helfen unseren Sätzen Struktur zugeben; sie dienen der Verständlichkeit. Wer sich an die Regel mit den kurzen Sätzen halten möchte, darf sich freuen: Satzzeichen helfen beim Schreiben kurzer Sätze – und trotzdem endet nicht jeder Satz mit einem langweiligen Punkt. Aber Achtung: nicht übertreiben!

 

Tipp 12: Richtig schreiben.

 

Rechtschreibung und Grammatik ist wichtig. Selbst dann, wenn man sich von allen Einschubsätzen und schwierigen grammatikalischen Satzkonstruktionen inklusive wilder Zeiten-Gebilde verabschiedet hat.

 

Die gute Nachricht ist: Wer kurze, klare Sätze schreibt, hat weniger Grammatikfehler.

 

(Text: Maria Appenzeller, redaktionelle Bearbeitung: Andrea Mayer-Edoloeyi)

 


 

Weitere 16 Tipps für spannende Texte

Digitale Kommunikation
4020 Linz
Herrenstraße 19
Telefon: 0732/772676-1170
Katholische Kirche in Oberösterreich
Diözese Linz

Herrenstraße 19
4020 Linz
https://www.dioezese-linz.at/
Darstellung: