Thursday 8. December 2022

Wer wird Patronin der Pfarre Urfahr?

Alle Bewohner der acht Pfarrgemeinden der Pionierpfarre waren seit dem letzten Dekanatsblatt eingeladen, aus drei Heiligen die Patronin der neuen Großpfarre Urfahr zu wählen:

Und so ist die Wahl ausgegangen:

294 abgegebene Stimmen:

Hl. Elisabeth: 68 (23%)

Hl. Katharina: 77 (26%)

Hl. Junia: 149 (51%)

Damit haben sich die Pfarrangehörigen mit absoluter Mehrheit die Heilige Junia zur Pfarrpatronin gewählt.

 

Es gibt noch ganz wenige Pfarren, die sich dem Patrozinium der Heiligen Junia anvertrauen, da sie erst aufgrund der bibelwissenschaftlichen Textkritik der letzten Jahrzehnte als Frau, als Apostolin erkannt wurde. Außer durch die Erwähnung im Römerbrief wissen wir wenig über sie; sie dürfte aber als Apostolin in Rom der Urkirche hervoragende Bedeutung gehabt haben. Als eine frühe Pionierin der christlichen Verkündigung und Gemeindebildung soll sie uns in der Pionierpfarre Urfahr begleiten.

 

 

Junia:
Gedenktag katholisch: 17. Mai
Gefährtin von Paulus, Apostelin,
Missionarin, Gemeindeleiterin
* in
Cilicien in der Türkei
† im 1. Jahrhundert in
Rom

 

Röm 16,7: Grüßt Andronikus und Junia, die zu meinem Volk gehören und mit mir zusammen im Gefängnis waren; sie ragen heraus unter den Aposteln und haben sich schon vor mir zu Christus bekannt.

Textfeld: Junia:  Gedenktag katholisch: 17. Mai   Gefährtin von Paulus, Apostelin,  Missionarin, Gemeindeleiterin * in Cilicien in der Türkei † im 1. Jahrhundert in Rom„Grüße Andronicus und Junia… die unter den Aposteln hervorragend waren“ (Röm 16,7). Ein Apostel zu sein ist etwas Großes. Aber hervorragend unter den Aposteln – bedenke, welch großes Lob das ist. Wie groß muss doch die Weisheit dieser Frau gewesen sein, dass sie für den Titel Apostel würdig gefunden wurde.[1]
Johannes Chrysostomos (344/54-407)


[1] In Epistolam ad Romanos, Homilia 31,2, in: Patrologia cursus completus, series graeca, hg. v. J.

P. Migne, Bd. 60, 669 f.

 

Junia oder doch Junias?

Junia wird auch als die wiedergefundene Apostelin bezeichnet, denn erst seitdem es die neue Einheitsübersetzung (2016) gibt, finden wir im Römerbrief den Namen Junia. In fast allen älteren Bibelausgaben ist an dieser Stelle des Römerbriefes von zwei Männern die Rede – Andronikus und Junias.
Im griechischen Text steht „Grüßt Andronikon und Junian“. Diese Akkusativformulierung könnte als Junia oder Junias übersetzt werden.

Die Theologin Bernadette J. Brooten hat bereits in den 1970er-Jahren die Frage nach der Übersetzung gelöst. Sie stellte fest, dass der Akkusativ „Junian“ erst seit dem 15. Jhd. als Männername gedeutet wurde. Entweder absichtlich oder durch einen Abschreibfehler wurde dem Namen Junia ein „s“ angehängt und sie wurde zu Junias. Bis ins Mittelalter wurde davon ausgegangen, dass es um eine Frau mit dem Namen Junia oder Julia geht.
Brooten stellte außerdem fest, dass der Name Junia in antiken Schriften ein weit verbreiteter Frauenname war. Für den Namen Junias konnte sie keine Belege finden.

Der Kontext des Römerbriefes legt nahe, hier an eine Frau zu denken, denn in Röm 16 grüßt Paulus einige Frauen: Phöbe, Maria, die Frauen Tryphäna und Tryphosa, Rufus und seine Mutter die Paare Prisca und Aquilla und Philologus und Julia. (Spannend ist hier, dass die Menschen, die sich in der römischen Gemeinde engagierten, immer in Paaren agierten.)

Langezeit war es nicht denkbar, dass die Bezeichnung „Apostel“ mit einer Frau verbunden wird. Erst in den letzten Jahren ist es gelungen, Junia wieder als Frau zu übersetzen und seit 2016 befindet sich diese Übersetzung auch in unserer Einheitsübersetzung.

Heutige Rezeption und Bedeutung:

  • Am Junia - Gedenktag findet in Deutschland der „PredigerInnetag der Katholischen Frauengemeinschaften Deutschlands“ statt. An diesem Tag geht es besonders darum, dass auf die Verkündigungstätigkeit von Frauen* (Lai*innen) aufmerksam gemacht wird.
  • Da Junia eine Apostelin war und somit vielfältige Aufgaben hatte, wird im synodalen Weg in Deutschland auf die unterschiedlichen Berufungen von Frauen* (auch zu Diakon*innen und Priester*innen) aufmerksam gemacht und Sr. Philippa Rath sammelte und veröffentlichte Zeugnisse von Frauen, die sich zu Diakon*innen und Priester*innen berufen fühlen.
  • Junia und Andronikus hatten gemeinsam eine herausragende Funktion für die Gemeinde in Rom. Mit diesem Hintergrund wird immer wieder hinterfragt, wie Leitung in der Kirche in Zukunft aussehen könnte.

Biographische Daten gibt es über das Leben der Junia abgesehen von der Erwähnung im Römerbrief keine. Wenn Junia als Patronin verwendet wird, dann bietet dies viel Platz für Interpretation und Nachspüren. Klar ist, dass Junia eine herausragende Frau, eine Apostelin war, die Gemeindeleben gestaltet hat. Es könnte gesagt werden, dass sie eine Pionierin war.

 

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