Sonntag 19. August 2018
Michael Haderer
Geteilte Gedanken

Das GUTe im MENSCHen

von Michael Haderer am 23. November 2015, 17:24 Uhr

Freilich bin ich gut, Mensch. Und manchmal auch nicht. Mensch, eben.

 

Immer wieder kommt mir auf Social Media - Timelines das Wort "Gutmensch" unter. Meist, um das positive Bemühen und die positive Weltsicht anderer zu diskreditieren. Da werden diesem Titel meist auch wertende Adjektive beigemengt: naiv, weltfremd, linkslinks,... 

 

Mittlerweile betrachte ich diesen Titel als Ehrentitel, wahrscheinlich noch wichtiger als mein Magisterium. Gutmensch Michael Haderer. Ich weiß nicht, ob ich jetzt genau in die Zuschreibung besagter Poster passe (mitunter sind das ja auch Journalisten von mehr oder weniger qualitätsvollen Bilderbüchern für Erwachsene, die sich selber auch Zeitung nennen).

 

Was ich aber weiß, ist, dass ich weiterhin an das Gute im Menschen glauben werde. Auch an die Menschheit selbst. Daran, dass selbst nach dem größten Leid irgendwann einmal alles gut werden wird. Daran, dass es sich lohnt, unvoreingenommen auf andere zuzugehen. Daran, dass es Sinn macht, andere zu unterstützen, auch ohne Gegenleistung. 

 

Naiv? Selbstverständlich. Nicht nur Jesus hat mit Fug und Recht gesagt: "Wenn ihr nicht wie die Kinder werdet..." (Mt 18,3). Und manchmal erkenne ich in den Fragen und Antworten meiner Tochter mehr Weisheit als irgendwo sonst. Sollen wir die Unbeschwertheit, das unvoreingenommene Zugehen auf andere wirklich zugunsten eines allgemeinen Misstrauens verwerfen, nur weil es uns "erwachsener" erscheint? Ich denke, das wäre fatal.

 

Weltfremd? Mitnichten. Wir Menschen gestalten die Welt gemeinsam. Und ich bin davon überzeugt, dass die überwiegende Mehrheit der Menschheit in Frieden leben will. Und in gegenseitigem Respekt. Und wenn das stimmen sollte, bin nicht ich weltfremd, sondern jene, die dem Frieden keine Chance geben und jetzt blind nach Krieg rufen.

 

Linkslinks? Wär das Gegenteil Rechtsrechts? Und was ist das überhaupt? Politisch argumentiere ich als Christ im Sinne des Evangeliums. Das ist mir wichtig. Das was Jesus uns als Paradebeispiel des Menschseins vorgelebt und verkündet hat, das halte ich nämlich für beispielgebend. Gewaltverzicht und teilen, bedingungsloser Respekt der Würde des Menschen und das unbedingte Vertrauen auf einen persönlichen, uns liebenden Gott. Ja, das find ich alles sehr gut. Falls ich deswegen links sein sollte, gut. Falls nicht, auch gut.

 

Bei all dem, was derzeit rund um uns passiert, denke ich auch oft über das abgrundtief Böse nach. Und ja, dazu sind wir Menschen fähig. Wahrscheinlich trägt jeder von uns genügend Potential auch für Böses in sich. Da brauchen wir gar kein externes, personifiziertes Bild vom Bösen (Teufel), bei all dem, was sich Menschen im Laufe der Geschichte schon angetan haben und immer noch antun. Das ist eigentlich schon teuflisch genug.

 

Ich bin GUT, MENSCH. Und manchmal auch nicht. Mensch eben. Ich werde mich nicht davon abbringen lassen, nach dem Guten zu streben. Ich möchte vertrauen. Ich werde genügend Fehler machen, auch anderen gegenüber. Ich werde natürlich auch immer wieder enttäuscht werden. Und selber andere enttäuschen. Aber ich hoffe, dass ich immer wieder viele Menschen treffen, die ebenso durch die Welt gehen: Die davon ausgehen, dass mir in den allermeisten Fällen MENSCHen begegnen, die es GUT mit dir meinen.

 

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