Sonntag 17. Dezember 2017

Der Kapellenkranz

Kapelle hinter dem Chor des Mariendoms Linz

Im Kapellenkranz befinden sich sechs Kapellen. Die Titel der einzelnen Altäre beginnen gemäß den Anrufungen der Lauretanischen Litanei mit dem Wort "Königin".

Jede Kapelle hat einen Marmoraltar, die Steinstatuen am Altaraufbau stammen (bis auf die Sattler Figuren in der Kapelle "Königin der Martyrer") von Josef Gasser von Valhorn aus Wien; die Mosaikarbeiten lieferte die Tiroler Glasmalerei Neuhauser und Co. aus Innsbruck.

 

Königin der Bekenner

 

Links – sich im Uhrzeigersinn fortsetzend – beginnt der Umgang mit der Kapelle "Königin der Bekenner". Dort findet sich ein 1889 geweihter Altar, der im Zentrum den heiligen Franz von Sales zeigt, weiters die heiligen Karl Borromäus und Alfons Maria Liguori.

Seitlich der Statuen zeigen Mosaikbilder die heiligen Martin (Gans) und Nikolaus (drei Äpfel, Anker), Bonaventura (Franziskanerhabit, Kardinalshut) und Johannes vom Kreuz (Karmelitenhabit, Kreuz).

Über dem Altar ist ein Mosaik angebracht, das Bischof Franz Maria Doppelbauer 1893 zu seinem 25-jährigen Priesterjubiläum gewidmet wurde. Es zeigt unten das Wappen des Bischofs, darüber die Widmungsinschrift, rechts den Bischof selbst im Ornat, wie er dem in Mariens Schoß sitzenden Jesuskind eine Blume reicht. Darüber ist Franz von Sales beim Unterricht der Kinder und als Kirchenlehrer zu sehen.

In den Abschlussornamenten werden gezeigt: die heiligen Johanna Francisca, die Schülerin des Franz von Sales, Maria Margaretha Alacoque, die Salesianerin mit der Offenbarung des göttlichen Herzens, und Engel mit Wappenschildern, auf denen die vier Kardinaltugenden zu sehen sind, die der heilige Franz von Sales besonders ausübte (Gerechtigkeit/Waage, Starkmut/Säule, Klugheit/Schlange und Mäßigkeit/kleine Kanne).

 

Königin der Apostel

 

Die Kapelle "Königin der Apostel" ist die nächste. Ihr Altar, 1887 geweiht, zeigt in der Mitte das Pfingstereignis: die Statue Mariens, über ihr die Taube des heiligen Geistes und zu beiden Seiten die Apostel mit den Feuerzungen über ihren Köpfen. Der Bildhauer Josef Gasser von Valhorn hatte die Marienstatue 1890 und die Apostelgruppen 1893 geliefert. Die Kanzel aus Eichenholz stammt von Max Oberhuber aus Linz und zeigt die Reliefbrustbilder der lateinischen Kirchenväter Hieronymus, Augustinus, Ambrosius und Gregor der Große mit ihren Symbolen.

 

Königin der Patriarchen


Die letzte Kapelle der östlichen Seite ist jene der "Königin der Patriarchen". Diese hat einen Altar, der als Hauptfigur den heiligen Josef mit dem Jesuskind (beide aus Sandstein) zeigt und mit einem einfachen Baldachin überdacht ist. Seitlich davon befinden sich Mosaikbilder heiliger Patriarchen: Seth, Enosch, Sohn des Seths, Noah (Arche, Ölzweig), weiters die Stammväter des israelitischen Volkes: Abraham (Opfermesser), Isaak (Holz) und Jakob (Himmelsleiter).
Der Altar wurde 1887 geweiht. Hier wurde das Grabdenkmal für Bischof Rudigier, ein Kenotaph (Leergrab), für seine Verehrer aufgestellt. Ursprünglich stand es über seinem Grab in der Krypta. Es wurde 1891 von Franz Maria Doppelbauer in Auftrag gegeben. Lebensgroß ruht der Bischof im Pontifikalornat aufgebahrt auf der Tumbaplatte, den Kopf mit der Mitra auf zwei Kissen gebettet. Die Figur ist aus Bronze, das Modell stammte von Josef Gasser von Valhorn aus Wien, gegossen in der Kunst-Erzgießerei in Wien, 1892 errichtet.


Schon Kaiser Franz Joseph rühmte die Portraitähnlichkeit des Dargestellten. Der Bischofsstab wurde von Ludwig Linzinger aus Linz 1889 vom Original kopiert. Der Sockel ist aus rotem Marmor, die Metallarbeiten lieferte Ludwig Adler aus Wien. Weiters ist noch eine Büste von Bischof Franz Josef Rudigier (1811–1884), bezeichnet mit "F. Forster 1953", hier aufgestellt.

 

Votivkapelle

 

Die mittlere, größte, zweischiffige Kapelle ist die Votivkapelle. Seit 1983 befindet sich hier ein hölzerner Zelebrationsaltar, da die Kapelle auch als Wochentagskapelle genutzt wird.

Der Hauptaltar in der Mitte ist großteils aus Marmor gearbeitet, die Tabernakeltüre wurde nach Plänen des Dombaumeisters Vinzenz Statz von Gabriel Hermeling aus Köln mit silbernen Schmuckgegenständen, die zum Dombau gespendet worden waren, gefertigt. Darauf sind in Email Alpha und Omega (Christus als Anfang und Ende), die Taube des heiligen Geistes mit Hostie und drei Cherubim (Anbetung des Allerheiligsten) und der Pelikan, der seine Jungen mit dem Blut nährt (Sinnbild für Christus), zu sehen. Darüber steht ein bronzenes Altarkreuz, ebenfalls in Köln gefertigt. Der Corpus aus Elfenbein wurde vom Kloster Niederaltaich/Bayern dem Dom geschenkt.

An der Wand hinter dem Altar steht unter einem Baldachin auf einem Postament die Immaculata-Statue aus weißem Sandstein umgeben von sieben Engel. Sie ist am 7. Jänner 1869 in Linz eingetroffen. Diese Figur, ebenso die sieben Engeln, wurden von Josef Gasser von Valhorn aus Wien geschaffen und von Karl Jobst 1890 gefasst.

Die feierliche Krönung der Immaculata durch Fürstbischof Johannes Kardinal Katschthaler aus Salzburg, dem Legaten Papst Pius X., fand am 1. Mai 1905 statt. Die goldene Krone der Madonna ist ein Geschenk von Papst Leo XIII., gefertigt nach einem Entwurf von Franz Statz.

Unter den Fenstern in der Kapelle befinden sich 24 Mosaikbilder ausgeführt von Antonio Salviati aus Venedig nach einem Entwurf von Johann Ev. Klein. Sie zeigen Heilige aus verschiedenen Zeitaltern.

In der Votivkapelle finden sich noch zwei Seitenaltäre zu Ehren der Eltern Mariens: Ein Anna- und ein Joachim-Altar entworfen von Vincenz Statz 1869, aufgestellt 1871, geweiht 1872. Die Figuren aus weißem Sandstein unter einfachen Baldachinen stammen von Josef Gasser von Valhorn. Die Mosaikbilder beim Anna-Altar zeigen die Erzengel Raffael und Michael und die hll. Franziskus von Assisi und Theresa von Avila. Die Mosaikbilder beim Joachim-Altar zeigen die hll. Kunigunde, Kaiser Heinrich und die Eltern Johannes’ des Täufers, Zacharias und Elisabeth. Die Altarkreuze sind vergoldete Gürtlerarbeiten aus Kupfer und stammen aus Entwürfen des Dombaumeisters Vincenz Statz, gefertigt 1872 von der Firma Brix und Anders aus Wien. Die Ewiglicht-Ampel ist eine Gürtlerarbeit von Johann Födinger aus Gmunden.

Der Schlussstein im Gewölbe zeigt in Relief das Bildnis Papst Pius IX., des Spenders des Steines, wie er den vor ihm knienden Dombaumeister segnet. Der Stein wurde im Atelier von Vinzenz Statz in Köln um 1867 ausgeführt. Vier Mosaikblendfenster stellen über den Altären die Szenen von der Opferung Mariens (Joachim-Altar), der Geburt Mariens (Anna-Altar), vom Marianischen Verheißungsbaum und dem Stammbaum Christi dar. Die Marienverehrung wird bis heute gepflegt. Es wird im Dom jeden Tag vor der Messe der Rosenkranz gebetet.

Zwei Fenster in der Votivkapelle erinnern an die Widmung des Doms und die Einbindung der Diözese Linz in dieses gesamtkirchliche Geschehen (die übrigen sind nach einem Bombenschaden modern ergänzt – Erläuterung weiter unten). Auf dem linken Fenster (58) sieht man unter einem großen Marienbild Papst Pius IX., der das Immaculata-Dogma verkündete, im Kreis von Bischöfen und Beratern. Auf dem rechten Fenster (62) gegenüber sieht man unter einem Marienbild neben vielen anderen Würdenträgern Bischof Rudigier mit einem Modell des Linzer Domes knien. Er weiht diesen Maria. Neben ihm kniet der Dombaumeister, in der Hand den Plan.

 

Königin der Propheten

 

Die Kapelle "Königin der Propheten" schließt an die Votivkapelle rechts an. Der Altar zeigt im Zentrum die Kalkstein-Statue Johannes’ des Täufers, in der Linken hält er das Lamm. Beiderseits sind je drei Mosaikbilder zu sehen mit den Propheten Jesaia, Ezechiel, Moses, Elija, Daniel und Jeremia.

 

Königin der Märtyrer

 

Die Kapelle "Maria, Königin der Märtyrer" zeigt als Hauptbild des Altares die Pietà, (Maria mit dem Leichnam Jesu auf dem Schoß) aus weißem Kalkstein unter einem Baldachin, der in einem Kreuz endet, das von einem Leinentuch umschlungen ist. Zu beiden Seiten der Statue befinden sich Märtyrer, jeweils aus einem Steinblock gemeißelt. Auf einer Seite: der heilige Georg, den Drachen tötend, dahinter der heilige Mauritius (Fahne), in der Mitte der heilige Florian von Lorch (Mühlstein), Diözesanpatron und Landespatron, im Hintergrund der heilige Dionysius von Paris (Kopf auf Buch) und vor ihm kniend der heilige Blasius von Sebaste (zwei Kerzen).

Auf der anderen Seite: kniend der heilige Pancratius (Schwert), dahinter der heilige Bonifazius (von Schwert durchbohrtes Evangelienbuch), in der Mitte der heilige Maximilian (Schwert, Palme), der frühere Diözesanpatron, neben ihm der heilige Vitus (Kessel), dahinter der heilige Hippolyt (Kreuz). Die Märtyrerfiguren und die Pietà wurde 1901 vom Bildhauer Josef Sattler aus Linz gefertigt.

 

Königin der Jungfrauen


Die nächste Kapelle – nun in der Westwand – "Königin der Jungfrauen" hat auf ihrem Altar drei heilige Jungfrauen: Agnes von Rom (Lamm), Katharina von Alexandrien (Rad) und Barbara (Speisekelch). Alle drei stehen unter einem gemeinsamen Baldachin, über jeder Figur ist ein Giebel mit Dreipass und Fialtürmchen angebracht. Über dem Mittelbaldachin steht ein Engel mit Schriftband. Seitlich sind jeweils zwei Mosaikbilder angebracht. Sie zeigen die heiligen Jungfrauen Agatha (Zange), Cäcilia (Orgel), Lucia (Öllampe) und Anastasia (Scheiterhaufen). Über dem Altar im Mosaikbildfenster ist das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen dargestellt. Im unteren Feld sieht man noch die heilige Rosa von Lima und Angela.

Im Kapellenkranz ist auch die so genannte "Wurmstraßenmadonna", eine nahezu lebensgroße, thronende spätgotische Muttergottesstatue mit Jesuskind, aufgestellt. Sie war bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts in der Kapelle des Löfflerhofes bei Linz gestanden und wurde später in das Haus Wurmstraße 20 in Linz verbracht. Am 7. Dezember 2001 kam die Madonna in den Linzer Dom, nachdem sie zu gleichen Teilen von der Stadt Linz und dem Land Oberösterreich aus Privatbesitz erworben worden war. Diese Plastik ist das älteste Ausstattungsstück des Domes.


Sie blickt auf den Betrachter, ist also vom Typus her ein Gnadenbild. Die Figur gehört zu der Gruppe der Madonnen des "Weichen Stils", bereits im Übergang zum "Knitterstil", und stellt somit ein bedeutsames Übergangswerk der Zeit um 1440 wohl aus dem passauerisch-oberösterreichischen Gebiet in der Nachfolge des Meisters der Seeoner Madonna dar (Herfried Thaler).


Der Meister dieser Figur wurde nach jüngsten Forschungen als Hans Sweiker von Ulm identifiziert. Sie kann als ein Hauptwerk der alpenländisch-gotischen Plastik der Stilstufe um 1440 bezeichnet werden.

 

Von Anton Bruckner befindet sich hier eine Gedenktafel, die an die Uraufführung der von ihm komponierten e-moll Messe erinnert. Diese hat er am 29. September 1869, an dem Bischof Rudigier den ersten Bauabschnitt des Domes abgeschlossen und die Votivkapelle so wie den Kapellenkranz eingeweiht hat, selbst geleitet. Die Situation dieser Uraufführung spiegelt sich auch in der Instrumentierung der e-Moll-Messe wider. Es begleiteten die Sänger nur Bläser. Es wird erzählt, dass der Chor, der diese Messe gesungen hat, auf einem Maurergerüst im Freien gestanden sei.

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