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Spektakel-Rast: Zwischen Trubel und Stille

Während des Linzer Pflasterspektakels vom 23.- 25.7. 2026 wurden der Mariendom, die Ursulinenkirche und der Alte Dom zu Orten der Begegnung, Resonanz und Lebensfreude. Mitten im bunten Festivalgeschehen fanden Menschen hier Raum zum Innehalten, Durchatmen und für berührende Begegnungen mit sich selbst und anderen.

Zwischen Trubel und Stille


„Danke, dass Sie diesen Ort geschaffen haben.“

Mit diesen Worten verabschiedete sich eine junge Besucherin aus der Turmkapelle des Mariendoms. Fast eine Stunde hatte sie dort gesessen, gemalt, geschrieben und ganz für sich den Raum wirken lassen. Sie erzählte, dass sie seit Wochen unter einer Schreibblockade leide. Hier, in der Stille der Kapelle, habe sich plötzlich etwas gelöst. „Jetzt kann ich wieder schreiben“, sagte sie mit einem Lächeln – und großer Dankbarkeit.

 

Spektakelrast: Kreativstation in der Turmkapelle des Mariendoms

Kreativstation in der Turmkapelle des Mariedoms. Foto: Diözese Linz / Martina Resch

 

Solche Begegnungen prägten die Spektakel-Rast, die während des Linzer Pflasterspektakels den Mariendom, die Ursulinenkirche und den Alten Dom zu Orten des Innehaltens machte. Mitten im bunten Treiben der Stadt entstanden Räume, in denen Menschen für wenige Minuten oder auch über längere Zeit einfach sein konnten – ohne etwas leisten oder konsumieren zu müssen.

 

Dabei wurden nicht nur Farben auf Papier gebracht oder Gedanken aufgeschrieben. Menschen trugen auch das in die Kirchen hinein, was sie im Innersten bewegte: Fröhlichkeit und Genuss, die Trauer um einen geliebten Menschen, den Schmerz über ein kürzlich verstorbenes Haustier, die Hoffnung auf eine sehnlich erwartete Schwangerschaft, Fragen nach dem eigenen Lebensweg oder einfach das Bedürfnis, für einen Moment zur Ruhe zu kommen. Es wurde einmal mehr spürbar: Kirchen sind jene Orte, an denen all das Platz haben darf, was das Leben mit sich bringt.

 

Besonders die direkt an der Landstraße gelegene Ursulinenkirche wurde für viele Festivalbesucher:innen zu einem wohltuenden Rastplatz. Familien, Jugendliche, Tourist:innen und Menschen aller Generationen nutzten die Gelegenheit, den Kirchenraum mit allen Sinnen zu entdecken. Ein eindrucksvolles Bild bot sich dabei immer wieder – egal ob jung oder alt, die Menschen gingen auf Entdeckungsreise im Kirchenraum: Kinder, die in der Kids Corner konzentriert malten, sich begeistert Festival-Tattoos aufbringen ließen oder voller Freude als Matten-Burrito eingerollt im Altarraum herumlagen, die barocke Kunst mit „Boah hier ist so viel Gold!“ und die Weite des Raums mit einem laufenden „Hurra!“ bestaunten. Erwachsene, die mit kindlicher Freude Tattoos auswählten, barfuß den kühlen Steinboden genossen oder auf den Matten vor dem Hochaltar liegend entspannten. Das Pflasterspektakel war nur wenige Schritte entfernt – und doch schien hier für einen Moment die Zeit langsamer zu werden.

 

Spektakelrast: Raumerfahrung in der Ursulinenkirche LinzRaumerfahrung in der Ursulinenkirche. Foto: Diözese Linz / Rebekka Sturmbauer

 

Viele Besucher:innen beschrieben genau diese Erfahrung als wohltuend: einfach kurz durchatmen, den Blick durch den Kirchenraum schweifen lassen, der Musik lauschen, den eigenen Gedanken Raum geben, mit sich selbst anders in Verbindung kommen. Die zahlreichen positiven Rückmeldungen bestätigen, wie sehr dieses Angebot angenommen wurde.

 

 

Räume für das, was Menschen bewegt

 

Wir haben den Kirchenraum geöffnet, aber das eigentlich Wesentliche war, dass Menschen achtsam miteinander waren, sich selbst geöffnet haben, sowie auch innere Räume neu betreten haben. Und merkten, wie wohltuend und heilsam das sein kann: „Ich habe mich hier so frei gefühlt“ oder „Ich glaube, ich habe hier seit Langem wieder einmal richtig durchgeatmet“ – um nur zwei Eindrücke von Besucher:innen zu nennen. Ich glaube eine Sehnsucht der Menschen nach genau solchen Räumen gespürt zu haben. Und darin sehe ich die Verantwortung von Kirche, einer solchen Sehnsucht und dem Mensch-Sein mit allem, was ist, in kreativer Weise Raum zu geben als Nährboden für eine Kultur achtsamer Aufmerksamkeit und eines friedvollen Miteinanders.

(Rebekka Sturmbauer, City Pastoral)

 

Zu einem besonderen Zeichen der Ermutigung entwickelte sich der täglich angebotene „Spektakel-Segen to go“. Viele Menschen ließen sich heilsame Worte zusprechen und zogen sichtbar berührt und gestärkt weiter in den Festivalabend.

 

Spektakelrast: Segen to go in der Ursulinenkirche

Spektakel-Segen to go in der Ursulinenkirche. Foto: Diözese Linz / Cornelia Erber

 

 

Zuhören, Teilen, Vertrauen

 

Auch der Künstlerseelsorger der Diözese Linz, Hubert Nitsch, blickt auf intensive Gesprächstage im Alten Dom zurück:

„Zwischen Spektakel und Stille spiegelt sich das Leben. Beides, Spektakel und Stille, hatten beim Pflasterspektakel Linz 2026 Platz. Die gemeinsame atmende und staunende Menge bei den außerordentlichen Darbietungen, aber auch das Einzelgespräch und die Erfahrung von Stille in Kirchen sind Wirklichkeiten. Beide Male wird das Leben thematisiert und wird bereichert weitergegangen. Die Veranstalter setzen in dieser Kooperation mit der Katholischen Kirche Oberösterreich ein Zeichen, das über das Pflasterspektakel hinaus wirkt: Gemeinsam im Dienst an den Menschen das Leben feiern, staunend den Humor und die künstlerischen Gratwanderungen der Artist*innen erleben, Erfahrungen verschiedenster Facetten des Lebens sichtbar machen und die Fragen nach einer größeren Dimension und nach Gott nicht aussparen. Religion war historisch immer Teil der Kultur.“

 

Spektakelrast: Seelsorger Hubert Nitsch im Gespräch mit Festivalbesucher:innen im Alten Dom

Künstlerseelsorger Hubert Nitsch im Gespräch mit Festivalbesucher:innen im Alten Dom. Foto: Diözese Linz / Monika Chang

 

Täglich war er für Gespräche über Kunst, Gott und die Welt ansprechbar. Das Anliegenbuch wurde zu einem stillen Ort für Hoffnungen, Sorgen, Dankbarkeit und Gebete und zeigte eindrucksvoll, wie selbstverständlich Menschen existenzielle Themen in den Kirchenraum tragen, wenn sie erleben, dass ihnen aufmerksam zugehört wird.

 

 

Kreative Einkehr im Mariendom

 

Im Mariendom entwickelte sich die Turmkapelle zu einem besonderen Ort kreativer Einkehr. Manche Besucher:innen verweilten nur wenige Minuten, andere blieben über eine Stunde. Sie malten, schrieben Briefe an sich selbst oder an Menschen, die ihnen wichtig sind, formulierten Gebete oder genossen einfach das wechselnde Farbenspiel der Glasfenster und die besondere Atmosphäre dieses Ortes.

 

Spektakelrast: Kreativwerkstatt im Mariendom LinzKreativwerkstatt im Mariendom. Foto: Diözese Linz / Martina Resch

 

Aus drei Tagesimpulsen entstanden darüber hinaus gemeinschaftliche Kunstwerke. Unter den Fragen „Lebensfreude ist für mich …“, „Wann hüpft dein Herz?“ und „Wohin führt dich deine Sehnsucht?“ gestalteten Besucher:innen gemeinsam Bilder, die nun in der Turmkapelle ausgestellt sind. Sie erzählen von Freude, Hoffnung, Sehnsucht und dem, was Menschen bewegt – und machen sichtbar, wie viele unterschiedliche Lebensgeschichten sich während des Pflasterspektakels begegnet sind.

 

 

Ein gemeinsames Zeichen der Gastfreundschaft

 

„Die Innovationsstelle Kirchenraumpastoral ermöglichte es in diesem Jahr in Kooperation mit der City Pastoral, der Festivalseelsorge, dem Mariendom, der Pfarre Linz-Mitte, dem Alten Dom und verschiedenen Fachstellen der Diözese Linz ein gemeinsames Zeichen des Miteinanders, der Vielfalt und der Gastlichkeit zu setzen. Wo Kunst und Kultur Menschen zusammenführen, kann auch Kirche ihren Beitrag leisten: mit einer Kultur der Aufmerksamkeit, der Gastfreundschaft und der Hoffnung, sich selbst als Teil des künstlerisch-kulturellen Lebens der Stadt Linz positionieren zu dürfen. Ich blicke auf berührende Begegnungen und Gespräche zurück und fühle mich dadurch reich beschenkt.“

(Martina Resch, Kirchenraumpastoral)  

 

Auch die Festivalseelsorge der Diözese Linz war während aller drei Festivaltage präsent – mit einem Stand am Domplatz und mitten im Geschehen unterwegs. Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter:innen hörten zu, kamen mit Menschen ins Gespräch und schenkten Zeit und Aufmerksamkeit. Ihnen gilt ein herzlicher Dank für ihren engagierten Einsatz.

 

Das Team der Festivalseelsorge vor dem Mariendom Linz beim Pflasterspektakel 2026Das Team der Festivalseelsorge vor dem Mariendom. Foto: Diözese Linz / Martina Resch

 

 

Kirche mitten im Leben der Stadt

 

Die Spektakel-Rast war mehr als ein ergänzendes Festivalprogramm. Sie war Ausdruck einer Haltung. Kirche versteht sich als gastfreundlicher Ort mitten in der Stadt – offen für alle Menschen, unabhängig davon, ob sie mit einer spirituellen Sehnsucht, einer konkreten Frage oder einfach auf der Suche nach einem ruhigen Platz kommen. Gerade inmitten des lebendigen und bunten Pflasterspektakels wurden die Kirchen zu selbstverständlichen Räumen, in denen Menschen zur Ruhe kommen konnten und gleichsam ihrem Innersten Ausdruck verleihen konnten.

 

Dass dieses Angebot so viele Menschen berührte, ist einerseits einer gelungenen Kooperation zu verdanken und andererseits maßgeblich durch die Unterstützung zahlreicher helfenden Hände im Hintergrund und ehrenamtliches Engagement vor Ort zu verdanken. Ein ganz besonderer Dank geht an alle, die mit ihrer Zeit, Leidenschaft und Kreativität die Spektakel-Rast zu einem besonderen Ort der Aufmerksamkeit füreinander gemacht haben.

 


 

Die Türen bleiben offen

 

Wer die Kirchenräume auch nach dem Festival neu entdecken möchte, ist herzlich eingeladen: Die Sommeraktion in der Ursulinenkirche lädt den gesamten August dazu ein, den Raum mit allen Sinnen wahrzunehmen, zur Ruhe zu kommen und sich von seiner besonderen Atmosphäre berühren zu lassen. Auch die Turmkapelle im Mariendom Linz wird von 1. bis Mitte August zu den gewohnten Öffnungszeiten des Doms geöffnet sein, um den Raum zu genießen. Für Kinder gibt es eine Zeichen- und Malstation, für Erwachsene die Möglichkeit im Schreiben Ruhe zu finden.

 


    Kreativwerkstatt in der Turmkapelle des Mariendoms
    Kreativwerkstatt in der Turmkapelle des Mariendoms
    Künstler:innenseelsorger Hubert Nitsch im Alten Dom
    Künstler:innenseelsorger Hubert Nitsch im Alten Dom
    Künstler:innenseelsorger Hubert Nitsch im Gespräch mit Festivalgästen
    Künstler:innenseelsorger Hubert Nitsch im Gespräch mit Festivalgästen
    Spektakelrast in der Ursulinenkirche
    Spektakelrast in der Ursulinenkirche
    Raumerfahrung in der Ursulinenkirche
    Raumerfahrung in der Ursulinenkirche
    Raumerfahrung in der Ursulinenkirche
    Raumerfahrung in der Ursulinenkirche
    Relaxzone in der Turmkapelle im Mariendom
    Relaxzone in der Turmkapelle im Mariendom
    Spektakelrast im Alten Dom
    Spektakelrast im Alten Dom
    Relaxzone in der Turmkapelle im Mariendom
    Relaxzone in der Turmkapelle im Mariendom
    Schreibstube in der Turmkapelle im Mariendom
    Schreibstube in der Turmkapelle im Mariendom
    Spektakelrast in der Turmkapelle des Mariendoms
    Spektakelrast in der Turmkapelle des Mariendoms
    Spektakelrast in der Ursulinenkirche
    Spektakelrast in der Ursulinenkirche
    Spektakelrast in der Ursulinenkirche
    Spektakelrast in der Ursulinenkirche
    Spektakelrast in der Ursulinenkirche
    Spektakelrast in der Ursulinenkirche
    Tattoostation in der Ursulinenkirche
    Tattoostation in der Ursulinenkirche
    Kreativwerkstatt in der Turmkapelle des Mariendoms
    Kreativwerkstatt in der Turmkapelle des Mariendoms
    Feedback zur Spektakelrast in der Ursulinenkirche
    Feedback zur Spektakelrast in der Ursulinenkirche
    Kids Corner in der Ursulinenkirche
    Kids Corner in der Ursulinenkirche
    Impuls 'Wo ist Stille' in der Ursulinenkirche
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    Spektakelrast in der Ursulinenkirche
    Spektakelrast in der Ursulinenkirche
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