Wünsche ans Christkind
Folge #44 des Podcasts Mystik und Geist ist hier zum Nachhören.
Am 06. Dezember 2025 erschien dazu folgender Text in der Reihe ‚Mystik & Geist‘ als Gastkommentar in den Oberösterreichischen Nachrichten.
Manchmal reicht für mich der Duft frischgebackener Kekse, der Klang einer vertrauten Melodie, der Raureif auf Blättern an einem kalten Wintermorgen oder der Blick in eine flackernde Kerze, um Erinnerung und Sehnsucht gleichzeitig zu spüren.
„Alles beginnt mit der Sehnsucht“ schreibt die jüdische Schriftstellerin Nelly Sachs, die durch ihre Flucht von Deutschland nach Schweden den Holocaust überlebte. Denn, so heißt es weiter: „Immer ist im Herzen Raum für mehr, für Schöneres, für Größeres. Das ist des Menschen Größe und Not: Sehnsucht nach Stille, nach Freundschaft und Liebe.“
Advent ist eine Zeit der Sehnsucht: nach Schönerem, nach Größerem, nach mehr Leben, nach Heilung von Verletzungen, nach Gemeinschaft, nach Frieden und Gerechtigkeit. Wir erleben, dass diese Sehnsüchte nicht (gleich) gestillt werden. Die Sehnsucht erinnert uns daran, dass nicht alles machbar ist. Sie zwingt uns zu warten. Manchmal warten wir gerne, sogar voller Freude, dann wieder angespannt, ungeduldig und voll Angst. Adventliches Warten geht nicht ziellos ins Leere. Es wird erfüllt von einem Kind. Wie viel Hoffnung, Freude und Zuversicht kommen bei der Geburt eines Kindes in die Welt, auch wenn seine Zukunft noch nicht erkennbar ist?
Adventliche Sehnsucht ist mit der Zuversicht verbunden, dass im Kind von Bethlehem die Sehnsucht der Menschen nach Heil-Werden liegt. Denn der Advent verliert sich nicht im Nirgendwo, sondern mündet in der Geburt eines Kindes: Ein Kind, in dem nicht nur unsere Sehnsucht nach Gott, sondern Gottes Sehnsucht nach uns zum Ausdruck kommt. „Fing nicht auch deine Menschwerdung, Gott, mit dieser Sehnsucht nach dem Menschen an?“, schreibt Nelly Sachs.
Sehnsüchte, Wünschen und Schenken gehören in der vorweihnachtlichen Zeit zusammen. Kinder und Erwachsene freuen sich über kleine Geschenke und Süßigkeiten im Adventkalender. Aber nicht alle Menschen können sich das leisten. 15 Prozent der Oberösterreicher und Oberösterreicherinnen sind von Armut betroffen. Ihre finanziellen Mittel reichen mitunter nicht einmal für den täglichen Lebensmitteleinkauf. 59.000 Kinder und Jugendliche bis 20 Jahre sind armutsgefährdet.
Mit dem „umgekehrten Adventkalender“ setzen zahlreiche oberösterreichische Pfarrgemeinden in Zusammenarbeit mit der Caritas OÖ ein Zeichen der Nächstenliebe. Das Prinzip ist einfach: Statt jeden Tag etwas aus dem Adventkalender herauszunehmen, werden Sachspenden gesammelt. Statt zu nehmen, wird gegeben, statt beschenkt zu werden, wird geschenkt. So kann mancher Herzenswunsch von Kindern, Familien und Menschen in Not erfüllt werden. Eine Packung Nudeln, eine Tube Zahnpasta oder ein Paar Handschuhe machen für armutsbetroffene Menschen einen Unterschied und vermitteln gerade zu Weihnachten das Gefühl: Jemand denkt an mich.
Das Streben nach Glück, der Wunsch nach Erfüllung der Träume, die Sehnsucht nach einem guten Leben – im Warten auf Weihnachten, im Warten auf den Erlöser, wird diese menschliche Sehnsucht nach Erfüllung des ausstehenden Glücks offenkundig. Es zeigt die Grenzen des Menschen, aber auch die Unbegrenztheit Gottes auf: Weihnachten, die Erfüllung der Sehnsüchte, ist nichts Machbares. Gott kommt auf uns zu und wird in Jesus Christus Mensch.
