Gruß von Pfarrer Dr. Wagner an die Pfarre
Meine lieben Pfarrangehörigen, verehrte Leser im Internet!
Wenn ich mir in diesen Tagen die Frage stelle, was für mich gerade zu tun ist, dann sind es vor allem die verschiedensten Besuche in Häuser und Wohnungen, aber auch, dass ich gerade wieder einmal viel schreibe: der Pfarrkalender steht zur Korrektur an, die nächste Nummer vom Groschenblatt geht in Druck, die Weidlingartikel sind in der Zielgeraden und der nächste Pfarrbrief steht gerade vor dem Abschluss. Und auch im nächsten extrablick kommt ein Beitrag, den ich gerade fertiggestellt habe. So bin ich also nicht nur viel auf Besuch unterwegs, sondern sitze auch im Büro, um schriftlich vieles zu erledigen. Bei alledem ist für mich immer wichtig, dass ich das, was ich tue, mit Freude und im Vertrauen zu Gott mache. Nur so wird mir meine Arbeit nie zu viel. Damit kann ich sehr gut leben und bin in allem sehr glücklich!
Nun begegnen wir im Lauf des Kirchenjahres immer wieder den verschiedensten Heiligen, die uns den Weg zum Glauben zeigen. Heute feiern wir den hl. Johannes, und zwar einen Adeligen, der aus Capestrano in den Abruzzen zwischen L’Aquila und Chieti stammt. Er wurde am 24. Juni 1386 geboren, studierte in Perugia römisches und kanonisches Jus und wurde 1412 als Vertrauensmann König Ladislaus‘ von Neapel Richter in Perugia. Er heiratete eine Grafentochter, geriet 1415 in Gefangenschaft und beschloss, sein Leben zu ändern. Nachdem er 1416 losgekauft wurde, löste er danach seine Ehe, die nicht vollzogen wurde, und wurde Franziskaner der strengen Richtung und begann im Jahr 1417 seine fast 40jährige rastlose apostolische Tätigkeit. Neben dem hl. Bernhardin von Siena, der sein Freund war, war er der größte franziskanische Wanderprediger des 15. Jahrhunderts in großen Teilen Europas. Er predigte in Italien, Deutschland, Böhmen, Mähren, Polen und kam 1451 auch nach Österreich. Seine Predigten zogen große Menschenmengen an. Viele Menschen kamen, um ihn zu hören, bei ihm zu beichten und ihr Leben neu auf Gott auszurichten. Deshalb wurde er auch als großer Seelsorger, Friedensstifter und „Apostel Europas“ verehrt. Dass die Türken abgewehrt und bei Belgrad am 22. Juli 1456 besiegt werden konnten, war ganz wesentlich sein Verdienst als Kreuzzugsprediger, dem es gelang, eine große Schar von Kämpfern zu sammeln. Er war aber auch ein großer Seelsorger und Friedensstifter. Das Volk verehrte ihn schon zu Lebzeiten wegen seiner wunderbaren Krankenheilungen, von denen 2000 notariell beglaubigt wurden. Er starb an 23. Oktober 1456 an einer Seuche in Ilok an der Donau, damals in Ungarn, heute in Kroatien nordwestlich von Belgrad. Heiliggesprochen wurde er am 16. Oktober 1690 von Papst Alexander VIII. Sein Gedenktag in der katholischen Kirche ist der 23. Oktober.
Obwohl sein Name weithin unbekannt, sein Grab verschollen ist, wird er der „Apostel Europas“ genannt. Überall, wohin er kam, zog er die Massen an, obwohl seine Predigten oftmals einer bitteren Medizin glichen, die aber dringend notwendig war, weil der Glaube des Volkes und das Vertrauen in die Kirche sehr tief gesunken war. Johannes lebte ganz für Christus.
Wenn ich heute am Abend noch im Beichtstuhl bin und um 19.00 Uhr bei der Abendmesse den hl. Johannes von Capestrano feiern werde, dann sage ich aber auch schon dazu, dass ich morgen mit dem Wartberger Chor, der immer noch von meinem Bruder Helmut geleitet wird, von Wien aus nach Malta fliegen werde. Am Sonntag wird mich P. Thomas aus Admont um 8.30 und 10.00 Uhr vertreten, am Montag, dem Nationalfeiertag, P. Josef ebenso aus Admont. Am Freitag danach werde ich zwischen 17.00 und 18.30 Uhr schon wieder im Beichtstuhl sein und um 19.00 Uhr die Abendmesse feiern. Internetnachrichten wird es in der kommenden Woche nicht geben.
Auf ein Wiedersehen freut sich
Euer Pfarrer Dr. Gerhard M. Wagner
