Gruß an die Jugend
Liebe Jugendliche, verehrte Leser im Internet!
Wenn wir heute mit der gesamten Kirche den Festtag des heiligen Apostels Matthias feiern, dann soll das auch den Blick für die Wurzeln des eigenen Glaubens schärfen und für jene, die diesen Glauben zuerst erhalten, verkündet und mit ihrem Leben bezeugt haben. Ganz aktuell sind es alle Apostel, die nicht nur vor 2000 Jahren gelebt haben, sondern lebendige Steine auf dem festen Grund der Kirche sind, auf dem heute unser persönlicher Glaube ruht. Unter ihnen ist Matthias besonders bedeutsam, weil er für jemand steht, der Jesus verraten und das Apostelkollegium verlassen hat: Judas. Matthias, ein treuer Jünger im Hintergrund, macht deutlich, dass Gott aus Schuld einen Neuanfang möglich macht. Wir wissen nicht, wie und wann er die Berufung zur Nachfolge erfuhr, sehr wohl aber wissen wir, dass die Berufung schrittweise Gestalt annehmen kann. Zugleich ist Matthias der einzige Apostel, dessen Grab sich in Deutschland im Kloster Sankt Matthias in Trier befindet. Damit wird uns allen vielleicht etwas bewusster, dass die apostolische Kirche nicht nur im Heiligen Land, in Rom oder an anderen alten Zentren der Christenheit ist, sondern bis in unsere Geschichte reicht, mitten in unsere Kultur. Weil ein Apostel in unserer Nähe ist, ruhen auch Ursprung, Auftrag und Verheißung des Glaubens ganz nah an unserem eigenen Lebensweg.
Wenn sich nun junge Menschen fragen, was apostolische Sendung ist, dann lesen wir im Johannesevangelium: „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe“ (15,9). Am Anfang aller Sendung steht nicht das, was der Mensch leistet und schafft, sondern dass wir in der Liebe Christi bleiben. Apostel sind zuerst Geliebte und dann Gesandte. Apostel werden nicht berufen, weil sie besonders fähig sind, sondern weil sie treue Zeugen des Weges Jesu von Anfang an sind. Obwohl die Gemeinde wählt, ist es letztlich Gott, der beruft. Immer geht die apostolische Autorität aus der Freundschaft mit Christus und dem Bleiben in seiner Liebe hervor.
Matthias wird nach der Himmelfahrt des Herrn berufen, in der Zeit der jungen Kirche, die sich zusammenfindet und auf den Heiligen Geist vorbereitet. Jetzt ist das Apostelkollegium wieder vollständig, um damit zu verdeutlichen, dass Christus sein Werk durch konkrete Menschen in der Geschichte fortsetzt. Jeder von Euch ist auch berufen, ein Matthias zu werden, um durch bleibende Liebe und treues Zeugnis einen Neuanfang und Heilung möglich zu machen. Wenn wir in der Freundschaft Jesu bleiben, weil wir sein Wort hören und weitergeben, dann bringen wir dauerhaft Frucht, die über uns hinausreicht und den katholischen Glauben in unserer unmittelbaren Welt lebendig macht. Damit wir Christus treu sein können, müssen wir ihm nahe sein und nahe bleiben, innerlich hellhörig, wachsam gegen die Routine, im Alltäglichen aufmerksam. Wer heute in der Kirche leben und wirken will, braucht Ausdauer, welche auf dem Weg christlichen Lebens nichts anderes ist als Treue: Treue zum lebendigen Christus in einem Band der Liebe, das uns lebendig hält oder auch lebendig macht.
Deswegen sind wir auch am nächsten Freitag wieder zur Kalvarienbergkirche unterwegs, wenn wir uns um 19.00 Uhr am Fuß des Kalvarienberges treffen, den Rosenkranz hinauf beten und in der Kirche auf dem Berg die Abendmesse mit der Fastenpredigt zum Thema „Von Gott angeschaut und beauftragt“ feiern. Auf dem Weg in Assisi sind wir in San Damiano unterwegs. Auch wenn für die Gestaltung dieser Abendmesse die Männer unserer Pfarre verantwortlich sind, die wir natürlich auch besonders herzlich einladen, freuen wir uns ebenso über viele Jugendliche, die kommen, um mitzufeiern. Zuvor ist am Freitag von 17.00 – 18.30 Uhr in der Pfarrkirche Beichtgelegenheit, wo wir Gelegenheit haben, unsere Sünden in der Fastenzeit abzulegen.
Auf eine Zeit der Umkehr hofft mit der Jugend
Euer Pfarrer Dr. Gerhard M. Wagner
