Gruß an die Jugend
Meine lieben Jugendlichen, sehr geehrte Leser im Internet!
Es begeistert mich immer wieder das, was wir an den Sonntagen jedes Mal im Alten Testament lesen. Am letzten Sonntag haben wir aus 1 Sam 16,1-13 gelesen, wo der junge David von Samuel zum König von Israel gesalbt wurde. Was zeichnet David besonders aus unter seinen Brüdern? So schön David äußerlich gewesen sein muss, so übel war er moralisch. Wir wissen nur zu genau, und die Bibel verschweigt es nicht, wie schwach und sündhaft er war. Was heißt das für uns? Wenn wir wie David durch die Taufe und die Firmung gesalbt sind, dann heißt das: Jeder von uns ist als Christ etwas ganz Besonderes. Tatsächlich erfährt jeder Christ in Taufe und Firmung die besondere Erwählung und Berufung durch Gott. Erinnern wir uns daran, was Christus wortwörtlich heißt: Er ist der „Gesalbte“, und von ihm geht etwas von dieser Würde auf uns alle über. Und dann stellen wir fest, dass David trotz seiner Berufung keineswegs zu einem moralisch einwandfreien Menschen wurde. Ähnliches gilt von uns: Gott erwählt und beruft uns, aber wir sind deswegen keineswegs sündenfrei. Weil wir frei sind, liegt es immer wieder an uns, dass wir uns für das Gute oder das Böse entscheiden. Oder wollen wir ein hemmungsloses Leben führen und tun, was uns gefällt? Nun möchte Gott, dass wir Herr werden im eigenen Haus und es auch bleiben.
Immer wieder schockt es mich, wenn ich junge Menschen in ihrer Beziehung Mann und Frau sehe, wie sie sich bedingungslos ausliefern, so tun, als wären sie bereits verheiratet und alle Freiheit, die ein junger Mensch dringend braucht, aufgeben. Abhängig zu sein von allen vergänglichen Launen und Lüsten oder von dem, was man eben so tut, das passt in keinem Fall zu einem Christen. Schade, wenn solche Beziehungen, die oftmals gar nicht schlecht wären, dann an die Wand fahren, weil man es nicht geschafft hat, einen gewissen Abstand auch zu wahren und eine Beziehung aus dem Glauben zu führen. Wenn ich heute ganz vom andern eingenommen bin, ist für Gott in der Beziehung kein Platz mehr. Umso wichtiger ist es, dass junge Menschen wachsam bleiben und sich hin und wieder von schlechten Gewohnheiten befreien.
Wäre nicht die Fastenzeit jene Zeit, wo man wieder Ordnung in den königlichen Haushalt seines eigenen Lebens bringt? Wir räumen Nebensächlichkeiten beiseite und werden uns dadurch umso mehr der Würde bewusst, die wir als königlich freie Menschen in uns tragen. Wenn wir als Christen gesalbt sind, dann heißt das: Wir sollen eines Tages ganz heil und ganz frei werden. Und die Stunde, damit anzufangen, die ist hier und heute.
So laden wir die Jugend ganz herzlich zum Jugendeinkehrtag am kommenden Samstag ein, wo ein Benediktiner von Kremsmünster, P. Franz Ackerl, zum Thema „Glaube führt in die Freiheit“ sprechen wird. Um 15.00 Uhr geht es los mit Vorträgen, weiter geht es dann mit der Gelegenheit zur Hl. Beichte, mit Gesprächen und mit der Messfeier. Abschließend sitzt Ihr in gemütlicher Runde. Ganz sicher wird nichts fehlen, was jungen Menschen auch guttut. Schließlich möchte ich noch jenen Jugendlichen danken, die zuletzt die Freitagsmesse am Abend auf unserem Kalvarienberg besucht und mitgestaltet haben. Für mich war es bisher jedes Mal ein Erlebnis, Rosenkranz betend in die Kalvarienbergkirche zu kommen, um dort Eucharistie zu feiern. Warum ist allgemein in unserer Zeit so wenig Begeisterung für den Glauben? Vielleicht auch deshalb, weil wir nicht christlich leben! Darüber sollten nicht nur die jungen Menschen nachdenken! Weil am kommenden Sonntag auch Beichtgelegenheit bei einem auswärtigen Priester ist, lade ich Euch ein, diese Gelegenheit auch zu nützen.
Mit lieben und dankbaren Grüßen
Euer Pfarrer Dr. Gerhard M. Wagner
