Gedanken zum Evangelium
'Herr zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.' (Joh 6,68)

Gedanken zum Tagesevangelium:
'Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der da kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!'
Das sind Aussagen, die für einen Messias und Erlöser gedacht sind. Als Jesus auf einer Eselin nach Jerusalem einzieht, wird er mit solchen Rufen empfangen. Kleider wurden auf der Straße ausgebreitet und die Begeisterung wurde immer mehr. Mit abgeschnittenen Palmzweigen, Symbol für Leben, Sieg, Unabhängigkeit wurde er bejubelt.
Wen meinen die Menschen, als sie Jesus in Jerusalem mit dieser uneingeschränkten Euphorie empfangen? Was erwarten sie von Ihm? Einen Superhelden der den Himmel auf Erden für sie bringt, ein Reich Gottes, indem er als weltlicher König herrschen wird?
Reich Gottes ja, aber nicht nach ihren Vorstellungen. Sein ganzes Auftreten war ja geprägt von dieser Sendung. Aber die Menschenmassen haben nicht genau hingesehen. Sie sahen nur den Teil, den sie sehen wollten. Jesus zieht in Jerusalem ein, aber er tut dies nicht hoch zu Ross. Nein, er reitet auf einer Eselin, demütig und klein, genau nach der Verheißung im Buch Sacharia im Alten Testament: 'Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist friedfertig und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers.'
Und bald sollte das Volk merken, dass seine Rechnung endgültig nicht aufging. Jesu Reich war nicht von dieser Welt. Den Menschen fiel es sehr schwer diese Wahrheit an sich heran zulassen.
In Krisenzeiten sind die Rufe nach Supermänner, Erlöser, Heilsbringer oder Retter aus der Not sehr laut. Immer wieder treten solche Menschen auf die Bühne, immer wieder werden sie hochgejubelt, immer wieder sehen wir, wie gefährlich sie für die Menschheit agieren. Einfache Antworten, schnelle Lösungen, hartes Durchgreifen bringt sie vorerst zu diesem Ruhm.
Am Anfang der Coronakrise gab es auch solche Auftritte, doch die wurden schnell entblößt. Viele haben verstanden und selbst erfahren, dass auch sie uns mit ihren populistischen Parolen nicht retten können. Die gesamte Menschheit ist davon betroffen, es ist etwas eingetroffen, was jetzt alle auf der Welt gleich bedroht.
Es ist wichtig sich genau anzuschauen, von wem wir gerettet werden wollen. Sind es solche, die starke Sprüche loslassen oder solche die Intelligenz, Besonnenheit, ehrliche Verantwortung zeigen und umfassend agieren.
Wir müssen uns von Superhelden verabschieden, das zeigt uns auch der Palmsonntag, andem neben dem Einzug Jesu nach Jerusalem auch noch die gesamte Leidensgeschichte in der Liturgie gelesen wird.
Jesus wollte nie als der große Star gefeiert werden, der mit Kräften ausgestattet ist, die alle Mängel beheben und paradiesische Zustände schaffen. Doch er hat immer wieder aufgerufen an dem utopischen Ziel, indem alle Menschen gleichwertig sind, gleiche Würde und Rechte haben, mitzuarbeiten. Er hat uns den Weg gezeigt, dem wir folgen sollen: Da geht es um Solidarität, um Miteinander, um das Schauen auf die Schwächeren, Kooperation, um Versöhnung, um Frieden, Bewahrung der Schöpfung um allumfassende Liebe. Diese Werte können uns jetzt durch die Krise tragen und auch für die künftigen Herausforderungen sehr hilfreich sein.
Tagesevangelium vom 05. April 2020:
'Als sich Jesus mit seinen Begleitern Jerusalem näherte und nach Betfage am Ölberg kam, schickte er zwei Jünger voraus und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los, und bringt sie zu mir! Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der Herr braucht sie, er lässt sie aber bald zurückbringen. Das ist geschehen, damit sich erfüllte, was durch den Propheten gesagt worden ist: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist friedfertig, und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers. Die Jünger gingen und taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte. Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie, und er setzte sich darauf. Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf der Straße aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe! Als er in Jerusalem einzog, geriet die ganze Stadt in Aufregung, und man fragte: Wer ist das?Die Leute sagten: Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galiläa.' (Mt 21, 1 - 11)
Text: Katharina Mayr-Jetzinger / Bild: Pixabay