Gebt Gott, was Gott gehört! (Lesung: 1 Thess 1, 1–5b Ev: Mt 22, 15–21)
So harmlos ist diese Frage aber doch nicht.
Denn: Für manche Gruppierungen der damaligen Juden wie etwa den Zeloten war die Anerkennung der Steuer mit der Anerkennung der Herrschaft des Kaisers verbunden und somit auch die Unterdrückung durch das römische Reich.
Jesus kann mit dieser Frage – so scheint es – also nur verlieren. Unterstützt er die Steuer, dann unterstützt er auch das römische Reich und dessen Machtanspruch. Stellt er sich gegen die Steuer, dann haben seine Feinde einen Grund ihn zu verhaften.
Bedenkt man dann noch, das auf der Silber-Denar-Münze neben dem Bild des Kaisers folgende Aufschrift zu lesen war: „Tiberius, Cäsar, des göttlichen Augustus Sohn, Augustus.“ Dann wird aus einer scheinbar reinen politischen Frage auch eine theologische Frage.
Doch Jesus Antwort ist wie so oft überraschend:
Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!
Dabei ist vor allem der zweite Satz wichtig. Für Jesus geht es gar nicht so sehr um die Frage, was dem Kaiser gehört, sondern viel mehr um Gott. Etwas zugespitzt könnte man sagen: Gott gehört der ganze Mensch, dem Kaiser gehört nur die Münze. Der Anspruch Gottes ist ein anderer als der Anspruch des Kaisers.
Gottes Anspruch ist existentiell.
Wir sind Kinder Gottes. Bei der Taufe wurde uns dies zugesagt. Wir gehören Gott. Wir dürfen uns Gott geben. Weil wir Gott wertvoll sind.
Die wirkliche Frage ist daher:
Wo bleibt Gott in meinem Leben? Nehme ich mir Zeit für die Beziehung zu ihm?
Was soll ich Gott geben? Was will Gott von mir? Und wo und wie wird meine Zugehörigkeit zu Gott sichtbar?
Das Evangelium gibt uns auf diese Fragen keine Antwort, wir sind selbst angehalten, ihnen nachzugehen.
Vielleicht finden wir jedoch in der heutigen Lesung zumindest einen Hinweis darauf, wie diese Zugehörigkeit als Kinder Gottes sichtbar wird und wir diese Fragen für uns beantworten können.
Dort heißt es:
Unablässig erinnern wir uns vor Gott, unserem Vater,
an das Werk eures Glaubens,
an die Mühe eurer Liebe
und an die Standhaftigkeit eurer Hoffnung
auf Jesus Christus, unseren Herrn.
Und so dürfen wir uns fragen:
Was sind unsere Werke unseres Glaubens?
Woran spüren andere, woran spüren wir unseren Glauben? Wo wird Gott sichtbar und scheint durch in unserem täglichen Handeln und Tun? In unserem Denken und Sprechen?
Welche Mühen nehmen wir auf uns damit unsere Liebe sichtbar wird? Die Liebe zu Gott, zu unserem Nächsten und uns Selbst?
Wie sehr halten wir an unserer Hoffnung fest? Wie standhaft ist sie im Angesicht von Krankheit, Leid und Not?
Es sind Fragen, die wir uns als Christen und Christinnen immer wieder neu stellen müssen und sollen.
Denn: Es geht um das Leben an sich.
Wir sind von Gott geliebt. Er sieht in unser tiefstes Inneres.
Er kennt unseren Glauben, unsere Liebe und unserer Hoffnung.
Er nimmt uns an als seine Kinder.
Weil wir wertvoll sind.
Weil ich wertvoll bin.
Weil wir Gottes Kinder sind.
Geben wir Gott, was Gott gehört!
Amen

Stefanie Seiler, Seelsorgerin