Habt ihr das alles verstanden?
Manchmal verstehen wir Jesu Worte mehr, manchmal weniger. Nicht immer ist es möglich für uns, so ein klares Ja als Antwort zu geben, wie die Jünger im heutigen Evangelium es tun.
Besonders mit dem Blick auf das Gleichnis des Fischfanges, welches wir in der heutigen Schriftlesung gehört haben, stehen wir wahrscheinlich etwas ratlos da.
Manchmal wünschte ich mir wirklich Jesus Anhänger hätte noch ein – zweimal nachgefragt, was er den jetzt genau mit seinen Worten meint.
Da ist die Rede vom Aussortieren, dem Ende der Welt und von Heulen und Zähneknirschen. Es ist ein nicht einfach zugängliches Bild, dass uns da vor die Augen gestellt wird.
Es mag daher wohl nicht verwundern, dass es für das heutige Evangelium eine Kurzfassung gibt, bei der diese Stelle einfach weggestrichen wird.
Doch ich denke, so einfach dürfen wir es uns nicht machen. Auch wenn etwas in uns Widerstand und vielleicht auch Unverständnis auslöst, so ist es doch Teil der Botschaft Jesu. Was es braucht, ist einen Zugang zu finden, wie diese Stelle auch heute noch verständlich bleibt.
Um zu verstehen, was uns Jesus in diesem - seinem - Gleichnis sagen will, müssen wir darauf Blicken um was es eigentlich geht.
Um die Antwort vorwegzunehmen – es geht um Gottes Gerechtigkeit. Es geht um eine letztendliche Gerechtigkeit, die wir uns in einer ungerechten Welt gerade zu wünschen. Am Ende der Zeiten wird das Böse vom Guten getrennt werden und das Böse keine Macht mehr haben.
Bis dahin bleibt jedoch noch Zeit für jeden Menschen zur Umkehr. Dieser Aufruf zur Umkehr geht an jeden einzelnen Menschen. Jesus will uns sagen: Richte dein Leben nach dem Willen Gottes aus. Jetzt, nicht irgendwann. Triff deine Entscheidung für Gott und sein Reich.
Das Bild der aussortierten Fische soll ein Ansporn sein schon jetzt so zu Handeln wie Gott es will und nicht auf später zu Warten. So soll das Gleichnis mehr Motivation als Drohbotschaft sein. Heute und hier sollen wir auf Gottes Stimme hören und das Himmelsreich suchen, wie der Mann die gute Perle sucht. Die Suche nach dem Reich Gottes soll an der ersten Stelle unseres Lebens sein.
Was meint nun Jesus mit dem Himmelsreich? Mit dem Reich Gottes? Es ist eine Welt, wie Gott sie sich wünscht – und ich denke auch wir uns wünschen würden: eine Welt mit Frieden, Gerechtigkeit und ohne Leid. Eine Welt, in der alle ein gutes Leben führen können. Dafür beten wir, wenn wir beten „Dein Reich komme.“
Denn: Das Himmelsreich ist nicht nur etwas, dass irgendwann kommen wird, es ist etwas das schon jetzt durchscheint. Oft tut es das nur im Kleinen, manchmal auch im Größeren. Das Reich Gottes setzt sich schon jetzt durch - in jeder Handlung der Menschen, die in wahrer Liebe geschieht, ist es gegenwärtig.
Wenn wir einander helfen, einander trösten, füreinander da sind, wenn zwischen uns Frieden herrscht und wir etwas von Gottes Liebe in unserem Leben wahrnehmen, dann ist schon jetzt das Himmelreich unter uns. Wir können uns dafür entscheiden, jeden Tag aufs Neue.
Nun bleibt die Frage:
Habt ihr das alles verstanden?
Amen

Stefanie Seiler, Seelsorgerin