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Inhalt:

Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer! (Mt 12,7)

Auslegung zum 10.Sonntag im Jahreskreis am 7.6.2026, Stefanie Seiler

 

Liebe Gemeinde,

 

im heutigen Evangelium geht Jesus zu den Zöllnern - zu Menschen, die im damaligen Israel als unrein galten und von denen man sich nicht nur deshalb am besten fernhielt.

Schließlich arbeiteten sie mit dem römischen Reich - den Unterdrückern der Israeliten – zusammen. Und sie galten gar als Diebe und Räuber, denen der Ruf vorausging, dass sie mehr als nötig nahmen und des Öfteren auch was in die eigene Tasche steckten. Wir würden sagen – es waren richtige Gauner.

Mit diesen Menschen – gerade mit diesen unperfekten, mit Sünden behafteten Menschen - feiert Jesus ein Fest. Nein, nicht nur dass, er geht noch weiter und erwählt sich sogar einen von ihnen als Jünger.

 

Es ist nicht verwunderlich, dass die Pharisäer darauf mit Empörung reagieren. Sie beachteten jeden Buchstaben des Gesetzes, dieses war ihnen besonders wichtig, so sehr, dass sie sich von allem fernhielten, dass als unrein galt, um ja nicht gegen das Gesetz zu verstoßen.

 

Und dann sitzt Jesus – der angebliche Messias - mit all diesen unreinen Menschen zusammen. Die Schriftgelehrten fragen zurecht die Jünger „Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?“

 

Doch Jesus hört diese Frage und antwortet: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer! (Mt 12,7)

 

Diese wenigen Worte Jesu sagen viel mehr als man zunächst denken mag.
Jesus zitiert wohl wissend mit diesem Satz Hosea 6, dass wir in der heutigen ersten Lesung gehört haben. Jesus zitierte diese Passage zweimal gegenüber den religiösen Führern seiner Zeit. Neben dieser Stelle spricht er sie auch in Matthäus 12 aus. Dort haben Jesus Jünger zu Sabbat Hunger und reißen Ähren ab und essen sie. Hosea 6 dürfte daher wohl eine wichtige Stelle für Jesus sein.

 

Warum zitiert nun Jesus an dieser Stelle Hosea?
Das Buch Hosea spricht in seiner prophetischen Rede von Gottes Anklage gegen sein Volk, dass sich von ihm abgewandt hat und vergessen hat, wem es alles zu verdanken hat. In einem anschaulichen Bild spricht der Prophet Hosea von dieser Beziehung des Volkes mit Gott.

 

Eure Liebe ist wie eine Wolke am Morgen und wie der Tau, der bald vergeht. (Hos 6,4)

 

Die Liebe des Volkes zu Gott ist daher flüchtig, nicht beständig. Hosea wirf dem Volk in seiner Rede vor, dass sie Gott nicht treu sind, sie vertrauen ihm nicht und haben Gottes Weisungen vergessen. Trotz alledem bleibt Gott seinem Volk treu und wagt mit ihm einen Neuanfang. Die scharfen Drohungen im Buch sind eine Aufforderung, es besser zu machen um eine gute Zukunft zu ermöglichen.

 

In Hosea 6 heißt es nun: Denn an Liebe habe ich Gefallen, nicht an Schlachtopfern. (Hos 6,6)

 

Jesus tauscht hier das Wort Liebe durch Barmherzigkeit aus. Er will uns daran erinnern, dass unser Glaube durch unsere Liebe zu Gott und unseren Mitmenschen definiert wird. Sie sind eine Einladung, tiefer in eine authentische Beziehung mit Gott einzutauchen. Eine Einladung dazu seine Liebe zu empfangen sowie weiterzugeben.

 

Diese Liebe zu Gott zeigt sich nicht durch einen bloßen äußerlichen Vollzug von Ritualen. Gott sehnt sich nach einer Beziehung, die von echter Liebe geprägt ist. Diese Liebe wiederum zeigt sich in der Barmherzigkeit der Menschen.

 

So verwundert es nicht mehr, dass Jesus zu jenen geht, die am Rande stehen und ihnen Barmherzigkeit zukommen lässt. Das Evangelium darf daher auch eine Anfrage an uns sein: Wo lassen wir in unserem Leben die Barmherzigkeit Gottes durchscheinen? Wo sind wir barmherzig – zu uns selbst – zu anderen? Wo wird die Barmherzigkeit die Jesus uns vorgelebt hat – heute – hier und jetzt – sichtbar? Denn: Durch die Barmherzigkeit wird Gottes Liebe erfahrbar und spürbar.

 

So wie uns Jesus sagt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer! (Mt 12,7)

 

Amen.

 

Stefanie Seiler, Seelsorgerin

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