Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet. (Apg 1,14)
Den zu Christi Himmelfahrt haben wir gehört, dass die Jünger und Jüngerinnen von Jesus das Versprechen erhielten, dass sie mit dem heiligen Geist getauft werden. Sie waren wohl dennoch zunächst verunsichert, traurig und womöglich auch ängstlich. Trotz allem, was sie mit Jesus gesehen und erfahren haben, fiel es manchen von ihnen schwer auf Jesus Christus und seine Worte zu vertrauen. Ich denke, auch wir kennen diese Gefühle, vor allem dort, wo wir Momente erleben, in denen wir uns allein und verlassen fühlen.
Die Botschaft von Pfingsten jedoch ist: Wir können darauf vertrauen, dass der Heilige Geist bei uns ist und um uns wirkt. Die Jüngerinnen und Jünger jedoch haben diese Botschaft noch nicht erfahren – ihnen bleibt letztendlich nur das Vertrauen auf das Versprechen Jesu. So ist diese Zeit nach Christi Himmelfahrt und vor Pfingsten eine Zeit des Vertrauens.
Diese Zeit ist ebenso auch eine Zeit der Gemeinschaft.
Die Jüngerinnen und Jünger blieben zusammen in Jerusalem – wie wir in der Lesung gehört haben - in einem Obergemach. Vielleicht war es sogar dasselbe, in dem sie mit Jesus das letzte Abendmahl gefeiert hatten. Die Jünger werden alle namentlich genannt, wir erfahren auch von Frauen und Maria. In einer Zeit, in der Frauen oft übersehen wurden, nennt diese Stelle explizit auch die Frauen. Sie alle bilden eine Gemeinschaft. In dieser konnten sie – so nehme ich an - sich gegenseitig stützen und das Vertrauen darauf stärken, dass das, was ihnen versprochen wurde, auch tatsächlich passieren wird.
Die Jüngerinnen und Jünger warten gemeinsam auf den Heiligen Geist und in diesem Warten wenden sie sich Gott zu und tun dies durch das Gebet.
Die Bibelstelle der Lesung legt Wert darauf zu sagen, dass dieses Gebet ein einmütig ist.
Der Duden erklärt das Wort einmütig mit den Worten: völlig übereinstimmend; einer Meinung, eines Sinnes. Das griechische Wort homothymadon, dass an dieser Stelle verwendet wird, könnte man auch mit „mit derselben Leidenschaft“ übersetzen.
Welch schöne Vorstellung, sich die Jünger und Frauen vorzustellen, wie sie gemeinsam beten, mit einem Sinn.
Für was oder um was sie gebetet haben, dass erfahren wir an dieser Stelle nicht. Es erscheint nicht wirklich wichtig zu sein, viel wichtiger ist, das sie gemeinsame Beten.
Und sie verweilen in diesem Gebet. Ohne Streit, der zuvor doch so oft unter den Jüngern geherrscht hat. Männer und Frauen gemeinsam, ohne Trennung oder Wertung, die Familie Jesu und seine Anhänger und Anhängerinnen, ganz ohne Unterschied zwischen gewählter Familie und Geburtsfamilie. So beten sie mit derselben Leidenschaft – einmütig – gemeinsam – ohne Unterschied oder Rangordnung. Sie wenden sich Gott zu und richten sich zu ihm aus und warten auf den Heiligen Geist, denen ihnen ihr Bruder und Freund Jesus Christus versprochen hat.
In dieser Zeit zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten ist dieses Bild der Jüngerinnen und Jünger, wie sie in Vertrauen - gemeinsam wartend beten - ein Bild, dass uns begleiten darf. Ich denke, dieses Bild kann uns ein Vorbild auch in unserem Handeln und Tun sein, in unserem Beten und unserem Miteinander.
AMEN

Stefanie Seiler, Seelsorgerin