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Glaube und Zweifel

Auslegung zu Johannes 20,19-31 am 2.Ostersonntag, 12.4.2026, Stefanie Seiler

 

Liebe Gemeinde,

 

Viele Menschen sind auf der Suche. Viele Menschen wollen glauben und können nicht. Und manchmal – so wage ich zu vermuten – da stellen auch wir uns die Fragen: Kann ich das alles wirklich glauben? Kann ich mit vollem Herzen und vollem Verstand - immer und zu jeder Zeit - aus tiefster Überzeugung sagen: Ja, ich glaube!
Glaube setzt uns immer wieder vor Herausforderung. Glaube ist nicht immer einfach. Glaube ist uns nicht immer zugänglich.

Hören wir dann das heutige Evangelium mit dieser Frage nach dem Glauben, nach unserer eigenen Überzeugung, so finden wir uns vielleicht selbst wieder in der Person des Thomas. Thomas selbst war einer der Jünger. Er war hautnahe dabei, als Jesus seine Gleichnisse erzählte und seine Wunder tat.

 

Ich kann mir gut vorstellen, dass Thomas gerne die Botschaft, die ihm gebracht wird, glaube möchte. Jesus lebt! Wie unglaublich! Wie wundervoll wäre das.

 

Doch solange die Gefahr besteht, dass es doch nur eine Illusion oder eine Täuschung sein könnte, so lange kann er sich auf diese Botschaft nicht einlassen.
Er hat so wie alle Jünger miterlebt, wie es mit Jesus zu Ende gegangen ist. Die Verurteilung, der Weg zum Kreuz, es gab keinen Zweifel daran: Jesus ist tot. Und nun soll Jesus von den Toten auferstanden sein? Weder das Zeugnis von Maria aus Magdala vom Auferstanden – noch das Zeugnis der Jünger könne ihn so recht überzeugen.

 

Sein Glaube wird daher an Bedingungen geknüpft – wenn ich nur die Wunden berühre, dann kann ich glauben.

 

Der Zweifel wäre ansonsten zu groß.
Glaube und Zweifel, so denke ich zumindest, gehören zusammen. Wir dürfen mit unserem Glauben ringen, ja, wir dürfen ihn sogar auch mal verlieren.
Denn: Unglaube bedeutet im Neuen Testament die bewusste Ablehnung des Glaubens, nicht einen fehlenden Glauben. Thomas wird nicht verstoßen oder angegangen, weil er nicht glauben kann, was geschehen sein soll.

 

Alles was er möchte, ist die Wirklichkeit des Geschehenen zu spüren um wirklich sicher zu sein.

 

Und ich kann Thomas gut verstehen. Sind wir selbst nicht auch immer wieder auf der Suche nach Beweisen? Nach Handfestem. Nach etwas auf das ich zeigen kann und sagen kann: Da! Seht! Nach etwas das ich angreifen kann und sagen kann: Ich weiß.

 

Ich glaube dieser Wunsch ist tief in uns verwurzelt und er darf auch sein. Doch Jesus selbst gibt im heutigen Evangelium die Antwort auf die Frage nach einem Glauben ohne die letzte Sicherheit: Jene, die glauben, ohne zu sehen sind selig. (Vgl. Joh 20,29 EU)

 

Diese Botschaft richtet sich gezielt an alle, die eben nicht wie Thomas und die anderen Jünger und Jüngerinnen Jesus als Auferstandenen selbst begegnen werden – also auch an uns.

Thomas findet durch seine unmittelbare Begegnung und der Berührung von Jesus dem Auferstanden zum tatsächlichen Glauben, einem Glauben, der ihn schließlich auch wieder Mut fassen lässt. Einem Glauben, der trägt – geradezu hinausträgt. Auch wir dürfen darauf vertrauen, dass uns Jesus in unserem Alltag immer wieder begegnet, auch wenn wir ihn vielleicht nicht wahrnehmen oder erkennen.

 

Als Christen wollen wir darauf vertrauen, dass unser Glaube uns zu neuem Leben führt. Mit und trotz aller Zweifel, immer wieder aufs Neue, ganz ohne Beweise, aus tiefstem Vertrauen heraus. Damit wir sagen können: Jesus lebt! Ja, ich glaube.

 

Stefanie Seiler, Seelsorgerin

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