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Inhalt:

Verwandle Steine zu Brot – Über die erste Versuchung Jesu in der Wüste

Predigt vom 22.2.2026 - Stefanie Seiler

 

Liebe Gemeinde,

 

in der Fastenzeit sind Versuchungen – so zumindest für mich – noch mehr im Alltag präsent als sonst. Ich verzichte wie die letzten Jahre auch wieder auf Süßes. Und wie es dieser Verzicht an sich hat, sehe ich Süßes plötzlich überall. Und besonders am Anfang der Fastenzeit erwische ich mich immer wieder dabei, wie ich danach greife. Aus Gewohnheit und Unbedachtheit. Die Fastenzeit als Verzicht ist für mich eine Chance, die eigenen Gewohnheiten neu zu überdenken, Nein zu den großen und kleinen Versuchungen des Lebens zu sagen und bewusst mein Ja zu Gott zu geben.

Es ist beruhigend zu wissen, dass auch Jesus mit Versuchungen konfrontiert war, so wie wir im heutigen Evangelium gehört haben. Jesus ist uns darin Vorbild. Er bleibt standhaft und findet klare Worte.

 

Nach dem Lesen des heutigen Evangeliums war für mich die Versuchung groß über alle drei Versuchungen Jesu zu sprechen, gäbe es doch so viel zu sagen. Aber ich habe mich schließlich dazu durchgerungen, nur auf die erste Versuchung Jesu näher zu blicken.

 

In dieser Versuchung wird Jesus vom Satan - dem Widersacher - dazu aufgefordert sich zu beweisen: „Wenn du Gottes Sohn bist, dann verwandle diese Steine zu Brot.“ (Vgl. Mt 4,3/ EU)

 

Oder man könnte sagen: Wenn du Gottes Sohn bist, dann hilf dir selbst.
Schon hier wird im Matthäusevangelium spürbar, was im Kreuz an späterer Stelle in der Bibel erneuert sichtbar wird. „Wenn du Gottes Sohn bist, dann steige vom Kreuz herab.“ (Vgl. Mt 27,40/ EU)

 

Schon in den Versuchungen spiegelt sich also das wider, was später auch am Kreuz von Jesus verlangt wird. Beweise dich! Dann können wir glauben! Dann erst wollen wir glauben!

 

Es ist menschlich, dass wir Beweise wünschen. Doch wo bliebe da unser freier Wille? Unsere bewusste Entscheidung? Unser frei gewolltes Ja zu Jesus und Gott?

 

Am Kreuz hören wir keine Antwort von Jesus auf die Forderung seiner Feinde, doch auf die Forderung Steine zu Brot zu verwandeln, da gibt Jesus eine. Wie bei allen Versuchungen spricht Jesus ein Zitat aus dem Buch Deuteronomium aus. Er sagt, dass der Mensch nicht nur vom Brot lebt, sondern viel mehr vom Wort Gotte. (vgl. Mt 4,4 Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Stuttgart 2016.)

 

Wir leben nicht nur vom Brot allein. Wir brauchen mehr.

 

Wenn wir im Vater unser beten „Unser tägliches Brot gebe uns heute“, da beten wir nicht nur für das Brot, sondern für alles, was wir an diesem heutigen Tag Lebensnotwendige brauchen.

 

Nun die große Frage: Was brauchen wir zum Leben?

 

Und hier schließt sich der Kreis zur Fastenzeit. Worauf kann ich verzichten? Welcher Versuchung will ich widerstehen? Was brauche ich wirklich?

 

Essen, Trinken, Kleidung, Wohnung, Freunde, Familie, Gesundheit, Sicherheit, Vertrauen, Hobbys, Bildung, Schokolade, Handy?

 

Was brauchen wir zum Leben?

 

Und schließlich sagt Jesus von sich selbst: Ich bin das Brot des Lebens.

 

Meint, dass dann nicht, das wir auch noch etwas ganz anderes brauchen, um wirklich zu leben?

 

Steine, die sind ohne Leben. Ohne Seele. Sie nähren uns nicht.

 

Jesus ist das Brot, das uns Leben gibt. Unsere Seele nährt.

 

In der Fastenzeit dürfen wir Jesus näherkommen, durch unsere Nachfolge.

 

Bei all seinen Versuchungen zweifelt Jesus nicht daran, dass Gott ihm beisteht. Gott ist bei Jesus und Jesus weiß das.

 

Als Christen dürfen wir Jesu nachfolgen in dem Wissen, dass Gott uns ebenso immer nah ist. Ja! Wir dürfen vertrauen. Wir dürfen glauben. Welch schöne Zusage. Gott sagt zu uns Ja. Und wir dürfen ihm mit einem Ja antworten.

 

Als Christen glauben wir, dass wir keine Steine, die zu Brot verwandelt werden, brauchen. Wir brauchen Gottes Zuwendung und Nähe und das Vertrauen darauf, dass er für unser tägliches Brot sorgen wird.

 

Amen.

 

Stefanie Seiler, Seelsorgerin

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