Allerheiligen
Der Friedhof ist meistens ein stiller Ort, ein Ort wo wir uns in der Stille mit den Menschen verbinden, die wir im Herzen tragen, ein Ort wo wir auch viel über den Tod und über das Leben nachdenken.
Stille erleben und erfahren wir sehr unterschiedlich.
Stille kann belastend sein, voll Trauer und Schmerz, Einsamkeit, Ängsten, Schuld, Verzweiflung – unterschiedliche Empfindungen kommen auf.
Stille kann aber auch heilend sein, zur Ruhe verhelfen, klärend, voll Kraft. Sie hilft uns, Hörende zu werden, hören, was jetzt wichtig ist. Stille ist ein Weg zu mir selbst, ein Weg zu Gott, der in mir da ist.
Der Friedhof ist auch ein Ort der Begegnung. Wenn wir vor dem Grab des geliebten Menschen stehen vor dem Grab eines Freundes, einer Freundin oder der Nachbarin, dann ist es immer wieder eine Begegnung mit der gemeinsamen Geschichte, mit gemeinsamen Erlebnissen und Erfahrungen, mit Gutem und Belastendem.
Auch Begegnung mit meiner eigenen Endlichkeit geschieht hier, Begegnung mit meinen Ängsten und Zweifeln, aber auch mit meiner Hoffnung auf ein gutes Leben bei Gott.
Tod, Verlust und Trauer sind in unserer Gesellschaft oft Themen, über die wenig gesprochen wird. Aber gerade in diesen Lebenssituationen brauchen wir das. Da sein von Mitmenschen die mitgehen, zuhören uns begleiten. Gott ist sowieso da, immer, auch wenn wir es manchmal nicht wahrnehmen können.
Unser Friedhof ist auch schön. Die herbstlich leuchtenden Farben der Bäume und Sträucher, die bunten Blumen auf den Gräbern und am Abend das Lichtermeer der Kerzen. Buntheit, Farben und Licht sind Zeichen des Lebens, die in unserer Seele tröstend wirken.
Die Botschaft Gottes für uns Menschen ist auch ein kräftiges, aufmunterndes, Hoffnung gebendes Zeichen des Lebens. Wir wollen sie nun ganz bewusst hören.
Lk 24,1 – 6a
Ganz früh am Sonntagmorgen, dem ersten Tag der neuen Woche, nahmen die Frauen die wohlriechenden Öle mit, die sie zubereitet hatten, und gingen zum Grab. Dort angekommen sahen sie, dass der Stein, mit dem man es verschlossen hatte, zur Seite gerollt war. Als sie die Grabkammer betraten, fanden sie den Leichnam von Jesus, dem Herrn, nicht. Verwundert überlegten sie, was das alles zu bedeuten hatte. Plötzlich traten zwei Männer in glänzend weißen Kleidern zu ihnen. Die Frauen erschraken und wagten nicht, die beiden anzusehen. „Warum sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“, fragten die Männer. Er ist nicht mehr hier. Er ist auferstanden!
Text: Gabi Niederschick
Fotos: Andrzej Gorgol