Donnerstag 18. Oktober 2018
Pfarre Rüstorf

Historisches über die Pfarre

Texte von Konrad Waldhör

 

 

Geschichtliches


Rüstorf ist seit dem Jahre 1784 eine selbständige Pfarre. In diesem Jahr wurde auch der Pfarrhof gebaut, in dessen Erdgeschoß die erste Volksschule bis 1898 untergebracht war.
Erstmals erwähnt wird Rüstorf um 1185 im Schenkungsbuch IV des Stiftes Admont. Etliche Häuser von Rüstorf waren dem Stift Admont zehentpflichtig, ebenso den Stiften Lambach und Wilhering. Der Name „Pfaffenberg“ erinnert daran.
In Stiftungsbriefen werden die Rüstorfer Kirche um 1348 und die Schlosskapelle Mitterberg um 1423 als Filialkirchen von Schwanenstadt erwähnt, deren Mutterpfarre wiederum Atzbach ist. Das heutige Pfarrgebiet Rüstorf wurde zuerst von Atzbach und dann von Schwanenstadt seelsorglich betreut.
1387 wird in einem Stiftungsbrief des Heinrich Geymann zu Gallspach die Frauenkirche zu Rüstorf erwähnt. Als Stifter und Erbauer gelten die Edlen von Paiß, Scherenperg und Spiller. Ihre Gruft war in der Kirche rechts vor dem heutigen Antoniusaltar. Ihre marmornen Epitaphe aus den Jahren 1421, 1487, 1523 und 1571 sind jetzt an der Friedhofsmauer, links vom Sakristeieingang und in der Beichtkapelle angebracht (1899).


Das Anliegen Martin Luthers, die Kirche zu reformieren und die Gläubigen als „freie Christenmenschen“ von der Willkür der Obrigkeit zu befreien, fand sehr schnell Verbreitung. Ab 1537 wirkten hier evangelische Prädikanden und Pfarrer. Der Gesinnungswechsel vollzog sich still und ohne äußere Konflikte. Die Zeit der Rekatholisierung des Herzogtums ob der Enns mit den Bauernkriegen (1626) war für Rüstorf eine schlimme Zeit. Fast jedes Haus hatte Tote zu beklagen, die Höfe und Fluren waren verwüstet, Robot und Zehentleistung stiegen mit der Höhe der Kriegskosten.
Ab 1645 führt die Pfarrexpositur eigene Matrikeln. Kaiser Josef II (regierte von 1780-1790) brachte mit seiner Reichsreform wieder Sicherheit und Ordnung. Mit der Neuordnung des Pfarrsystems wurden 1784 Rüstorf und Desselbrunn von Schwanenstadt abgetrennt und zu eigenständigen Pfarren mit einem ortsansässigen Pfarrer.
In der Zeit von 1784 – 2012 wirkten 32 Priester als Pfarrer oder Pfarrprovisoren. Von 1839-1939 war im Schloss Mitterberg auch die Priesterkorrigendenanstalt der Diözese Linz untergebracht. Die Direktoren dieser Anstalt hatten mitunter mehr Ansehen und Zulauf als der Ortspfarrer.

 

Von den 32 Pfarrern seien besonders erwähnt:

Franz Kary (1844 – 1880). Kunstmäzen. Er hatte eine ansehnliche Erbschaft gemacht und diese in die künstlerische Ausstattung der Pfarrkirche eingebracht.
Josef Schmuderer (1881 – 1892). Ihm verdankt die Pfarre das umfassendste Geschichtswerk von Rüstorf, die Pfarrchronik. Alle späteren Chronisten nehmen darauf Bezug.
Franz Haslinger (1939 – 1951). Er leistete dem Hitlerregime geistigen Widerstand und erhielt Schul- und Predigtverbot. Durch seine genauen Eintragungen in der Pfarrchronik sind wir gediegen über die NS- Zeit informiert, zumal alle Aufzeichnungen aus dieser Zeit in der Schulchronik und auf der Gemeinde mit Ende des NS-Regimes vernichtet werden mussten.
Josef Aistleitner (1951 – 1983). Er war eifriger Seelsorger der Aufbaugeneration. Pfarrhof und Friedhof bekommen Fließwasser. Der neue Friedhof wird 1955 eingeweiht. Die Gottesdienste werden zur Gänze in der Muttersprache gefeiert. Der erste Pfarrgemeinderat wird gewählt und der Caritas Kindergarten errichtet (1973). Kirche als pilgerndes Volk Gottes.

 

Aus der Pfarre sind seit 1784 folgende Priester und Ordensfrauen hervorgegangen:
1868      Rutzinger Johann, Pöllngut, Rüstorf 8
1933      Schachinger Alois, Freimühle, Rüstorf 33
1934      P. Hittenberger, Steyler Missionar vom Adamgut in Mitterbergholz
1950      Bieregger Josef, Spitaler, Mühlwang 17
1964      Steininger Leopold, Rüstorf 45
1968      Schobesberger Friedrich, Mitterberg 8
1968      Bauernfeind Josef, Mühlwang 7
1968      Laherstorfer Alois, Pfaffenberg (laisiert)
1998      Vormayr Markus, Johannisthal 19
1962      Sr. Edwina Baumgartner, Kaufing 8
1962      Sr. Gudula Gebhart, Kaufing 61
1963      Sr. Maria Anna Laherstorfer, Pfaffenberg
1965      Sr. Maria Grünbacher, Ebersäuln 4
1966      Sr. Sighilde Steininger, Rüstorf 45
1967      Sr. Fidelis Steininger, Rüstorf 45

 

 

Quellen zur Pfarrgeschichte:

Chronik der Pfarre Rüstorf, 2 Bände; begonnen von Pfr. Schmuderer 1866, auch rückerfassend.
Kollmann Josef, Heimatkunde von Rüstorf 1935
Racher Anton, Heimatbuch der Gemeinde Rüstorf 1996
Racher Elisabeth, Die Pfarre Rüstorf und ihre Schicksale; Diplomarbeit 1992
Kunstinventar der Pfarre Rüstorf, 3 Bände; erstellt vom Kunstreferat der Diözese Linz 1996
Dittenberger Gertraud, Pfarrkirche Maria Namen, Kirchenführer 2002

Pfarrkirche


Sie bewacht und überschaut das Agertal, steht inmitten von Wolfsegg am Hausruck, dem Traunstein und Dachstein, sogar der Große Priel dient ihr als Kulisse. Die Erbauer hatten ein geübtes Auge, als sie diesen Platz 1387 erwählten. Sie haben das Wahrzeichen von Rüstorf gesetzt.


In Kunstkreisen gilt die Kirche Rüstorf als beachtenswertes Unikat unter den Landkirchen. Franz Greil, der Direktor der Ebenseer und Hallstätter Holzfachschule, hat in den Christlichen Kunstblättern (Jg. 1900, Nr.10, S. 109-111) die äußere Anlage und die innere Ausgestaltung vorgestellt und im Lande bekannt gemacht. Seine Darstellung ist bis jetzt unübertoffen.


1348 wird die „Frauenkirche zu Rüstorf“ als Filiale der Pfarre Schwanenstadt erwähnt. Als Bauherren gelten die Edlen von Paiß und deren Nachfolger auf Schloss Mitterberg. Als Stifter waren sie auch innerhalb des Kirchenraumes in einer Gruft begraben. Diese war bis 1899 rechts vor dem Antoniusaltar. Heute sind diese Epitaphe aus Marmor wichtige Zeugen für die Baugeschichte und an folgenden Stellen angebracht:
Gilhalm, Graf von Scherenperg (1421) links innen beim nördlichen Friedhofzugang.
Hanns Paiß (1487), linker Stein in der Beichtkapelle (vormals Gruftkapelle und Karner).
Sebastian Paiß (1523), an der Außenmauer der Kirche links vom Sakristeieingang (erst 1842 durchgebrochen).
Georg Spiller (1571), rechter Stein in der Beichtkapelle (dieser Epitaph lässt auf die evangelische Lehre schließen, welcher in dieser Zeit fast alle im Land folgten).

 

Die Frauenkirche zu Rüstorf ist eine zweischiffige, spätgotische Hallenkirche mit fast quadratischem Langhaus (13m lang, 12,5m breit, 10m hoch). Der Altarraum mit Sakristei (diese war nur durch die massive Tür vom Kircheninneren zu betreten, erst 1842 wurde die Tür zum Friedhof hin durchgebrochen), die heutige Beichtkapelle links vom Turm sowie das wetterfeste Nordtor stammen aus der Zeit der Hochgotik um 1380, das zweischiffige Längsschiff mit den drei Jochen und den zwei himmelstrebenden Säulen sind spätgotisch und um 1480 anzusetzen. Über dem Hauptschiff erhebt sich ein gigantisches Steildach, eine sehenswerte imposante Zimmermeisterarbeit, die nie einem Brand oder Sturm zum Opfer gefallen ist.

Der graue Baustein, das ungewöhnliche Netzrippengewölbe, die Rautensterne und der Spitzbogen zum Altarraum strahlen eine hehre Atmosphäre wieder. Eine Augenweide ist die Chorbrüstung. Sie wirkt wie der Blasebalg eines (himmlischen) Harmonikaspielers.
Baumeister oder Künstler sind aus dieser Zeit keine überliefert. Kunstexperten meinen, dass die Kirche der Bauhütte Wultinger aus Wilding bei Vöcklamarkt zuzuordnen ist.

 

 


Der Kirchturm ist 45m hoch. Im Glockenstuhl hängen vier Glocken mit 1401 kg Gesamtgewicht. Das Geläut ist melodisch hymnisch (Salve Regina Motiv). 1861 wird der Guss und die Weihe von vier Glocken der Fa. Hollederer aus Linz erwähnt. Die Glocken mussten erstmals im ersten Weltkrieg 1914 abgeliefert werden. 1922 wurden in der Glockengießerei Oberascher in Salzburg vier neue gegossen. Im zweiten Weltkrieg mussten 1940 wieder drei Glocken abgeliefert werden. Nur die „Zügenglocke“ (Zinnglöckl oder Totenglocke) durfte am Turm bleiben, damit sie beim „Stahlhelmbegräbnis“ zum Heldentod für „Führer, Volk und Vaterland“ geläutet werden konnte. Das sollte die Wehrkraft und das Durchhaltevermögen stärken. Bereits 1948 wurden drei neue Glocken geweiht und aufgezogen.

 

Erstmals wird im Jahre 1812 vom Orgelbaumeister Rumel aus Linz eine Orgel angeschafft. 1862 wurde zur Verlegung der Blasebälge eine zweite Emporenetage(!) eingezogen, die dann vor dem Einbau einer größeren Orgel wieder abgerissen wurde. 1892 wurde beim renommierten Orgelbaumeister Leopold Breinbauer in Ottensheim eine Orgel mit zwei Manualen und 10 klingenden Registern in Auftrag gegeben und 1894 geweiht. Sie ist nach über 120 Jahren Gebrauch noch in einem beachtlichen und gut spielbaren Zustand. Ein Qualitätsprodukt! Seit 1963 wird das Gebläse von einem Elektromotor gespeist.

 

Die Pfarrkirche erhielt 1919 eine elektrische Beleuchtung. 1892 baute Raimund Scheichl aus Niederthalheim ein Turmuhrwerk mit Schlagwerk am Geläute. Das Uhrwerk musste täglich vom Kirchturm aus aufgezogen werden, ebenso mussten die Glocken bis 1963 händisch geläutet werden. Fa. Sachs aus Salzburg besorgte die Elektrifizierung der Turmuhr des Geläutes und Schlagwerkes.

 

Schade, dass der schlichte Kirchenführer von Gertraud Dittenberger vergriffen ist. Gerne kommt die Pfarre der Bitte um eine Kirchenführung nach (Waldhör 0664/5170709).

Friedhof

Über die Errichtung des ersten Friedhofs zu Rüstorf gibt es keine historischen Angaben. Man kann mit großer Sicherheit annehmen, dass der Friedhof zugleich mit dem Bau der Kirche um 1348 errichtet wurde. Als älteste Zeugnisse gelten die vier Epitaphe (1421, 1487, 1523, 1571) der Herren von Mitterberg. Diese vier Marmorreliefs (120x240/12cm) bedeckten ihre Gruft, welche in der Kirche rechts vor dem Antoniusaltar situiert waren und 1899 an die Wand der Beichtkapelle, links neben dem Sakristeieingang und links beim östlichen Friedhofseingang angebracht wurden.


Die einfachen Leute wurden außerhalb des Kirchenraumes, rund um die Kirche bestattet. Gemäß den sozialen Unterschieden gab es lange Zeit Begräbnisse erster, zweiter und dritter Klasse. Die Standesunterschiede merkte man auch in der Ausstattung der Grabsteine für die Einzel-, Doppel-, Wandgräber und Gruften. 1885 wurde links vom Südeingang zur Kirche die erste bürgerliche Gruft, die Hillingergruft (Mitterberg 1) errichtet. Der Abstieg führt unter die Beichtkapelle, ist aber jetzt von Koniferensträuchern überwachsen und verdeckt. Die Gruft ist aufgelassen. Geblieben ist ein ansehnliches Wandgrab neben dem Haupteingang zur Kirche.
1866 wurde das Leichenhaus (heute Geräteraum für Totengräber und Mesner) beim Zugang vom Dorfplatz erbaut. In diesem Jahr wurde auch der sogenannte „ Totenaltar“ mit zwei makabren Skelettfiguren abgetragen. 1930 wurden die Friedhofsmauer und die Portale renoviert. 1952 bekamen der Friedhof und der Pfarrhof Fließwasser. 2010 bis 2012 wurde die Friedhofsmauer generalsaniert und mit einer Dachziegelabdeckung versehen.
Am alten Friedhof befinden sich 172 Gräber, zu denen täglich Besucher kommen und wochentags meist mehr als 50 Lichter brennen. An Vorabenden zu Feiertagen und am Festtag selbst brennen bis zu 130 Lichter. Die Gräber und der Friedhof sind pietätvoll gepflegt und geschmückt. Die Grabsteine sind aus Steingut, Granit oder Marmor. 22 Grabkreuze in Schmiedeeisen lockern den Friedplatz etwas auf. Alles dient dem innerlichen religiösen Gedenken und Nutzen der Einzelseele. Es ist ganz wenig an Hervorhebung oder gesellschaftlichem Protzen sichtbar. Außerhalb des Friedhofs ist die Deponie für die Entsorgung.
Das Kriegerdenkmal an der Westseite des Turmes wurde 1933 errichtet. Die Entwürfe stammen vom akademischen Bildhauer Karl Podolak aus Linz. Die Steingutplastik stellt den Hl. Erzengel Michael dar. Er bewacht und öffnet den Zugang zum Himmel und geleitet die im Sterben vom ewigen Tod und Teufel bedrohten Erdenbürger vom Diesseits ins Jenseits. Die Hauptfigur samt Sockel wiegt 700 kg. Aus dem 1. Weltkrieg sind 38 Männer nicht mehr heimgekehrt, aus dem 2. Weltkrieg 82. Deren Namen sind auf vier Steinplatten gemeißelt. Mit der Widmungsplatte wiegen diese Steingutplatten 400 kg. Das Kriegerdenkmal wurde 2010 von der Ortsgruppe des Österreichischen Kameradschaftsbundes (ÖKB) renoviert.
Der neue Friedhof wurde unter Pfarrer Aistleitner errichtet und 1955 eingeweiht. Die Pläne dazu stammen vom bekannten und bedeutenden Kirchen- und Dombaumeister Deutschlands, Architekt Professor Böhm aus Köln am Rhein. Pfarrerköchin Brigitte Katterl war bei ihm 28 Jahre in Diensten und hat ihn für dieses Projekt gewinnen können. Sein Name gibt natürlich der Aufbahrungs- und Aussegnungshalle Bedeutung. Am neuen Friedhof sind jetzt 120 Gräber belegt. 2012 wurden an der Inneren Nordmauer zwölf Urnengräber errichtet. Im neuen Friedhof sind 138 Gräber, davon sind 128 Grabsteine aus Steingut, Granit oder Marmor, 10 Schmiedeeisenkreuze runden ab. Auf dem Friedhof gibt es Fließwasser zur Grabpflege und außerhalb eine Mülldeponie. Fritz Hamader sorgt für den ästhetischen Zustand beider Friedhöfe und greift gegebenenfalls als Friedhofswächter ein.

Mit der Dorfplatzerneuerung im Jahre 2012 sind auch die Zugänge zu den Friedhöfen begehbarer.

 

 

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