+ Johann Bangerl
Den Angehörigen gilt unsere herzliche Anteilnahme
Herr gib ihm die ewige ruhe, und das ewige licht leuchte ihm....
Heute nehmen wir Abschied von einem Menschen, der unser Leben auf so vielfältige
Weise geprägt hat. Es fällt schwer, die richtigen Worte zu finden für ein langes, erfülltes
Leben, das von Verantwortungsbewusstsein, Fleiß, Hilfsbereitschaft und einem starken
Sinn für Gemeinschaft geprägt war.
Unser Opa Johann Bangerl wurde am 14. Februar 1934 in Sinzing geboren. Zwar hatte er
einen älteren Halbbruder, dennoch wuchs er als einziges Kind im Haus seiner Eltern
Johann und Maria Bangerl auf.
Nach der Volksschule hat er eine Tischlerlehre beim Neiß in St. Florian absolviert. Dort hat
er auch nach seiner Lehre gearbeitet, bevor er zum Kaiser-Schreiner gewechselt ist.
Später war er noch kurze Zeit beim Schwarzmüller beschäftigt. Ein einschneidendes
Ereignis war der 29. Dezember 1972: Beim verheerenden Hofbrand wurden Stall und
Stadl vollständig zerstört. Anstatt aufzugeben, hat er mit unermüdlichem Einsatz den Hof
wieder aufgebaut. Was andere vielleicht als Ende gesehen hätten, war für ihn der Anfang
eines neuen Kapitels.
Später hat er rund zwanzig Jahre im Sägewerk Huber in Bad Höhenstadt gearbeitet. Und
selbst als er seine Pension längst verdient hatte, war für ihn Ruhestand nie gleich
Stillstand. Wenn beim Sägewerk Gruber Hilfe gebraucht wurde, war er zur Stelle –
einfach, weil es für ihn selbstverständlich war und er seine Hilfe niemals ausgeschlagen
hat.
Am 4. Juni 1959 hat er seine große Liebe Anna, geborene Reingruber, geheiratet.
Gemeinsam haben sie den elterlichen Hof übernommen. Noch im selben Jahr mussten sie
den Tod ihres Vaters verkraften und von einem Tag auf den anderen die volle
Verantwortung für den Hof und Familie tragen. Sie sind diesen Weg gemeinsam gegangen
– über mehr als 65 Jahre hinweg. Dieses außergewöhnliche Ehejubiläum durften sie noch
gemeinsam im Vitalen Wohnen feiern – ein Geschenk, für das wir alle dankbar sind.
Ihr Familienglück wurde aber auch von schwerem Leid überschattet. Der tragische Tod
ihres ältesten Sohnes Johann am 5. Jänner 1963 war ein Schicksalsschlag, der tiefe
Spuren hinterlassen hat. Trotzdem haben sie nie den Mut verloren und ihrer Familie stets
Halt und Geborgenheit gegeben.
Aus ihrer Ehe gingen fünf weitere Kinder hervor, elf Enkelkinder und schließlich sechs
Urenkel. Für uns alle war er weit mehr als nur Vater, Opa oder Uropa. Er war ein Mensch,
auf den man sich immer verlassen konnte.
Hilfsbereitschaft war für ihn keine besondere Tugend – sie war einfach Teil seines
Wesens. Ganz besonders seine vier Töchter konnten sich darauf verlassen, dass er bei
jedem Hausbau mitgearbeitet hat. Egal ob große Baustelle oder kleine Reparatur – er war
da. Auch Nachbarn und Freunde konnten jederzeit auf seine Unterstützung zählen. Auch
Rückschläge hat er mit bemerkenswerter Stärke gemeistert. Als er 1990 bei einem
Stallneubau in Taufkirchen vom Dach gestürzt ist und einen Wirbelbruch erlitten hat, hat er
sich wieder zurück ins Leben gekämpft – mit Geduld, Ausdauer und seinem
unerschütterlichen Willen. Sein letztes großes Projekt war eine Gartenhütte, die er
gemeinsam mit einem seiner Enkel geplant und gebaut hat. Es war schön zu sehen, wie
viel Freude ihm das gemeinsame Arbeiten bis ins hohe Alter bereitet hat.
Eine ganz besondere Leidenschaft war die Feuerwehr. Jahrzehntelang war er aktives
Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Rainbach und viele Jahre als Lotsenkommandant im
Einsatz. Kameradschaft, Verlässlichkeit und Hilfsbereitschaft waren Werte, die er dort
gelebt hat und die ihn als Menschen ausgezeichnet haben.
Auch dem Seniorenbund war er eng verbunden. Als Kassier hat er Verantwortung
übernommen und besonders die gemeinsamen Kegelnachmittage und Ausflüge hat er
genossen. Immer wieder hat er von seiner Reise nach Israel erzählt – sie hat ihn
nachhaltig beeindruckt und bis zuletzt begleitet.
In seiner Freizeit hat er leidenschaftlich gerne Karten gespielt. Dank ihm kennen wir heute
unzählige Spielregeln – und vor allem auch ihre genaue Auslegung. Besonders seine
Urenkel freuten sich auf die Besuche in Esternberg bei „Hasiopa“ und „Hasioma“. Wenn
gemeinsam Rummikub gespielt wurde, war die Freude auf beiden Seiten groß. Diese
gemeinsamen Stunden werden uns für immer in Erinnerung bleiben.
Der Glaube war ein wichtiger Bestandteil seines Lebens. Solange es ihre Gesundheit
zuließ, gingen sie jeden Sonntag gemeinsam zum Gottesdienst.
Mit Anfang Juli 2023 sind sie beide gemeinsam ins Vitale Wohnen nach Taufkirchen
gezogen. Dieser Schritt ist ihnen nicht leicht gefallen. Doch die herzliche Betreuung, die
menschliche Wärme und die liebevolle Fürsorge haben ihnen geholfen, sich dort zuhause
zu fühlen. Als ihre körperlichen Beschwerden zunahmen, sind sie gemeinsam in das
Pflegeheim nach Esternberg übersiedelt. Dass sie auch diesen letzten Lebensabschnitt
Seite an Seite verbringen durften, war für sie beide von unschätzbarem Wert.
Deshalb möchten wir heute den Pflegekräften in Taufkirchen und Esternberg von Herzen
danken. Für euch war Pflege nie nur eine Aufgabe – ihr habt unseren Opa und unsere
Oma mit Respekt, Herzlichkeit und echter Menschlichkeit begleitet. Ihr habt ihnen
Geborgenheit geschenkt und ihnen noch viele schöne Momente ermöglicht. Dafür werden
wir euch immer dankbar sein.
Am 28. Juni 2026 ist er, im Alter von 92 Jahren, im Beisein seiner geliebten Frau und nach
dem Empfang der heiligen Sakramente friedlich eingeschlafen.
Er hat uns nicht mit großen Worten geprägt, sondern mit seinem Leben. Mit seiner
Bescheidenheit. Mit seiner Verlässlichkeit. Mit seinem unermüdlichen Einsatz. Mit seinem
Humor und seiner Geselligkeit. Er war einer jener Menschen, die einfach da waren, wenn
man sie brauchte – ohne viele Worte, aber immer mit ganzem Herzen.
Dankbar blicken wir auf alles zurück, was er uns mitgegeben hat. Dankbar sind wir für die
Zeit, die wir mit ihm verbringen durften, und für die Erinnerungen, die bleiben.
Opa, du wirst uns fehlen. - Vergelt's Gott für alles