Uganda
Schon vor Ende meiner Ausbildung war mir klar, dass ich so bald wie möglich ein anderes Land besuchen möchte. Am besten eins in Afrika. Eine genaue Vorstellung, was ich dort machen wollte, hatte ich anfangs nicht. Ich wusste nur, dass mich Artikel in der Zeitung oder im Internet zwar interessierten, aber ich ihnen nicht wirklich traute. Ich wollte mir mein eigenes Bild von der Situation in einem Entwicklungsland machen.
Dann aber kam ich in Kontakt mit Dr. Herbert Hinterreiter, einem Arzt aus Linz. Er erzählte mir, er würde im Februar 2013 wieder nach Uganda fliegen, einem Land in Ostafrika, um dort zum wiederholten Male auf einer Krankenstation zu arbeiten. Da fasste ich meinen Entschluss: "Da fliege ich mit! Auf einer Krankenstation gibt es bestimmt eine Aufgabe für mich."
Ich traf die nötigen Vorbereitungen ( Impfungen, Versicherung, ...) und setzte mich am 9. Februar in den Flieger nach Kampala, der Hauptstadt Ugandas. In den ersten Tagen war ich komplett reizüberflutet und konnte nicht wirklich schlafen, aufgrund der Menge an neuen Bildern die durch meinen Kopf schwirrten und von meinem Gehirn zu verarbeiten versucht wurden.
Nach einem kurzen Aufenthalt im Zentrum von Uganda, erreichten Herbert und ich am 4. Tag Buhara, ein kleines Dorf im äußersten Süden, an der Grenze zu Ruanda. Hier sollte ich die nächsten 6 Monate verbringen.
Zusätzlich zu der besagten Krankenstation waren auch eine Kirche inklusive zweier Pfarrer, und eine Gemeinschaft von Nonnen dort beheimatet. In den ersten 4 Wochen arbeitete ich dann gemeinsam mit Herbert auf der Krankenstation und konnte mich mit seiner Unterstützung (wir sprachen über ernste Themen ebenso wie wir uns über niveaulose Witze kaputtlachten) sehr gut einleben. Der Galgenhumor bewahrte mich oft vor Betroffenheit.
Nachdem Herbert wieder abgereist war, boten mir dir Nonnen an, mich zu verköstigen und mir ein Bett zur Verfügung zu stellen, solange ich bleiben wollte. Ich nahm das Angebot dankend an und begann auch außerhalb der Krankenstation Menschen in ihren Hütten zu besuchen und mit ihnen zu arbeiten.
Transport ist für die meisten Menschen nicht leistbar und Behinderte oder Kranke werden sowieso gerne zuhause versteckt. Speziell eine körperliche Beeinträchtigung gilt in Uganda als Strafe von Gott. Ich versuchte mehrmals pro Woche diese sogenannten Hausbesuche zu machen; meistens mit dem eigens gekauften Fahrrad, an Wochenenden die langen Strecken mit dem klinikeigenen Motorrad.
Der Großteil der Menschen in Kabale (die Region in der Buhara liegt) sind Katholiken, sie sind sehr gläubig und feiern beispiellose, laute und fröhliche Gottesdienste. Darum ist es um so trauriger, dass die Kirche, also speziell die Priester, ihren Einfluss schlecht nutzen.
Über Verhütung wird ebenso geschwiegen wie über Krankheiten und deren medizinische Versorgungsmöglichkeiten. Die gängige Botschaft ist: "Beten und hoffen." Dass das bei Aids nicht hilft weiß jeder Europäer, aber in Uganda nicht einmal jeder zweite.
Allgemein gilt auch: je mehr Kinder desto ärmer die Familie. Es gibt keine Beihilfen und ab der Grundschule muss sehr viel Schulgeld bezahlt werden. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass viel in der Messe gespendet wird aber selten etwas an die Bevölkerung zurückgeht, wie versprochen. Die Priester die ich kennengelernt habe, leben sehr gut. Die Menschen aber werden immer ärmer.
Am Ende meines Aufenthalts wollte ich noch die schönen Landschaften Ugandas kennen lernen. Ich machte einige Expeditionen in Nationalparks und zwei hochalpine Bergtouren, für die ich mich in den vorangegangenen Monaten vorbereitet hatte.
Der Eindruck, der von Uganda blieb, ist sehr prägend für mich. Die faszinierende Natur, was ich alles von den Menschen dort gelernt habe, aber vor allem die Herzlichkeit, mit der ich aufgenommen und integriert wurde. Sobald es möglich ist werde ich nach Buhara zurückkehren, um die Menschen die ich kennen und schätzen gelernt habe, wiederzusehen.
Christoph Peer wird über seinen Aufenthalt in einem Bilderreichen Vortrag berichten.
Termin: Mittwoch, 20. November, 19.30 Uhr Alfons Dorfner Halle, Lembach
Eintritt: freiwillige Spenden
Der Erlös des Vortrags geht an das Projekt „Buhara“ von Dr. Herbert Hinterreiter.