4. Adventsonntag
Der Weihnachtsnarr
Im Morgenland lebte ein junger Narr. Und wie jeder Narr sehnte er sich danach, weise zu werden. Er liebte den Himmel und die Sonne und wurde nicht müde, sie zu betrachten. Und so geschah es, dass in der gleichen Nacht nicht nur die Könige Kaspar, Melchior und Balthasar den neuen Stern entdeckten, sondern auch der Narr.
Der Stern ist heller als alle andern, dachte er, es ist ein Königsstern. Ein neuer Herrscher ist geboren. Ich will ihm meine Dienste anbieten, denn jeder König braucht auch einen Narren. Ich will mich aufmachen und ihn suchen. Lange dachte er nach, was er dem König mitbringen könne. Aber ausser seiner Narrenkappe, seinem Glockenspiel und seiner Blume besass er nichts.
So wanderte er davon. In der ersten Nacht führte ihn der Stern zu einer Hütte. Dort begegnete er einem Kind, das gelähmt war. Es weinte, weil es nicht mit den anderen Kindern spielen konnte. Ich will dem Kind meine Narrenkappe schenken. Es braucht die Kappe mehr als ein König. Das Kind setzte die Narrenkappe auf den Kopf und lachte vor Freude.
In der zweiten Nacht führte ihn der Stern zu einem Palast. Dort begegnete er einem Kind, das blind war. Es weinte, weil es die andern Kinder nicht sehen konnte. Ich will dem Kind mein Glockenspiel schenken. Es braucht das Spiel mehr als ein König. Das Kind lies das Glockenspiel ertönen und lachte vor Freude.
In der dritten Nacht führte ihn der Stern zu einem Schloss. Dort begegnete er einem Kind, das taub war. Es weinte, weil es die andern Kinder nicht hören konnte. Ich will dem Kind meine Blume schenken. Es braucht die Blume mehr als ein König. Das Kind betrachtete die Blume und lachte vor Freude.
Nun bleibt nichts mehr, was ich dem neuen König mitbringen könnte. Es ist wohl besser, wenn ich umkehre. Aber als der Narr zum Himmel empor schaute, stand der Stern still und leuchtete heller als sonst. Da fand er den Weg zu einem Stall. Dort begegnete er drei Königen und einer Schar Hirten. Auch sie suchten den neuen König. Er lag in einer Krippe, war ein Kind, arm und bloß. Maria, die eine frische Windel übers Stroh breiten wollte, schaute hilfesuchend um sich. Sie wusste nicht, wo sie es hinlegen sollte.
Josef fütterte den Esel, und alle andern waren mit Geschenken beladen.
Nur der Narr stand da mit leeren Händen. Voll Vertrauen legte Maria das Kind auf seine Arme.
Er hatte den König gefunden, dem er in Zukunft dienen wollte.
Und er wusste auch, das er seine Geschenke für dieses Kind hingegeben hatte, das ihm nun mit seinem Lächeln die Weisheit schenkte, nach der er sich sehnte.