3. Adventsonntag
Kein Raum in der Herberge
Walter war gerade 10 Jahre alt geworden. Obwohl er eigentlich in der vierten Klasse hätte sein sollen, war er erst in der 1 Klasse.
Eigentlich wäre Walter im Krippenspiel gern ein Schäfer mit einer Flöte gewesen, aber Fr. Schuster hatte ihm eine viel wichtigere Rolle zugedacht.
So versammelten sich alle Schüler zum weihnachtlichen Krippenspiel, die Eltern, die Lehrer, der Pfarrer.
Es kam der Augenblick da Josef auftrat und Maria vorsichtig vor die Herberge führte. Josef pochte laut an die Türe. Walter, der den Wirt spielte, stand dahinter und wartete: „Was wollt ihr denn“ fragte er barsch uns stieß die Tür auf.
„Wir suchen Unterkunft“!„Sucht sie anderswo“. Ich habe keinen Platz“ Walter blickte geradeaus, sprach aber mit kräftiger Stimme. „Die Herberge ist voll“.
„Herr, wir haben überall gefragt. Wir kommen von weit her und sind erschöpft“.
„In dieser Herberge gibt es keinen Platz zum Ausruhen“.
Ihr habt doch sicher ein Plätzchen.“ Bettelte Josef.
„Es gibt hier keinen Platz für euch.“ Walter blickte streng.
„Bitte lieber Wirt, das ist meine Frau. Sie ist schwanger und braucht einen Platz zum Ausruhen. Sie ist so müde“.
Jetzt lockerte der kleine Wirt zum ersten Mal seine starre Haltung und schaute auf Maria. Dann folgte eine lange Pause, so lange, dass es für die Zuhörer schon ein bisschen peinlich wurde. „Nein schert euch fort“ flüsterte der Souffleur. „Nein“ flüsterte Walter automatisch, „schert euch fort“.
Traurig legte Josef den Arm um Maria und Maria lehnte den Kopf auf Josefs Schulter.
Walter blieb auf der Schwelle stehen und man sah, dass ihm die Tränen in die Augen traten.
Und plötzlich wurde das Krippenspiel anders als zuvor.
„Bleib hier Josef“ rief Walter, „Bring Maria wieder her. Sein Gesicht verzog sich zu einem Lächeln „Ihr könnt mein Zimmer haben.“
Manche Leute meinten Walter habe das Krippenspiel verdorben. Aber viele hielten es als das schönste Krippenspiel, das sie je gesehen haben...