2. Adventsonntag
Der kleine Straßenkehrer
In der Nacht war Schnee gefallen und es hatte gefroren. Der kleine Straßenkehrer zog sich wärmer an als sonst: Leider hatten die Motten große Löcher hineingefressen. So schauten an beiden Händen der Daumen und der Zeigfinger heraus und an der linken Hand auch noch der kleine Finger. Traurig betrachtete der kleine Straßenkehrer die nackten Finger, während er zur Winterstraße ging.
Heute brauchte er noch keine Schneeschaufel, aber wenn es so weiterschneite, würde der Besen alleine nicht mehr reichen. Während er so die Straße kehrte, sah er auf einmal etwas im Schnee glitzern, etwas Silbernes. Es war ein langer silbener Faden, den der kleine Straßenkehrer aufhob. „Engelshaar“ sagte er andächtig, „das Haar von einem Engel“. Und er wickelte das Haar um seinen linken Finger, der am meisten fror. Das Engelshaar sah wunderhübsch aus und es wärmte. Nicht nur der Zeigefinger wurde warm, sondern die ganze linke Hand.
Guten Morgen kleiner Straßenkehrer, rief Frau Wunderlich, vor deren Garten er das Haar gefunden hatte. „Was hast du da an den Fingern“.
„Engelshaar“ sagte der kleine Straßenkehrer stolz „jetzt macht es mir nichts mehr aus, dass meine Handschuhe Löcher hatten." Frau Wunderlich lächelte ihm freundlich zu. Dann ging sie ins Haus zurück und holte Wolle und fing ein Paar Handschuhe zu stricken an.
Inzwischen kehrte der kleine Straßenkehrer die Straße weiter. Ab und zu blieb er stehen und sah auf seinen linken Zeigefinger. Da kam die alte Zeitungsfrau vorbei. Sie trug ihre Hände in der Schürze, da sie keine Handschuhe mehr hatte. „Frierst du?“ fragte der kleine Straßenkehrer. Die Zeitungsfrau nickte. Der kleine Straßenkehrer löste sein Engelshaar von seinem linken Zeigefinger und gab ihn der Zeitungsfrau. "Du musst es um deine Hand wickeln, dann frierst du nicht."
Und wirklich: Nicht nur die Hände der alten Zeitungsfrau wurden warm, sondern auch die des Straßenkehrers blieben warm, ja wurden sogar immer wärmer.