Pergkirchner Weihnachtskrippe
Franz Schmalzl war ein begnadeter Holzschnitzer und über seine Heimat Südtirol hinaus, bekannt. Vor allem fertigt er viele Weihnachtskrippen.
Die Pfarre Pergkirchen gab bei Franz Schmalzl eine neue Kirchenkrippe in Auftrag. Somit ist unsere Weihnachtskrippe ein Kleinod und Kunstwerk aus dem berühmten Grödnertal.
Die Kirchenkrippe von Bildhauer Franz Schmalzl
Die so zahlreichen gotischen Kirchen im Mühlviertel wurden im ausgehenden 19. Jahrhundert intensiv von der Regotisierungswelle erfasst. Heimische Bildhauer und Altarbauer wie Josef Kepplinger, Ludwig Max Linzinger, Josef Untersberger aber auch Südtiroler Künstler schufen zum gotischen Raumgefühl passend zahlreiche Altäre, Kanzeln, Statuen und Kreuzwege. Im Zuge der Erneuerung und Umgestaltung wurden um die Jahrhundertwende zudem viele Kirchenkrippen angeschafft; so auch die von Pergkirchen. Die Kirchenchronik berichtet: „Da die in den Kirchenrechnungen erwähnte alte Krippe der Pfarrkirche schon bei Ankunft des Pfarrers Josef Hugo Pöringer spurlos verschwunden war, wurde im Jahre 1904 von Bildhauer Franz Schmalzl in St. Ulrich, Marienheim, Gröden in Tirol um den Preis von 200 Kr.[Kronen] eine neue bestellt, die prächtig ausfiel, Preis 100 fl. [Gulden].“[1]
Die Bildhauerei hat in Gröden eine lange Tradition. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde die Nachfrage für Sakrale Kunst immer größer, dazu kam es in den Siebziger Jahren nahezu gleichzeitig zur Gründung mehrerer großer Kunstanstalten, die Ihre Produkte professionell vermarkteten. Die Nazarener Krippen entwickelten sich zum Verkaufsschlager, wurden zunächst hauptsächlich nach Österreich-Ungarn geliefert, fanden dann aber schließlich Verbreitung auf der ganzen Welt. Aus einer alten Holzschnitzerfamilie kommt der Grödner Bildhauer Franz Schmalzl (1843-1924), dessen Krippen sehr häufig in den Kirchen von Oberösterreich zu finden und in ihrer Art recht unverwechselbar sind. Ein Reisebericht, in dem erzählt wird, dass man beim Bildhauer nächtigte, gibt einen interessanten Einblick in die damalige Arbeitsweise; Schmalzls Haus dürfte neben Werkstätte auch eine Art Pension gewesen sein und wird von ihm als Marienheim bezeichnet, weil seine Hauptbeschäftigung im Schnitzen von Marien und Heiligen bestand: „Bei unserer Ankunft im Logirhause Marienheim erschreckte uns im Halbdunkel des Abends ein Product der Kunstfertigkeit seines Besitzers. Auf dem Corridor der ersten Etage, den wir passiren mußten, stand an die Wand gelehnt die fast lebensgroße Figur des Gekreuzigten mit weißer Oelfarbe angestrichen und mit den, wie hier üblich, stark aufgetragenen Blutmalen. Wir schauderten zurück, aber nach und nach siegte die Gewöhnung. Täglich standen neue Gekreuzigte und Heilige, Schächer und Märtyrer zum Trocknen umher … Der Oelfarbengeruch hatte zuweilen was Betäubendes. Auch sollen die Farben wegen des starken Bleigehaltes nachtheilig auf die Gesundheit der Arbeitenden einwirken. Unser wackerer und fleißiger Wirth, Francesco Schmalzl, welcher, wie schon gesagt, hauptsächlich im heiligen Genre tüchtig ist, und in dessen Arbeitszimmer es von bemalten und unbemalten Kreuzigungsgegenständen wimmelte, lieferte allerdings den Beweis für die Ungesundheit seines Berufs, denn er wandelte bleich wie ein Auszehrender umher und sprach oft von seiner schwachen angegriffenen Gesundheit.“[2]
Die Krippe von Pergkirchen zeigt drei Szenen, die Anbetung der Hirten, der Könige und die Beschneidung, die in den letzten Jahren nicht mehr aufgestellt wurde. Sie weist besonders bei der Darstellung der Beschneidung mit dem auf dem Tisch sitzenden Jesuskind, große Ähnlichkeit zu den Kirchenkrippen von Altenberg (1903) und Leopoldschlag (1902) auf.