Pfarrkirche zum hl. Kilian
Historischer Überblick
Ort und Pfarre
Im waldreichen Hügelland um Mondsee liegt der sechs Kilometer entfernte Ort Oberwang, reizvoll eingebettet ins Tal der Wangauer Ache. Mit der Christianisierung der römischen Provinz Noricum fördeten um die Mitte des 6. Jahrhunderts die agilolfingischen bairischen Herzöge die Missionierung durch Klostergründungen. Wichtigstes Zentrum neben Salzburg wurde hier das 748 von Herzog Odilo gegründete und reich dotierte Kloster Mondsee.
Zu den Gebietsschenkungen gehörten neben Teilen des Atter- und Mattiggaus auch die Waldgebiete um Oberwang. Auf die Rodungstätigkeit der Mönche weisen einige Oberwanger Orts- und Hausnamen mit den Silben „roith“ und „schwandt“ hin.
1145, im Todesjahr des bei Oberwang ermordeten Abt Konrad II. Bosinlother, wird die Oberwanger Kirche als Filiale von Mondsee erstmals schriftlich erwähnt. Eine 1183 von Papst Lucius II. ausgestellte Urkunde bestätigt dem Kloster dessen Besitzungen und pfarrliche Rechte. Dabei wird auch die Kirche von Oberwang („ecclesiam Uberwange“) genannt, mit Mondsee als Mutterkirche.
Die Wahl des hl. Kilian als Patron dürfte noch auf den hl. Wolfgang zurückgehen, der als Regensburger Bischof 976 in Mondsee bzw. Abersee (Gründung der Wolfgangskirche) weilte und ein Förderer der Kiliansverehrung war. Seit 1723 besteht die hiesige Pfarre, die bis zur Aufhebung des Klosters 1791 von Mondseer Mönchen betreut wurde. 1806 wurde Oberwang eine selbstständige Pfarre mit eigenem Seelsorger.
Zur Baugeschichte
Über Vorgängerkirchen des heutigen Gotteshauses gibt es keine Aufzeichnungen. Unter dem Mondseer Abt Simon Reuchlin (Reg. Zt. 1420-1463) bzw. dessen Nachfolger Abt Benedikt Eck (Bauherr der spätgotischen Stiftskirche) wurde die im Kern noch bestehende, 1470 geweihte spätgotische Pfarrkirche errichtet. Steinmetzzeichen weisen darauf hin, dass die gleichen Bauleute auch in weiteren Kirchen des Mondseelandes (z.B. Zell am Moos, St. Wolfgang) tätig waren.
In der Barockzeit wurde die Kirche zweimal umgebaut, zunächst 1687 unter Abt Maurus Oberascher durch den Baumeister ANDREAS STADLER. Für das heutige Erscheinungsbild entscheidend war die Umgestaltung 1736 unter Abt Bernhard Lidl, der die Kirche durch Seitenschiffe erweitern und mit Stuckaturen und Gemälden ausstatten ließ. Der Turm wurde 1709/10 aufgestockt und mit einer barocken Laterne versehen. 1825 erhielt er seine jetzige Spitzhelmform (Höhe 47,3m).
Rundgang
Das Äußere
Am westlichen Dorfrand steht die vom Friedhof umgebene Pfarrkirche. Der in drei Seiten des Achtecks schließende gotische Chor, die barocken Anbauten und der quadratische Turm mit seinem oktogonalen Glockenaufsatz und dem neugotischen Spitzhelm lassen schon von außen die unterschiedlichen Entstehungsphasen erkennen.
Der Innenraum
Man betritt die Kirche durch das westliche Turmportal (Glockenhaus), oder das von spätgotischem Stabwerk umrahmte Südportal. Das Innere ist ein schlichter, im Langhaus dreischiffiger Raum, mit einem tonnengewölbten Mittelschiff, schmalen Seitenschiffen und einem eingezogenen Chor. Den Altarraum deckt ein von Wandpilastern getragenes, sparsam stuckiertes Stichkappengewölbe von 1736. Die in Rahmendfeldern angebrachten Deckengemälde im Altarraum wurden 1907 erneuert. Das große Bild in der Mitte zeigt die Taufe des Frankenherzog Gozbert durch den hl. Kilian, umgeben von vier Medaillons mit geflügelten Puttiköpfen. Über den Hochaltar wird das Trinitätssymbol mit dem Auge Gottes flankiert von zwei Engeln mit Palmzweig.
Der Hochaltar
Eine besondere Zierde der Kirche ist der prachtvolle barocke Hochaltar. Er stammt von MEINRAD GUGGENBICHLER (1649-1723). Einem der führenden Barockschnitzer Österreichs, der als „Hauskünstler“ des Klosters Mondsee die Stiftskirche sowie zahlreiche Pfarrkirchen des Mondseelandes ausstattete. Der Oberwanger Altar, entstand 1707/08, ist ein Werk seiner hohen Reifephase.
Die dramatische Szenerie in der Mitte des Altares zeigt den in die Knie gesunkenen hl. Kilian, den Blick flehend nach oben gerichtet. Er wird bedrängt von mit Dolch und Schwert bewaffneten Häschern, die in mörderischer Absicht auf ihn eindringen. Der gemalte Hintergrund, auf dem sich im oberen Bereich ein Wolkenputto vorwölbt, verstärkt noch die Drastik der großartig komponierten Gruppe, die ganz auf die Figur des Kirchenpatrons ausgerichtet ist.
Die beiden Statuen seitlich der weinlaubumrankten Spiralsäulen stellen links den sel. Konrad und rechts den hl. Wolfgang dar. Bei der Figur des Seligen mit Knüppel und Kopfwunde (Hinweis auf die Ermordung Konrads bei Oberwang) dürften Darstellungen des hl. Meinrad von Einsiedeln, des Namenspatrons des Künstlers, als Vorbild gedient haben, doch ist die Figur hier durch Mönchsgewand und Stab als Abt gekennzeichnet (nach P. Benedikt Wagner).
Im Rahmenfeld des reich umkränzten Altarauszugs thront Gottvater. 1924 wurde die Mamormensa (Fa. Windhagauer, Mondsee) aufgestellt, die nun mit einem schwarzen Tuch abgedeckt ist.
Die weitere Errichtung im Chor
Aus dem späten 17. Jahrhundert stammt die schwarzgold gefasste, später veränderte Kanzel. Im Zuge der Innenrenovierung 2015 wurde der Altarraum neu gestaltet und der frühere Volksaltar ersetzt. Altar, Ambo und Vorstehersitz fertigte die Wiener Künstlerin ANNE SCHNEIDER aus Betonguss an. Die Farbe der Haut (Altrosa) und die strukturierten Falten verweisen auf den Leib Jesu und seine Lebenshingabe.
Die Seitenaltäre
Etwa um 1710/20 entstanden in der WERKSTATT GUGGENBICHLER die Seitenaltäre. Den Marienaltar zieren die barocken Seitenfiguren der Heiligen Anna und Joachim sowie die Antoniusstatue auf der Mensa (1913, Geschw. Reichl). 1897 wurde er mit der Aufstellung der Madonnenstatue zu einem Lourdes-Altar umgestaltet (vom Maler Helminger, St. Georgen im Attergau).
Der Josefsaltar (links, mit Statuen der Heiligen Margaretha und Barbara) wurde 1907 dem Marienaltar angepasst und erhielt die im Zentrum stehende Josefsstatue (von LUDWIG LINZINGER, Linz). Der Glasschrein auf der Mensa birgt einer Figur des hl. Sebastian (um 1740).
Reliefkreuzweg
Der Reliefkreuzweg kam 1911 (Fa. Linzinger, Spende der Familie Knoblechner, vulgo Klampferer), die Wandskulpturen der Heiligen Florian und Franziskus 1913 (als Spende der Freiwilligen Feuerwehr bzw. des Dritten Ordens) in die Kirche.
Orgel
Der Prospekt der 1899 vergrößerten Orgel wurde 1982 den Altären stilistisch angeglichen (Fa. Mätzler) und hat 11 Register.
Glockenhaus
Im Glockenhaus unter dem Turm hingen einst die Seile für die Glocken, heute steht hier der Schriftenstand. Außerdem dient dieser Vorraum dem Gedenken an die Verstorbenen und an die Gefallenen des zweiten Weltkriegs in Buchform.
Friedhof
Der 1887 vergrößerte Friedhof wurde 1978 abermals erweitert und, zusammen mit der neuerrichteten Aufbahrungshalle (mit Glasfenstern nach Entwurf von LYDIA ROPPOLD), neu eingeweiht.