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Gedanken zum Tag von Pfarrer Maximilian

11.10.2026

Der Rosenkranz

Gerade der Rosenkranz kann uns eine Hilfe sein gut ins Beten hineinzukommen.

 

Predigtaufzeichnung

Thematische Predigt Rosenkranz, Patrozinium Neustift 11.10.2026; Oberkappel, 11.10.2026, Fatimafeier in Lembach 13.10.2026

 

Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!

Unsere Lieben Frau vom Rosenkranz. Dieses Fest vom 7. Oktober ist nicht nur ein Gedenktag im Kirchenjahr. Es begleitet eigentlich das ganze Kirchenjahr, wenn ich daran denke, dass zumindest bei uns noch in sehr vielen Pfarren regelmäßig der Rosenkranz vor den Gottesdiensten gebetet wird. Er hat noch seinen Ort, auch wenn die Gebetsgruppen zahlenmäßig nicht die größten sind. Er hat noch seinen Ort. Und das soll auch so bleiben, auch wenn es Stimmen gibt, die ihn bei Begräbnissen und Totenwachen immer mehr in den Hintergrund drängen wollen, weil man das heute nicht mehr so hat. Da bin ich total dagegen. Gibt es außer dem Rosenkranz eine Gebetsform, die wir noch irgendwie miteinander zusammenbringen? Mir fällt keine ein und was einmal abgeschafft ist, das kommt im Regelfall nicht wieder. Oder wenn ich an die Pfarrreise nach Fatima denke. Menschen unterschiedlicher Sprache waren beisammen. Und in dieser unterschiedlichen Sprache haben wir gemeinsam den Rosenkranz gebetet. In Apostelgeschichte gibt es das schöne Bild einer Gebetsgemeinschaft: „Sie alle verharrten einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen, mit Maria, der Mutter Jesu und mit seinen Brüdern, dh. mit den Verwandten Jesu.“ So lädt uns der Rosenkranzmonat mit dem Blick auf das schöne Gebetsbild aus der Apostelgeschichte ein über das Gebet nachzudenken. Was ist Gebet? Drei Gedanken dazu.

 

Erstens: Gebet ist ein Gemeinschaftsgeschehen. Freilich ist Gebet immer persönlich, aber es verbindet uns immer mit einer größeren Gemeinschaft. Gebet öffnet uns für größere Gemeinschaft aller betenden Menschen. Im Gebet werden gleichsam Himmel und Erde verbunden, die sichtbare und die unsichtbare Welt. Jedes Gebet zeigt uns, dass wir unter dem geöffneten Himmel leben. Unsere Gebetsworte verhallen nicht irgendwo. Sie gehen zu Gott. Wir sind mit Maria im Gebet vereint. Die Anbetung gebührt immer Gott alleine und Maria verehren wir. Wir dürfen ihr alles anvertrauen, denn niemand ist näher ihrem Sohn als sie. Es gibt das schöne Bild der Schutzmantelmadonna. Maria breitet den Mantel aus und Menschen jeglichen Alters und Standes. Alle finden bei Zuflucht. Das geht zurück auf einen mittelalterlichen Rechtsbrauch dem zufolge verfolgte Menschen unter dem Mantel eines Vornehmen Schutz suchen konnten und von der Verfolgung so errettet wurden. Maria nimmt uns alle unter ihren Mantel. Wir dürfen einfach bekennen, dass wir ihren Mantel brauchen. Und wir dürfen selber immer wieder ein Stück weit Mantel werden, den Mantel ausbreiten bei jenen Menschen, die das selber notwendig brauchen. Immer wenn wir beten stellen wir uns unter Schutzmantel Mariens. Als Gemeinschaft der Kirche, als Glieder am Leib Christi tun wir das. Vielleicht ist das so ähnlich wie bei kommunizierenden Gefäße, dass durch unser Gebet der gute Geist Gottes fließen kann. Gebet ist nie eine Einbahnstraße. Es bringt uns immer in Verbindung. Wir dürfen dankbar sein für alle durchbeteten Orte und selber Orte durchbeten. Jede Marienkirche ist eine Haltestelle bei der Mutter Gottes.

 

Zweitens: Gebet ist ein Beziehungsgeschehen. Jesus selber hat immer wieder gebetet. Ganz besonders tat er das in seinem mystischen Abschiedsgebt, dem hohepriesterlichen Gebet. „Was dein ist mein, was mein ist dein,“ betet er da. Jesus nimmt uns selber im Gebet hinein in die Intimität Gottes, in die Beziehung zu seinem Vater. Und darum geht es, dass wir eine Beziehung zum Vater haben. Ein Kind hat einmal einen Priester nach einem Gottesdienst gefragt: „Mit wem redest du denn da ständig?“ Genau das ist es. Das Kind hat es verstanden. Man muss mit Gott reden um eine Beziehung mit ihm zu haben. Freilich ist immer auch die Gefahr vorhanden das Ganze bloß abzuspulen. Es gibt ja auch die Zweifel am Gebet, wenn wir nicht so erhört werden, wie wir uns das vorstellen. Das gibt es die Frage: Kann Gott hören, kann er uns überhaupt erhören? Von außen gesehen ist das Gebet ja unproduktiv. Man sieht kein Produkt das herauskommt. Bei anderen Berufen ist das anders. Der Tischler macht einen Tisch, ein Mechaniker repariert ein Auto, ein Priester eine mehr oder weniger gute Predigt? Das Gebet produziert nichts. Aber muss wirklich alles Produktive haben und hervorbringen? Beten ist eher wie das Singen eines Liedes oder das Genießen eines Gedichtes, das Anschauen eines schönen Filmes, wo man ja auch nicht ermessen kann, was wirklich geschieht und herauskommt. Gebet ist vielleicht wie zwei Liebende, die sich etwas zu sagen und sich so im guten Sinne bestätigen. Das Gebet macht offen, auf ein liebendes Du hin. Es gibt eben nicht nur ein kaltes Universum. Jedes Vater unser oder Gegrüßet seist du Maria steht ja nicht dafür, dass wir Gott informieren müssten, als ob er es nicht wüsste. Es geht darum, dass wir neu in die Beziehung hineinkommen und durch die Beziehung zu anderen Menschen werden.

 

Drittens: Gebet ist ein Hoffnungsgeschehen. Der heilige Bernhard von Clairvaux hat Maria als Stern des Meeres bezeichnet. Wir singen ja auch immer wieder einmal das gleichnamige Lied „Meerstern, ich dich grüße.“ Es wird hier ein Bild aus der Schifffahrt der damaligen Zeit aufgegriffen. Um den Weg zum Ziel zu finden musste man sich an den Sternen orientieren. Vielleicht würde der heilige Bernhard heute sagen, dass Maria das Navi ist, das uns zu Gott führt, dass uns die himmlische Glückseligkeit erreichen lässt. Freilich, damit ein Navi den Weg berechnen kann, muss man ihm den Zugriff auf den eigenen Standort erlauben. Das ist der Schlüssel von Gebet: Gott den Zugriff auf das eigene Leben immer wieder erlauben. Wir können ihm ja ohnehin nichts vormachen. Wenn ich Gott Zugriff erlaube, dann wendet sich das Leben auch immer mehr zu ihm hin. So stehen wir vor Gott mit unserem Leben und dürfen ihm sagen: „Hier bin ich mit meiner menschlichen Schwäche. Jetzt bist du bist dran.“ Wir dürfen das mit Vertrauen und Hoffnung tun und aus jedem Gebet Vertrauen und Hoffnung schöpfen.

 

Liebe Brüder und Schwestern! „Sie alle verharrten einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen, mit Maria, der Mutter Jesu und mit seinen Brüdern.“ An der Hand Marias dürfen wir in Schule des Gebetes gehen. Gerade der Rosenkranz kann uns eine Hilfe sein gut ins Beten hineinzukommen. Gebet ist immer ein Gemeinschaftsgeschehen, ein Beziehungsgeschehen und ein Hoffnungsgeschehen. „Heilige Maria, du Königin vom Rosenkranz, bitte für uns!“ Amen.

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