Gedanken zum Tag von Pfarrer Maximilian
Predigt 23. Sonntag im Jahreskreis – hl. Ägidius, 6.9.2026 Perikopen: Ez 33,7-9 Mt 18,15-20
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
„Wie sage ich es meinem Kind?“ Dieser Satz drückt eine Not aus, die in vielen Menschen drinnen steckt. Wie sage ich etwas? Wie kann ich Kritik anbringen ohne beleidigend zu sein? Wie sage ich jemand etwas? In dieser Not haben wir uns sicher alle schon einmal befunden. Drei Gedanken dazu.
Erstens: Man sucht Bestätigung. Das Unangenehme hören wir nicht gern. Das ist eine Tatsache. Aus absolut glaubwürdiger Quelle habe ich vor kurzem etwas Interessanten erfahren, das letztlich Bände spricht. Eine Dame hat erzählt, dass ihr Partner jetzt eine KI Beraterin habe und mit ihr sehr glücklich sei. Diese bestätige ihn in allen Angelegenheiten, bewundere ihn für seine Entscheidungen, spart nicht mit Lob und Anerkennung. Ihr Partner macht jetzt alles richtig und hört immer das, was er braucht. Das hebt seine Stimmung und macht ihn stolz. So stelle er sich eine Partnerin vor. Sie aber ist jetzt eifersüchtig auf diese künstlich intelligente Dame. Denn sie sieht ihren Partner ganz anders und leidet oft unter seinen Schwächen und muss ihm manchmal Unangenehmes sagen. Aber ihre Meinung ist jetzt nur mehr Nummer zwei. Was zählt ist die KI Beraterin. Wahrscheinlich fährt er mit ihr heuer sogar auf Urlaub, hat sie etwas zynisch gemeint. Ich weiß nicht, ob er mit seiner Frau auf Urlaub gefahren ist. Die künstliche Intelligenz bestätigt. Sie hilft das Unangenehme auszuklammern.
Zweitens: Die künstliche Intelligenz klammert Herz und Gefühle aus. Vergangene Woche ist ein Buch eines deutschen Philosophen erschienen unter dem Titel die Vierte Kränkung. Rüdiger Safranski will darin bewusst machen, dass künstliche Intelligenz weder denkt noch Gefühle hat, sondern nur rechnet. Sie rechnet alles zusammen, was es weltweit zu einem Problem zu finden gibt und spuckt es dann aus. Und wenn diese Intelligenz noch dazu geschäftstüchtig programmiert ist, dann wird sie alles in einem sehr höflichen, werbenden und positiven Ton vermitteln. Dadurch wird sie ja sicher öfter nachgefragt und aufgerufen. Aber alles in allem meint er, sollte man warnen vor Ratgebern, die nicht denken und fühlen, sondern nur rechnen. Wer rechnet hat ein großes oder sogar ausschließliches Eigeninteresse, aber keins am anderen, am Gegenüber. Manche Menschen sind sehr berechnend, obwohl sie vorgeben es nicht zu sein. Es geht um das Eigeninteresse. Das positive Anliegen, das hinter den so schwierigen Sätzen des Evangeliums heute steht, ist ein anderes: Ein Interesse am anderen, das nicht rechnet, sondern denkt und fühlt. Ein Interesse, das sich sorgt um den anderen, um sein Wohlergehen und seine Stellung in einer Gemeinschaft. Nur so einfach lassen sich die Worte des Evangeliums erfahrungsgemäß nicht anwenden, das hat sicher schon jeder erfahren, der/die das ausprobiert hat. Niemand lässt sich gern kritisieren, korrigieren, auch nicht, wenn sogar mehrere daher kommen und sich einmischen. Das kann ganz schön schief gehen für die Beziehungen.
Drittens: Es braucht trotzdem in irgendeiner Form Korrektur. Denn, wenn niemand es wagt einzuschreiten oder zu korrigieren, kann auch etwas ziemlich schief gehen. Konflikte sind nun mal eine heikle Sache und brauchen meist mehr Fingerspitzengefühl als einen überzeugten Wahrheitsanspruch. Ein Meister der Korrektur von Denk- und Handlungsweisen war der Philosoph Sokrates. Er hat nicht einfach seinen Gegenübern gesagt, was sie falsch machen, wie der Evangelist es heute vorschlägt, sondern hat ihnen sehr bohrende Fragen gestellt, um sie zum Denken zu bringen, dass sie von sich aus das Richtige hervorbringen und einsehen. Diese Fragen lauten: „Was kommt Gutes heraus, wenn du so handelst, wie du es planst? Worin besteht das Gute? Und für wen ist es gut?" Grundfragen für Politik bis heute. Er nannte seine Methode Hebammenkunst, aber sie hat ihm auch das Leben gekostet. Denn nichts will ein Mensch weniger hören als das, dass er falsch liegt, dass er Fehler macht oder gar in ein Unglück schlittert. Das weist er als unangemessene Einmischung zurück. Dies wiederum kommt der künstlichen Intelligenz heute sehr entgegen und so sind ihre Ratschläge, dem menschlichen Ohr zuträglicher als die Worte Jesu oder die Worte es Sokrates. So ist das eben. Aber es gilt noch ein anderes Wort Jesu: „An den Früchten werdet ihr sie erkennen.“ Hoffentlich kommt dann niemand zu spät drauf.
Liebe Brüder und Schwestern!
Wie sage ich es meinem Kind. Wie soll ich korrigieren, sprechen und handeln? Wichtige Frage! Mit der künstlichen Intelligenz geht es nicht. Künstliches kann sehr schädlich und unmenschlich sein, weil Herz und Gefühl fehlen und so eine kalte und gefühllose Welt entstehen. Es sind die fordernden Worte Jesu da aber auch die Fragen des Sokrates: „Was kommt Gutes heraus, wenn du so handelst, wie du es planst? Worin besteht das Gute? Und für wen ist es gut?" Hinter beiden steht ein hoher Anspruch. Dem sollten wir uns stellen. Denn dieser hohe Anspruch ist es, der uns Gott näher bringt, der uns den Weg zur Heiligkeit gehen, den wichtigsten Weg für uns Christen. Der heilige Ägidius ist in uns ganz natürlich vorausgegangen. Er möge uns Helfer, Fürsprecher und Wegbeleiter sein. Amen.