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Gedanken zum Tag von Pfarrer Maximilian

21.06.2026, 

Menschenfurcht - Gottesfurcht - Mut

 

Predigtaufzeichnung

Habt Mut, habt Vertrauen, ich bin es, fürchtet euch nicht

 

Predigt 12. Sonntag im Jahreskreis, 21.6.2026

Perikopen: Jer 20,10-13                         Mt 20,26-33

 

Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!

„Fürchtet euch nicht,“ sagt Jesus heute. Er sagt es nicht nur einmal. Er wiederholt es dreimal. Alles recht und schön. Aber nur weil uns das Ganze gesagt wird, ist die Angst noch nicht dahin. Es gibt Ängste im Leben. Manche sind begründet, manche weniger begründet, manche unbegründet. Es gibt Ängste, auch bei mir. Aber wie mit dem Ganzen umgehen? Drei Gedanken dazu.

 

Erstens: Menschenfurcht. Ich glaube diese ist am Weitesten verbreitet. Man fürchtet sich vor Menschen. Man fürchtet sich vor dem, was andere über uns meinen oder sagen könnten. Man fürchtet sich vor der Meinung des Mainstream. Man würde selber manches anderes meinen und sagen, aber man spürt halt im Herzen, da kommt man ins Abseits, da werde ich nicht ernstgenommen. Und dann gibt man halt auf, leider oft zu Gunsten der Wahrheit. Wir sollten die Menschen nicht fürchten. Das Gelingen unseres Lebens ist letztlich nicht abhängig davon. Es gilt das, was der heilige Franz von Assisi einmal sagte. Ich wiederhole es immer wieder einmal gerne: „Was du in den Augen Gottes bist, das bist du.“ 

 

Zweitens: Gottesfurcht. Aber was ist denn Gottesfurcht genau. Ist es die Angst Fehler zu machen. Nein, Gottesfurcht ist nicht eine Furcht vor Gott, als würde Gott ganz penibel jeden unserer Fehler in ein dickes Buch schreiben und dann bestrafen. Gott ist kein Erbsenzähler, wie wir Menschen sind. „Würdest du Herr unsere Sünden beachten, Herr, wer könnte bestehen? Doch bei dir ist Vergebung, damit man in Ehrfurcht dir dient,“ heißt es im Psalm 130, den wir immer beim Begräbnis beten. Gott ist kein Erbsenzähler. Es geht nicht um das, was wir aus menschlicher Schwäche nicht zusammenbringen, auch wenn es gut wäre uns immer wieder auch mit unseren Erbensünden auseinanderzusetzen, damit das Gewissen nicht abstumpft. Um was es Gott geht, das ist unsere Herzenseinstellung. Was ist die Grundeinstellung meines Lebens. Die letzten Worte im Evangelium sind sehr drastisch und sagen uns aber auch, dass Gott uns Menschen  absolut ernst nimmt, wir Menschen nehmen einander oft wenig ernst, oder so ein bisschen diplomatisch ernst. Diplomatisches Ernstnehmen ist heute weitverbreitet. Diese letzten Worte im Evangelium, bei denen es um die Grundeinstellung geht lauten: „Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem himmlischen Vater verleugnen.“ Es geht um die Grundeinstellung. Wie gesagt Gott ist kein Erbsenzähler. Er ist vielmehr ein Haare- und Sternenzähler. „Bei euch sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt,“ sagt er. Das heißt nichts anderes, als dass er uns kennt um uns weiß. Interessant wäre zu wissen, ob unter den Aposteln, denen er das sagte auch einige mit Glatze  und einiger mit langer Mähne waren. Und er ist auch ein Sternezähler. Denn er, den wir fürchten, ehren, achten und lieben, er kann die Sterne zählen. Der Stern ist auch ein Zeichen, dass er um uns weiß. Im Psalm 147 heißt es: „Er heilt die gebrochenen Herzen und verbindet ihre schmerzenden Wunden. Er bestimmt die Zahl der Sterne und ruft sie alle mit Namen.“  

 

Drittens: Jetzt haben wir zweimal von der Angst und Furcht gesprochen. Ich denke wir müssen nun auch noch vom Gegenteil sprechen, vom Mut.   Wir können als Christen mutig sein und müssen uns vor nichts fürchten. Wir dürfen mit einer großen Portion Gottvertrauen leben, ehrlich unseren Glauben zeigen, und wo Mut verlangt ist, uns nicht drücken. Das Mutigsein ist eine große Herausforderung. Ich hab mir das zu Fronleichnam wieder gedacht. Es gehört Mut dazu, auf der Straße zu zeigen, dass ich mit Jesus gehe. Denn die Frage ist ja nicht überhörbar: „Was, da gehst du noch mit?“ Ich habe mich gefreut über die vielen Mutigen. Es gehört Mut dazu, wieder den Schritt in die Gottesdienstgemeinschaft zu wagen überhaupt wenn man länger weggeblieben war. Wir  sind froh über die Mutigen. Es ist mutig von Kindern mit dem Ministrantendienst zu beginnen und es braucht den Mut der Eltern dies zu unterstützen. Wir sind dankbar für diese Mutigen. Es gehört Mut dazu für  ehemalige Firmlinge oder  Ministranten, die inzwischen eine Uniform tragen, zu sagen: „Ich geh trotzdem hinein, auch wenn andere draußen stehen bleiben.“ Wir freuen uns über die Mutigen.  Wir sind froh über alle Mutigen. Je kleiner eine Schar wird, je mehr sie zur Minderheit wird, umso mehr Mut braucht es auch bei uns. Das gilt nicht nur für die Kirche. Es gilt für alle Bereiche. Wir sind sehr dankbar für alle Mutigen. Wir dürfen Gott stets neu um viel Mut bitten.

 

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Dreimal „fürchtet euch nicht.“ Freilich schnell gesagt, und ob es in uns so schnell ankommt, ich weiß es auch nicht. Jedenfalls sollten wir die Menschen nicht fürchten, auch wenn sie ungerecht sein können. Wir sollten uns auch nicht vor einem Erbsenzählergott fürchten. Er zählt Haare und Sterne, er weiß um uns. Aber unsere Grundhaltung des Lebens und Glaubens sollten wir schon immer wieder ehrlich und selbstkritisch in den Blick nehmen. Und dann dürfen wir mutig sein und dankbar für alle Mutigen. „Habt Mut, habt Vertrauen, ich bin es, fürchtet euch nicht!“ Amen.

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