Gedanken zum Tag von Pfarrer Maximilian
Predigt 2. Sonntag nach Weihnachten, 4.1.2026
Perikopen: Sir 24,1-2.8-12 Joh 1,1-18
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Noch einmal hören wir in den Johannesprolog. Gott spricht sein Wort in die Welt und es nimmt Fleisch an. Und dann ist da die etwas verstörende Aussage: „Er kam in sein Eigentum, aber die seinen nahmen ihn nicht auf.“ Die Möglichkeit der Ablehnung Gottes durchzieht die ganze Heilsgeschichte bis zum heutigen Tag. Es wird auch an zwei Folgefesten von Weihnachten deutlich. Bereits am 26. Dezember ist der Erzmärtyrer Stephanus und am 28. Dezember die heiligen unschuldigen Kinder. In den Märtyrern wird dieser Satz immer konkret, weil ER abgelehnt wird, haben sie für Christus das Blut vergossen. Ich möchte heute die Predigt nützen, um etwas über die Unschuldigen Kinder zu sagen. Das kann auch durchaus ein interessantes Thema sein. Drei Gedanken dazu.
Erstens: Ein Rückblick ins Alte Testament. Eine Kindermorderzählung gibt es bereits im Alten Testament, im Buch Exodus. Das Volk Israel ist in Ägypten. Sie sind versklavt und müssen für den Pharao hart arbeiten. Das Volk Israel vermehrt sich zu stark. Der Pharao lässt es dezimieren. Die Neugeborenen sollen getötet werden. Einer überlebt, Mose. Er wird später das Volk in die Freiheit führen. Die Erzählung hat der Evangelist Matthäus gewählt für seinen Bericht vom Kindermord in Betlehem. Matthäus ist der Evangelist bei dem das Alte Testament in Jesus Erfüllung findet. Jesus, der Neugeborene, wird durch die Flucht nach Ägypten gerettet. Er wird zum neuen Mose, zum endgültigen Retter und Befreier der Menschen in seinem Tod und seiner Auferstehung. Mose hat das Gesetz, die Thora gegeben. Das braucht Jesus nicht mehr. Er schenkt dem Menschen Gnade und Wahrheit. „Das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und Wahrheit kamen durch Jesus Christus.“ Die biblische Erzählung vom Kindermord zu Betlehem ist ohne die Erzählung vom Kindermord in Ägypten nicht zu verstehen. Das Neue Testament braucht das Alte. Das gilt hier und in vielen anderen Bereichen. Das Christentum hat seine Wurzeln im Judentum. Das haben wir in der Geschichte leider zu oft vergessen, und das hat zu ganz viel Leid für das auserwählte Volk Gottes geführt.
Zweitens: Der Kindermörder Herodes. Von der Geschichtsschreibung wird dieser Herodes „der Große“ genannt, weil er ein vergleichsweise großes Territorium lange Zeit regierte und ein großer Bauherr war. Auch die Aufstockung des Jerusalmer Tempels sowie die weitläufige Erweiterung von dessen Vorhof wurde unter der Regierung des Herodes begonnen. Doch unternahm dieser Herrscher all dies wohl nur, um die Gunst seiner jüdischen Untertanen zu gewinnen. Ebenso zeigte Herodes sich nämlich als freigiebiger Bauherr auch in nicht-jüdischen Städten, um sich bei der Bevölkerung beliebt zu machen. Doch hinter der Fassade des baufreudigen Königs verbarg sich ein blutrünstiger Tyrann, der selbst die eigenen Kinder nicht verschonte, wenn er um seinen Thron fürchtete. Von seiner Eifersucht ließ er sich dazu hinreißen, diejenige unter seinen zehn Ehefrauen zu töten, die ihm am liebsten war. Aus Angst um seine Macht ließ er sogar seine eigenen Söhne umbringen. Man sagte damals: „Es ist besser ein Schwein zu sein, als ein Sohn des Herodes.“ Das war eine Anspielung. Das Schwein galt nämlich bei den Juden als unrein und wurde nicht geschlachtet. Von den Römern wurde Herodes zum König der Juden ernannt. Mit Hilfe ihres Militärs setzte er seinen Anspruch auf die Herrschaft durch und behielt sie über dreißig Jahre lang. Gegen Ende seiner Regierungszeit aber kamen dann weise Sterndeuter nach Jerusalem, um nach einem neugeborenen König der Juden zu fragen. Den Herodes, der bereits so viel Blut vergossen hatte, um seine Regentschaft abzusichern, muss dies erschüttert haben. Er wusste ja, dass ihm kein Kind zu dieser Zeit geboren worden war. Es konnte sich also nur um einen rechtmäßigen Herrscher handeln. Da von den Propheten angekündigte König aus der Wurzel Jesse hervorgehend in Bethlehem zur Welt kommen sollte, schickte Herodes die Weisen dorthin. Sie sollten Nachforschungen anstellen und ihn benachrichtigen. Auf Grund einer im Traum offenbarten Weisung kehrten diese jedoch auf einem anderen Weg in ihre Heimat zurück, nachdem sie den Heiland angebetet und Ihm ihre Geschenke dargebracht hatten. Herodes sah sich hintergangen, als die Weisen nicht wie er es gefordert hatte, zu ihm zurückgekehrten. So ordnete er an, alle Knaben Bethlehems bis zum Alter von zwei Jahren umzubringen. Ein Kirchenschriftsteller des 5. Jahrhunderts schreibt: „Herodes, du mordest den Leib der Kleinen, aber die Furcht mordet dein Herz.“ Die Furcht um Einfluss und macht kann viel zerstören. Das war bei Herodes so und das ist bis heute so.
Drittens: Kinder, Unschuldige Kinder heute! Die unschuldigen Kinder erinnern uns an alle Kinder die leiden müssen: Kinder, die hungern und frieren; Kinder in Flüchtlingsfamilien, wie das Jesuskind selbst; Kinder in Kriegs- und Krisengebieten der Welt; ungeborene Kinder; Kinder, die nie die Liebe der Eltern erfahren, weil sie nicht gewollt sind. Diese Erinnerung ist wichtig. Das wird dann etwas verheutigt. Und wir begehen diese Erinnerung im Blick auf dieses eine Kind, Jesus Christus, das zur Welt gekommen ist. Dieses Kind sagt uns, dass es nicht nur uns Menschen, sondern auch Gott gibt. Mehr: es sagt uns, dass es Gott mit und für uns ist. Dieser Gott ist eben nicht bloß Ewigkeit, sondern er hat auch Zeit für uns Menschen. Er hat sogar so viel Zeit, dass er sich einlässt auf jene Phase des Kindseins, die in unseren Augen unproduktiv ist, weil sie nur aus Essen und Schlafen besteht. Genau dazu möchte uns der Weihnachtsfestkreis ermutigen, dass wir Zeit haben zum Kindsein, zum Kind Gottes sein, und zum Menschsein. Dass wir Zeit haben für uns selber und das Kind in mir, für Gott und die Menschen. Dadurch entsteht der wichtige Wert der Treue. Treue kann nur aus dem Zeithaben kommen. So will uns das Weihnachtsgeheimnis auf den Weg bringen, damit wir wahrhaft Kinder Gottes heißen und auch Kinder Gottes sind. Liebe Brüder und Schwestern! „Er kam in sein Eigentum, aber die seinen nahmen ihn nicht auf.“ Das gilt zu allen Zeiten. Von den Unschuldigen Kindern können wir lernen, dass wir das Neue Testament nie ohne das Alte verstehen können und Jesus der neue Mose, der endgültige Befreier ist. Wir sehen in der Gestalt der Herodes, wozu die Furcht um Einfluss und Macht fähig ist. Und wir denken an die vielen unschuldigen Kinder heute und lassen uns durch das Geheimnis der Weihnacht auf den Weg bringen, auf den Weg der Gotteskinder, dass wir nicht nur Kinder Gottes heißen, sondern es in Wahrheit auch sind. Amen.