Kunst am Bau
Am 3. Juli 2026 wurde das Kunstwerk von Linda Luse aufgestellt.
Hier einige Worte zur Skulptur:
Die Bindung
Die Skulptur „Die Bindung“ untersucht die fundamentale Rolle des Bodens als Ursprung und Träger des Lebens. Aus einer tonnenartigen, brockenhaften Säule brechen Wurzeln hervor, die sich kraftvoll in den Raum ausdehnen. Die klassische, architektonische Säulenform wandelt sich dabei in ein organisches Gebilde, das scheinbar aus der Erde herauswächst. So wird die Säule zum Sinnbild für die Einheit von Natur und Kultur: Sie steht auf festem Grund, doch ihre Oberfläche lebt und bewegt sich – durchzogen von Linien, Rissen und Wurzelformen. Diese Verflechtung verweist auf die enge Beziehung zwischen Mensch und Erde, zwischen dem, was wir erschaffen, und dem, was uns trägt. Wurzeln sind Träger von Erinnerung, Herkunft und Lebenskraft; sie verkörpern das Unsichtbare, das dennoch alles verbindet. „Die Bindung“ macht sichtbar, was gewöhnlich im Verborgenen bleibt, und lädt dazu ein, über die Bedeutung des Bodens als Grundlage von Gemeinschaft und Identität nachzudenken. Die Formensprache verbindet Beständigkeit und Transformation zu einem harmonischen Ganzen, offen für unvorhersehbare Entwicklungen.
Material und Herstellung unterstreichen diese Idee. Die Skulptur besteht aus handisch aufgebautem, hochgebranntem Ton; eingearbeitete Wurzelstrukturen entstehen, indem echte Baumwurzeln zunächst mit Gips abgeformt und diese Formen anschließend als Vorlage genutzt werden. Der Ton wird mit Metalloxiden eingefärbt und zeigt natürliche Farbtöne – Braun, Ocker, Grau und Schwarz – die eine ruhige, erdverbundene Palette bilden. So trägt das Material selbst die Essenz von Stabilität, Wachstum und schöpferischer Kraft. Produziert wird „Die Bindung“ bei Gmundner Keramik, wo handwerkliche Präzision und keramisches Know-how die gestalterische Intention in eine dauerhafte, baubezogene Arbeit übersetzen. Die Skulptur wird damit zu einer stillen Hommage an die untrennbare Verbindung von Leben und Natur – ein Bild des Gleichgewichts zwischen Ordnung und Wachstum, Beständigkeit und Veränderung.
über die Künsterin:
Linda Luse lebt und arbeitet in Linz, Österreich. Sie hält einen MA in Plastische Konzeptionen/Keramik von der Kunstuniversität Linz. Ihre Arbeiten wurden u. a. beim Arno Lehmann Award (2025), European Ceramic Context (2024), der XVI Aveiro Ceramics Biennial, der Latvian Ceramics Biennale 2023, im Kulturforum Belgrad und im Lentos Kunstmuseum präsentiert. Auszeichnungen (Auswahl): Oberösterreichischer Talentförderpreis für Bildende Kunst, Soroptimist Female Artist Award, Energie AG Talent Award. Residencies (Auswahl): New Taipei City Yingge Ceramics Museum; Academy of Ceramics Gmunden. Werke befinden sich in den Sammlungen des Yingge Ceramics Museum, St. Virgil Salzburg, des Landes Oberösterreich, des Nordico Stadtmuseums Linz, der OÖ Landes-Kultur GmbH und von Gmundner Keramik. Ihre Arbeiten würden dieses Jahr für die Taiwan Ceramics Biennial 2026 und Argilla Italia 2026 in Faenza ausgewählt.