Friday 23. April 2021

Fünfter Sonntag der Osterzeit

2005
Den Weg gehen

Von: Pater Dominik Nimmervoll

In jeder größeren Buchhandlung können sie heute feststellen, was es da an verschiedensten Angeboten auf dem Markt für Spiritualität und Sinnsuche gibt. Denken sie auch an nahezu unüberschaubare Fülle von Seminaren mit den unterschiedlichsten Sinnangeboten.

 

Es gibt heute so etwas wie einen religiösen Supermarkt; das Monopol des Christentums ist bei uns längst gefallen; der Mensch hat also auch auf dem religiösen Gebiet die Möglichkeit zur Auswahl. Damit wächst aber auch die Verunsicherung; und die erzeugt den Wunsch nach Sicherheit. Man will einfache und klare Antworten; darum wachsen gerade diejenigen religiösen Bewegungen, die behaupten, die ganze Wahrheit zu besitzen und genau zu wissen, was der Wille Gottes ist, was er von uns verlangt. Je größer die Orientierungslosigkeit, umso stärker wächst der Fundamentalismus.

 

So ähnlich ging es um 100 nach Chr. der Christengemeinde des Johannes: Auch die antike Welt war gekennzeichnet von einer bunten Vielfalt religiöser Kulte, die alle nebeneinander existierten. Das Christentum war da nur EINE mögliche Antwort unter vielen. Darum wird den Christen gesagt "Lasst euch nicht verwirren, glaubt an Gott und glaubt an mich!". Und: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich."

 

Ein hoher Anspruch, der anscheinend ja doch dem Fundamentalismus Recht gibt. Aber ist nicht genau dieser Anspruch auf die alleinige und absolute Wahrheit schuld an der Gewalt- und Schuldgeschichte der Religionen, auch des Christentums?

 

Überall jedenfalls, wo die Wahrheit des Glaubens zu einem System von Sätzen wird, dem sich der Mensch unterwerfen muss, wird der Glaube zu einem Instrument der Unterdrückung und der Entwertung des Menschen.

Das Evangelium macht klar, dass Christentum nicht in erster Linie Dogma und Moral ist, sondern zuallererst eine personale Beziehung Jesus Christus.

 

In der Lebens- und Schicksalsgemeinschaft mit IHM finden wir Weg, Wahrheit und Leben.

 

Alle Streitigkeiten um die rechte Lehre und den rechten Glauben werden zu eitlem Geschwätz angesichts dessen, was wirklich zählt, und das will uns das Johannesevangelium klar machen.

 

Denn sein großes Thema ist, dass sich im Leben Jesu die Liebe des Vaters zu uns Menschen geoffenbart hat. Liebe aber kann nur Wahrheit werden, indem sie geschieht und konkret wird in einem liebenden Menschen.

So wird die Praxis unseres Glaubens zum Prüfstein, wie ernst es uns ist mit der Wahrheit, für die Jesus steht.

 

Das Christentums war schon immer dort am überzeugendsten, wo man im Leben und Handeln der Christen die Spuren Jesu, seinen Weg zu und mit den Menschen, erkennen konnte; Wo es also um das von der Menschenliebe geprägte Gottesbild geht.

 

Jesus hat durch Wort und Tat demonstriert, wie die Liebe Gottes zu den Menschen aussieht. - darum sind das Gehen des Weges Jesu und das Gottesbild vom liebenden Vater unlösbar miteinander verbunden. Darum sagt Jesus: "Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen".

 

Ob wir dem Wort Jesu Vertrauen schenken, liegt an uns. Jesus bemüht sich jedenfalls mit allem Einsatz, uns heute wie damals seine Jünger zu überzeugen: Glaubt wenigstens aufgrund der Werke!

Alles was ich getan habe, hatte nur das eine Ziel: Die Menschen zu Glauben an den liebenden Gott zu bewegen und sie aufzufordern, selber Wege der Liebe zu gehen.

 

Ein theoretisch noch so richtiger Glaube kann wohl nie überzeugen. Aber im Denken und Tun den Weg Jesu zu gehen, ist die überzeugendste Alternative sowohl zum Pluralismus als auch zum Fundamentalismus. Möge uns Papst Benedikt XVI auf diesem Weg vorangehen.

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