Wie geht's dir mit dem Wasser?
Unter dem Leitgedanken „Wie geht’s dir mit dem Wasser?“ lud das Fachteam Schöpfungsverantwortung der Pfarrgemeinde Linz-St. Konrad am 14. Oktober 2025 gemeinsam mit der LINZ AG, dem Klimabündnis OÖ, dem Land OÖ und der Pfarre Linz-Mitte zur diesjährigen Veranstaltung der Reihe „Wie geht’s dir…“ ein.
Der Abend machte eindrucksvoll sichtbar, wie eng Wissenschaft, Glaube und Verantwortung miteinander verwoben sind, wenn es um die Bewahrung dieser lebenswichtigen Ressource geht – unseres gemeinsamen Schatzes: Wasser.
Bereits das Vorprogramm sorgte für großes Interesse: Mehr als 100 Besucher:innen nahmen an der Führung beim Hochbehälter unter dem Minnesängerplatz teil. Das Team der LINZ AG – angeführt von Herrn Metzger – öffnete die Tore zur faszinierenden Unterwelt der Linzer Wasserversorgung. Mit großem Staunen und regem Interesse erfuhren die Teilnehmenden, wie das komplexe Speichersystem funktioniert, woher das Linzer Wasser stammt und wie es in höchster Qualität bis in unsere Haushalte gelangt.
Ein weiteres Highlight war die Wasserbar: Unter fachkundiger Anleitung von DI Sebastian Friedl-Haubner (Amt der Oö. Landesregierung, Abt. Wasserwirtschaft) wurde das Wasser aus Liebenau, Wallern und Linz-Froschberg verkostet. Dabei konnten die feinen Unterschiede herausgeschmeckt werden – und auch die Härtegrade beeindruckten: Sie reichten von 8 °dH (Grad deutscher Härte) im Norden bis über 30 °dH im Hausruckviertel. Hier wurde deutlich, wie vielfältig Wasser in seiner Zusammensetzung sein kann.
Impulse, die bewegen
Rund 80 interessierte Besucher:innen fanden sich anschließend im Pfarrsaal der Pfarrgemeinde Linz-St. Konrad ein. Unter der souveränen Moderation von Mag.a Gerlinde Larndorfer-Armbruster (Klimabündnis OÖ) spannten die drei Kurzvorträge den Bogen von wissenschaftlichen Fakten über spirituelle Dimensionen bis hin zu globalen Herausforderungen.
DI Martin Pellegrini – LINZ AG, Wasser
Der erfahrene Experte präsentierte beeindruckende Zahlen und klare Botschaften.
„Klima- und Bevölkerungsentwicklung sind die wichtigsten Treiber unseres künftigen Wasserbedarfs.“
Die Linzer Bevölkerung wird bis 2030 um etwa 10 % wachsen. Auch in den Umlandgemeinden ist bis 2050 ein moderates Plus von 15 – 25 % zu erwarten. Trotz dieser Entwicklung bleibt die Trinkwasserversorgung gesichert: Die Linz AG versorgt etwa 400.000 Menschen in Linz und Umgebung täglich mit 65 Millionen Liter Wasser.
Der Klimawandel stellt die Wasserwirtschaft vor neue Aufgaben: Mehr Hitzetage, kaum Frosttage, verschobene Grundwasserneubildung – doch die gute Nachricht lautet: Die Qualität des Linzer Wassers bleibt stabil und gut. Zwar steigen die Wassertemperaturen leicht an, aber keine Anzeichen deuten auf eine mikrobiologische Verschlechterung hin. Durch die Anpassung der Wasserschutzgebiete und die gezielte Umwandlung der Vegetation wird die Versorgung klima-fit gemacht. Auch auf Krisenszenarien ist man vorbereitet: Mit Notstromaggregaten kann die Wasserversorgung mindestens 72 Stunden aufrechterhalten werden – und bei Treibstoffnachschub auch länger.
Pellegrinis Fazit:
„Unser Wasser ist sicher – aber es braucht weiterhin Schutz, Pflege und Weitsicht.“
Mag.a Stefanie Hinterleitner – Seelsorgerin Linz-Mariendom und Linz-Martinskirche
Mit eindrucksvollen Worten führte die Theologin in die spirituelle Dimension des Wassers ein. Sie erinnerte daran, dass alles Leben aus Wasser entstanden ist – und dass Wasser in allen Religionen als heilig gilt. Wasser ist die Grundlage der Schöpfung.
„Wasser kann fließen, reinigen, verwandeln – aber auch zerstören, aufwühlen, herausfordern. Und vielleicht liegt genau darin das Geheimnis dieses göttlichen Elements: Es bleibt nicht stehen. Es bleibt nicht starr. Es bewegt und bringt Leben mit sich.“
Sie zeigte, dass Wasser im Christentum, im Islam, im Hinduismus und Buddhismus als Symbol für Reinigung, Leben und Heilung verstanden wird. Besonders bewegend war ihr Appell:
„Wäre es nicht an der Zeit, dass sich alle Religionen zusammentun, um dieses göttliche Element gemeinsam zu schützen?“
Ein Gedanke, der im Saal spürbare Resonanz fand – Wasser als verbindendes Element zwischen den Religionen, als Zeichen göttlicher Gegenwart und menschlicher Verantwortung.
Dr. Dipl.Geologe Rainer Wiedemann – ENVIROPLUS
Der Umweltexperte und Geologe weitete den Blick auf die globale Ebene. Sein Vortrag brachte Fakten, die nachdenklich machen:
Rund zwei Milliarden Menschen weltweit haben keinen regelmäßigen Zugang zu sauberem Wasser. Während in Österreich der direkte Verbrauch bei etwa 130 Litern pro Tag liegt, beträgt unser gesamter Wasserfußabdruck durchschnittlich 4.700 Liter täglich pro Person – also die Summe aus direktem und indirektem Wasserverbrauch. Menschen im Tschad oder in der Mongolei hingegen haben täglich gerade einmal Zugang zu 11 bzw. 10 Litern Wasser.
Anhand eindrucksvoller Beispiele wurde das Ausmaß des Wasserverbrauchs greifbar:
- Jeans: 8.000 – 11.000 Liter
- PC: 20.000 Liter
- DIN A4-Blatt: 10 Liter
- T-Shirt: 2.720 – 4.000 Liter
Auch digitale Technologien tragen ihren Teil bei: Allein für den Internetbetrieb und die Serverkühlung werden weltweit über eine Billion Liter Wasser benötigt. Wiedemann warnte davor, dass der Wasserverbrauch der Digitalisierung künftig sogar problematischer werden könnte als der CO₂-Fußabdruck. Wasser, dass wir anderen und oft von Wasserknappheit geprägten Teilen der Erde „entziehen“.
Doch er endete mit Hoffnung und Handlungsoptionen:
„Es geht nicht um Verzicht, sondern um Verantwortung.“
Mit bewussterem Konsum, geringerer Fleischmenge, Reparatur statt Neukauf und regionalem Einkauf könne jede und jeder den eigenen Wasserfußabdruck deutlich senken. Zugleich rief er zu sozialem und politischem Engagement für den Schutz der Wasserressourcen auf.
Ein Abend, der nachwirkt
In der anschließenden Diskussion und in den vielen persönlichen Rückmeldungen und Nachrichten wurde deutlich, wie sehr das Thema berührt. Viele äußerten den Wunsch, ihren Umgang mit Wasser künftig achtsamer zu gestalten. Besonders erfreulich: Zwei Anwesende entschieden sich spontan, künftig im Fachteam Schöpfungsverantwortung mitzuarbeiten – ein starkes Zeichen gelebter Solidarität.
Ein großes Dankeschön gilt den Experten:innen, unserer Moderatorin, den Kooperationspartnern sowie dem gesamten Fachteam Schöpfungsverantwortung und den vielen helfenden Händen, die mit großem Einsatz, fachlichem Know-how und viel Liebe zum Detail diese Veranstaltung vorbereitet, gestaltet und ermöglicht haben.
Aber vor allem gilt der Dank den vielen Besuchern:innen, die mit ihrer Teilnahme deutlich gemacht haben, dass Wasser weit mehr ist als eine bloße Ressource – nämlich ein Anliegen, das uns alle verbindet.
Denn dieser Abend hat eindrucksvoll bewiesen:
Wasser ist mehr als ein Thema – es ist ein Versprechen.
Ein Versprechen, das wir gemeinsam bewahren müssen – für uns, für kommende Generationen und für unsere Erde.
Bilder von der Veranstaltung folgen1