1.-4. Advent und Weihnachten
1. Adventsonntag
Türöffner sein:
Dem Türhüter befahl er, wachsam zu sein. (Mk: 13, 34)
Heuer scheint wahr zu werden, was der berühmte Salzburger Dichter Karl-Heinz Waggerl einst geschrieben hat: „Advent, sagt man, sei die stillste Zeit im Jahr.“ Ein bisschen zurückschrauben, zu Hause bleiben und die Stille genießen.
Der Advent ist die Zeit des Wartens und des Erwartens.
Der Advent ist eine Hoffnung gegen die Zeiten der Hoffnungslosigkeit.
Der Advent, das ist die Zeit der Achtsamkeit und Wachsamkeit.
Ich nehme mir einfach jeden Tag etwas vor, das ich für Jesus Christus tun möchte, damit er sich bei mir willkommen fühlt:
„Jesus, heute öffne ich dir die Tür der Herzlichkeit, ich will den Menschen, denen ich begegne, herzlich begegnen.“
Oder: „Heute öffne ich dir die Tür der Freude: Ich werde einem bestimmten Menschen eine kleine Freude machen.“
Oder: „Heute öffne ich dir die Tür des Gebetes: Ich werde mir extra Zeit zum Beten nehmen.“ Und so weiter.
Es gibt wirklich tausende kleine Türen, die ich öffnen kann, um Gott deutlich zu machen, dass ich achtsam und wachsam bin und dass er bei mir willkommen ist.
Einen Rat des heiligen Franz von Sales möchte ich allerdings auch noch hinzufügen. Er schrieb: „Man verrichtet kleine Dinge dann in ausgezeichneter Weise, wenn man sie mit dem festen Willen tut, Gott zu gefallen.“ (DASal 4,304). Letztlich sollte es also bei allem, was ich mir vornehme oder tue, darum gehen, Gott zu gefallen.
Besinnung:
„Herr, mach mich zu einer Schale, offen zum Nehmen, offen zum Geben, offen zum Beschenkt werden, offen zum Gestohlen werden.
Herr, mach mich zu einer Schale für dich, aus der du etwas nimmst, in die du etwas hineinlegen kannst.
Wirst du bei mir etwas finden, was du nehmen könntest?
Bin ich wertvoll genug, sodass du in mich etwas hineinlegen wirst?
Herr, mach mich zu einer Schale für meine Mitmenschen, offen für die Liebe, für das Schöne, das sie verschenken wollen, offen für ihre Sorgen und Nöte, offen für ihre traurigen Augen und ihre ängstlichen Blicke, die von mir etwas fordern.
Herr, mach mich zu einer Schale. (Gebet der Töpfer von Taizé)
Ich wünsche Ihnen, dass dieses Jahr der Advent nicht nur im öffentlichen Leben anders verläuft, sondern auch in ihrem inneren geistlichen Leben anders. Ich meine damit, dass sie in diesen vier Wochen näher zu Gott finden.
Eine besinnliche Adventzeit!!!

2. Adventssonntag - Sonntag der Umkehr!!!
„Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen“ (Mk 1: 3)
Heute brennt bereits die zweite Kerze am Adventskranz. Unser ganzes Leben ist Advent. Der heutige Sonntag will unseren Glauben stärken, dass vor uns nicht die endgültige Katastrophe liegt, sondern eine Welt, in der Gott alle Wunden heilt.
Johannes der Täufer lebt und predigt in der Wüste. Die Wüste ist der Ort der Einsamkeit. Die Wüste, das ist ein Ort der Wahrheit und Klarheit; hier kommt ans Licht, wie es um mich steht und auf wen ich zurückgeworfen bin.
Nutzen wir die Zeit des Advents, um ebenfalls immer wieder in diesen Wochen stille Zeiten für sich zu suchen, die uns ganz persönlich gehören, wo niemand stört. Denn die stille Zeit des Betens, die Zeit des Alleinseins mit Gott ist immer wieder wichtig! Auch die Kirche ist so ein Ort der Stille. Der Mensch braucht die Zeit des inneren Auftankens. Nehmen Sie sich die Zeit zum Gebet vor dem Adventkranz. Vielleicht gelingt es manchmal sogar mit der ganzen Familie.
Johannes der Täufer spricht nicht von äußerlichen Wegen und unebenen Straßen, sondern er seine Betonung liegt auf den inneren unvorbereiteten Wegen und Straßen der Menschen. Jeder/jede von uns trägt solche Unebenheiten, Ecken und Kanten in sich. Sind wir uns dessen bewusst?
Mittlerweile sind viele andere Stimmen sowohl in der Welt als auch in unserem Lebensumfeld lauter geworden. Einerseits verschlechtert sich die Corona Lage, andererseits verleugnen viele die Ernsthaftigkeit der Maßnahmen und der Pandemie.
Wessen Stimme ist laut in dir?
Wir als Träger der christlichen Stimme sollten vor allem Solidarität und Mitmenschlichkeit in dieser Pandemiezeit leben. Wir sollen uns bemühen, zunächst die unzufriedenen, unfriedlichen Stimmen in uns und um uns herum zum Schweigen zu bringen. Ja, die Pandemie zieht sich schon lange und verlangt uns einiges ab. Dennoch sollten wir unser Herz bereiten für die offenen Begegnungen mit den Menschen, die unseren Weg kreuzen und mit denen wir uns verbunden fühlen.
Eine schöne besinnliche Adventzeit!!!
- P.Paul OSFS
Besinnung:
In der Wüste einen Weg bereiten
In der Wüste unseres Wohlstandes
In der Wüste unserer Gleichgültigkeit
In der Wüste unserer Geschäftigkeit
Dem Herrn einen Weg bereiten
In der Zeit der Ichsucht
In der Zeit des Lärms
In der Zeit der Kälte
In der Zeit der Dunkelheit
Dem Herrn eine Straße ebnen
In der Welt der Orientierungslosigkeit
In der Welt des Zweifels
In der Welt der Lieblosigkeit
In der Welt ohne Hoffnung
In der Not der Menschen
Ein Licht anzünden
Helene Renner (2020)


3. Advent Sonntag – Sonntag der Freude - „Gaudete! “
„Freut euch im Herrn zu jeder Zeit“. Freut euch! der Herr ist nahe.“ (Phil 4: 4–5.)
Der Advent ist eine Zeit freudiger Erwartung. Um froh zu sein, bleib mit Gott verbunden:

Wahre Größe:
Von Johannes hat Jesus einmal gesagt: „Unter den von einer Frau Geborenen ist kein Größerer aufgetreten.“ Die wahre Größe von Johannes dem Täufer war es, nicht selbst der Mittelpunkt sein zu wollen, sondern mit seinem Leben auf Jesus zu verweisen.
Gott braucht auch heute Zeugen wie Johannes. Er ist auch in unserer Zeit auf Wegbereiter angewiesen, damit er ankommen kann bei den Menschen. Er verlässt sich auf uns, auf seine vielfältige Gegenwart mitten unter uns, um auf sich aufmerksam zu machen. Werden doch auch wir zu Rufern in den Wüsten von Lieblosigkeit und Gleichgültigkeit, Ungerechtigkeit, Neid und Hass. Werden wir zu Hoffnungsboten des Lichts.
Vielleicht versuchen wir es doch einfach mit der Methode des Johannes: Andere groß machen – anstatt sie niederzumachen. Andere hervorheben – und nicht sicher selber wichtig-machen. Dann kommt auch Jesus uns näher und mit ihm die Freude.
„Ich bin es Nicht. “
Ich glaube, die grundsätzliche Haltung, die Papst Johannes hatte, passt gut zu einem anderen Johannes, der uns im Evangelium begegnet ist: zu Johannes dem Täufer. „Nimm dich nicht so wichtig.“ Viele fragten ihn, ob er nicht selbst der Messias sei. Ist er diese wichtige Person, auf die wir alle sehnsüchtig warten? Doch Johannes der Täufer wies hin auf Jesus: Nicht ich bin wichtig, sondern, der nach mir kommt. Ich bin nicht wert ihm die Schuhriemen zu öffnen. Er muss wachsen, ich muss abnehmen.
Das eigene Ich muss abnehmen. Der Eigenwille, der in uns oft so stark ist, muss sich zurücknehmen, und den Willen Gottes sollen wir anstreben. „Der Eigenwille stirbt zuletzt“, sagt der hl. Franz von Sales.
Das eigene Ich ist oft das große Hindernis zu Gott. Der Eigensinn ist manchmal gar nicht so leicht abzutöten. Aber Johannes meint auch das, wenn er sagt: Bereitet dem Herrn den Weg! Legt euren Stolz und euren Hochmut ab! Stärkt die Demut in eurem Herzen!
Ich wünsche ihnen für diese restliche Adventzeit viel Mut und Ausdauer im Kampf gegen den Eigenwillen und gegen das Eigene Ich.
Besinnung:
Advent, das ist nicht nur eine Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten. Advent ist Zeit des Erwartens des wiederkommenden Herrn.
Advent ist Zeit, den unter uns gegenwärtigen Herrn wahrzunehmen.
Advent ist Zeit, seine Spuren in unserem Leben wieder neu zu entdecken.
Advent ist Erwartung des Kommens und Feier der Gegenwart Christi unter uns.
„Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt, der nach mir kommt“ (Joh, 1,27).
Er ist jetzt mitten unter uns.
Er ist gegenwärtig.
In unserer Gemeinschaft.
In seinem Wort.
In den Zeichen von Brot und Wein.
Advent ist zunächst Warten, Erwarten. Das heißt, Tag für Tag in sich das Maranatha, das „Komm, Herr“, aufsteigen lassen. Komm für die Menschen! Komm für uns alle! Komm für mich selbst.
(-Roger Schütz)
Ich wünsche Ihnen allen einen gesegneten Sonntag der Freude!!!
P.Paul OSFS


