Beschützerin des Altars
„Hallo! Ist da noch jemand?“ sind die letzten Worte, die täglich bei Einbruch der Dunkelheit in der Pfarrkirche Kefermarkt verhallen. Gerufen von Frau Martina Mayrwöger, bevor sie das Gotteshaus absperrt.
Seit 20 Jahren – und täglich daran zu denken! – ist die Mutter dreier Kinder, unterstützt von Jakob Leitner, ehrenamtlich fürs Auf- und Zusperren zuständig. Dabei kann sie auch sehen, ob um- und in der Kirche auch alles in Ordnung ist.
Für die im Klinikum Freistadt als Stationssekretärin Beschäftigte ist der Gang zur nahe gelegenen Kirche keine Belastung: „Da ich auch abends für das Zusperren verantwortlich bin, gehört der Gang zur Kirche zu einer täglichen erholsamen Routine. Die Stille und der Anblick des Altares, den die Abendsonne öfters in warmes Licht taucht, geben mir Zuversicht und Stärke.“ Dass sich die Alarmanlage auch nächtens in ihrem Schlafzimmer meldet, stört den Ehefrieden keineswegs. Sicherheitshalber begleitet sie dann Gatte Günther zum eventuellen „Tatort“, wo sie meist schon vor der Polizei eintreffen. So löste z. B. einmal zur Weihnachtszeit eine Maus im „Kripperl“ dreimal hintereinander Fehlalarme aus.
Trotz höchster Aufmerksamkeit wurde doch einmal eine Gruppe, die sich gerade in der Sakristei befand, eingeschlossen. Kirchenführer Hannes Mitschan erinnert sich: „Nicht ein Stoßgebet zum Kirchenpatron, dem hl. Wolfgang, der auch für unschuldig Gefangene zuständig wäre, rettete uns vor einer Nacht unter Heiligen, sondern der Mesner nach einem Hilferuf per Handy.“
Ein tagsüber offenes Kirchentor ist nicht überall selbstverständlich. In Kefermarkt können aber die jährlich über 15 000 BesucherInnen den weltberühmten Flügelaltar vom Auf- bis zum Sonnenuntergang besichtigen. Dies hat besondere Bedeutung, da Kefermarkt an der „Gotikstraße“ mit 30 sakralen Bauten im Mühlviertel (die auch nach Südböhmen erweitert wird) liegt. Ein tagsüber geschlossenes Kirchentor würde dem EU-geförderten Projekt nicht dienen. Nebst dem Kunsterlebnis ist vor allem ein Gebet nach persönlichem Bedürfnis und Besinnung in der Stille möglich. Zudem kann heutzutage der kühle Kirchenraum als „Klimaanlage Gottes“ – mit oder ohne Stoßgebet um baldigen Regen – in der Hitze das Tages Abkühlung verschaffen.