heute feiern wir Christi Himmelfahrt. In einer Zeit, wo alles möglichst gewinnbringend und effizient sein muss, könnten wir uns fragen: Ist dieser christliche Feiertag noch wichtig -oder kann der weg?! Aber wenn wir uns auch nur ein wenig auf die Thematik des Festes einlassen, dann erkennen wir: die Botschaft ist wichtig und aktuell…
Heute geht es um die Allmacht und Allgegenwart Gottes. Jesus, der Auferstandene, ist Herr, und herrscht über Himmel und Erde. Die Macht wurde ihm von Gott Vater höchst persönlich übertragen.
ABER: Nur weil Jesus jetzt alle Macht hat und über Himmel und Erde herrscht, hat er uns nicht vergessen – es ist gerade umgekehrt, Jesus hat das alles ja durch gemacht damit er auf Augenhöhe bei uns sein kann….
Und so lautet der Bibelspruch um heutigen Tag: Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, will ich alle zu mir ziehen. (Joh. 12, 32)
Wir sind eingeladen all dem nun gemeinsam nachzuspüren. Wir feiern ökumenisch, die Gedanken zum Bibeltext aus dem Neuen Testament stammen von Wortgottesdienstleiterin Bernadette Plank.
Bleib behütet, Pfarrerin Esther Eder
Text I: Apostelgeschichte 1,1-11 (EÜ)
Im ersten Buch, lieber Theóphilus, habe ich über alles berichtet, was Jesus von Anfang an getan und gelehrt hat, bis zu dem Tag, an dem er in den Himmel aufgenommen wurde. Vorher hat er den Aposteln, die er sich durch den Heiligen Geist erwählt hatte, Weisung gegeben. Ihnen hat er nach seinem Leiden
durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen.
Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt! Denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft werden.
Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit
das Reich für Israel wieder her? Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat. Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samárien und bis an die Grenzen der Erde.
Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.
Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, siehe, da standen zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch fort in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.
Predigtgedanke von Wortgottesdienstleiterin Bernadette Plank
„Zwischen Himmel und Erde“
Liebe Gemeinde, wir sind heute hier an einem besonderen Ort. Ein Ort auf der Höhe. Ein Ort, der uns den Himmel ein Stück näher erscheinen lässt.
Und zugleich ein Ort, der uns an das Kreuz erinnert – an das, was Menschen einander antun können, und an das, was Gott daraus macht. Unser Kalvarienberg.
Ein Ort zwischen Himmel und Erde. Und genau darum geht es heute. Die Jünger stehen da und schauen nach oben. So haben wir es eben in der Apostelgeschichte gehört. Jesus wird vor ihren Augen emporgehoben. Er verschwindet. Eine Wolke nimmt ihn auf. Und was machen die Jünger? Sie schauen in den Himmel.
Ich finde das sehr menschlich. Wenn etwas zu Ende geht, wenn etwas Unbegreifliches passiert, dann schauen wir oft nach oben. Als könnten wir dort Antworten finden. Als wäre dort der Ort, an dem sich alles klärt.
Aber dann kommen diese zwei Gestalten – und sie sagen: „Was steht ihr da und schaut zum Himmel?“ Mit anderen Worten: Bleibt nicht stehen. Bleibt nicht hängen im Moment des Abschieds. Schaut nicht nur nach oben.
Denn die eigentliche Frage ist nicht: Wo ist Jesus jetzt? Sondern: Wo seid ihr? Und was werdet ihr tun?!
Christi Himmelfahrt ist kein Abschied im eigentlichen Sinn. Es ist kein „Jetzt ist er weg“. Es ist vielmehr eine Veränderung. Eine neue Weise der Nähe. Ja, Jesus entzieht sich dem direkten Zugriff. Man kann ihn nicht mehr festhalten, nicht mehr berühren, nicht mehr sehen wie vorher. Aber gerade dadurch wird etwas Neues möglich: Er ist nicht mehr an einen Ort gebunden. Nicht mehr nur hier – oder dort. Sondern überall. Auch hier. Auch jetzt.
Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft von Himmelfahrt: Dass Gott größer ist als unsere Vorstellungen. Dass Christus sich nicht festhalten lässt – aber gerade deshalb mitten unter uns ist. Zwischen Himmel und Erde. Und das bedeutet auch: Der Blick nach oben allein genügt nicht. Der Himmel ist kein Ort, an den wir fliehen sollen. Sondern eine Wirklichkeit, die in unser Leben hineinwirkt. Die Jünger bekommen einen Auftrag: „Ihr werdet meine Zeugen sein.“ Das heißt: Geht zurück in euren Alltag. Geht zurück zu den Menschen. Dorthin, wo das Leben spielt – mit all seinen Höhen und Tiefen.
Vielleicht passt kaum ein Ort besser dazu als dieser hier. Der Kalvarienberg erinnert uns: Zum Glauben gehört beides. Der Blick nach oben – und der Weg nach unten. Die Hoffnung – und die Wirklichkeit. Der Himmel – und die Erde.
Und wir stehen genau dazwischen. Wir leben zwischen Himmel und Erde. Wir tragen Fragen in uns. Sorgen. Hoffnungen. Jeder von uns trägt seine Bitten meistens still in sich. Dinge, die wir nur Gott anvertrauen.
Auch das ist Himmelfahrt: Dass wir loslassen dürfen. Nicht, weil es egal ist.
Sondern weil wir vertrauen, dass Gott unsere Welt in seinen Händen hält.
Und vielleicht ist das die größte Einladung dieses Tages: Nicht nur nach oben zu schauen. Sondern den Himmel in unserem Leben zu entdecken.
Dort, wo Menschen einander beistehen. Dort, wo Versöhnung möglich wird.
Dort, wo Hoffnung wächst – trotz allem, was in der Welt passiert.
Christi Himmelfahrt heißt: Der Himmel ist offen.
Und wir sind nicht allein auf unserem Weg. Christus ist da – nicht fern, sondern nahe. Vielleicht anders, als wir es erwarten. Aber wirklich.
Und so gehen wir von hier wieder hinunter, Schritt für Schritt, manche schneller, manche langsamer. Zurück in unseren Alltag. Zurück in unsere Welt. Aber wir gehen anders. Mit einem Blick, der weiter geworden ist. Mit einem Herzen, das vertraut. Mit einer Hoffnung, die trägt. Zwischen Himmel und Erde. Amen.
Text II: 1.Kön. 8, 22-24.26-28 (LUT)
Und Salomo trat vor den Altar des HERRN angesichts der ganzen Gemeinde Israel und breitete seine Hände aus gen Himmel und sprach:
HERR, Gott Israels, es ist kein Gott weder droben im Himmel noch unten auf Erden dir gleich, der du hältst den Bund und die Barmherzigkeit deinen Knechten, die vor dir wandeln von ganzem Herzen; der du gehalten hast deinem Knecht, meinem Vater David, was du ihm zugesagt hast. Mit deinem Mund hast du es geredet, und mit deiner Hand hast du es erfüllt, wie es offenbar ist an diesem Tage.
(…) Nun, Gott Israels, lass dein Wort wahr werden, das du deinem Knecht, meinem Vater David, zugesagt hast.
Denn sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe? Wende dich aber zum Gebet deines Knechts und zu seinem Flehen, HERR, mein Gott, auf dass du hörst das Flehen und Gebet deines Knechts heute vor dir.
Predigtgedanke von Pfarrerin Esther Eder
Wo ist Gott?
Die Frage sprengt, wenn wir ehrlich sind, unsere Vorstellungskraft. Das können wir nicht denken. Und trotzdem würden wir nur zu gerne die Antwort darauf kennen….
Wo ist Gott? Und wieso ist er dort?
Mit den Gedanken zu Christi Himmelfahrt im Hinterkopf sollten wir vielleicht besser fragen: Wo ist Gott nicht?!
Also ist Gott jetzt überall -das ist irgendwie genauso wenig greifbar wie nirgends….
Ein Mann nach Gottes Herzen, David, hat sich Gottes Nähe herbeigesehnt. David, der den Psalm 23 geschrieben hat: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln… David sehnt sich nach Gemeinschaft mit seinem guten Hirten. Er will einen Ort der Begegnung schaffen, doch das geht nicht so einfach. Gott ist zu groß, zu herrlich, allumfassend. Ihm, seiner Herrlichkeit zu begegnen, das würde David, das würde kein Mensch überleben -es würde uns maßlos überfordern.
Ich denke an den Wunsch von Mose, aufgeschrieben im 2. Buch Mose Kapitel 32f: Mose will Gott sehen, Gott bietet an, an ihm vorüber zu gehen. Schützend hält er dabei seine Hand über den Menschen Mose, erst wenn es sicher ist, darf Mose ihm nachschauen.
Gottes Nähe trotz Allmacht und Herrlichkeit. Der Schöpfer aller Dinge, Menschenfreund? Gar Wegbegleiter?!
Das ist ganz großes Thema im ersten Teil unserer Bibel, ja bis heute im jüdischen Glauben.
Gott verspricht David schließlich, dass sein Sohn Salomo ihm ein irdisches Haus bauen darf…. Und dann ist es soweit: König Salomo -der prächtigste, weiseste, reichste, größte König, in Israels Geschichte weiht den Tempel ein -er betet.
(vgl. Text 1.Kön. 8) Salomo betet für alle hörbar:
Denn sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun….
Der große König Salomo kann es nicht fassen. Lässt Gott sich wirklich verorten?!
Jahrhunderte und einen Tempel später, kündigt Gott dem Hohepriester Zacharias im Allerheiligsten die Schwangerschaft und Geburt eines Sohnes an. Johannes. Er soll Jesus ankündigen. Den Weg zur Gegenwart und Nähe Gottes.
Denn schlussendlich ist es so: Nicht zuerst der Mensch sehnt sich nach Gottes Nähe, sondern Gott sehnt sich nach uns Menschen. Gott will begegnen. Und zwar uns, dir und mir. Gott will Beziehung und zwar mit uns, dir und mir.
Das übersteigt unsere Vorstellungskraft.
Gott wird Mensch.
Der Masterplan: In Jesus Christus überwindet er alle Grenzen zwischen uns und Ihm. Nichts ist mehr zu klein, zu simpel, zu gewöhnlich, zu abartig -ab jetzt ist alles auf Augenhöhe möglich.
Denn sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann….
Mit Jesus Christus und seinem Weg hier auf unserer Welt: Weihnachten – Karfreitag – Ostern -Himmelfahrt, wird Gottes unmittelbare Gegenwart möglich.
Jetzt kann der gute Hirte wirklich in jedes finstere Tal hinein und wieder hinaus führen. Ab jetzt gilt: Nirgends wo wir Menschen sind ist Gott nicht. Gott ist da -für uns, dich und mich. Jederzeit und überall.
Darum sind Jesu letzte Worte bevor er seinen irdischen Weg vollendet und den Himmelsthron besteigt das Versprechen: Siehe ich bin bei euch, alle Tage bi an der Welt Ende.
Das muss erst einmal sickern. Auch bei den Jüngern. Die kommen gar nicht so richtig hinterher….und das dauert irgendwie auch bis heute an -darum Christi Himmelfahrt. Damit wir uns dieser Spannung, dieser Wahrheit, Gottes Gegenwart auseinandersetzen.
Das ist es auch, was die 2 Engel den staunenden Freunden von Jesus mitgeben. Schaut nicht hinauf oder hinunter oder nach links oder nach rechts Gott ist nicht irgendwo dort, Gott ist da. Bei dir, bei mir. Nur ein Gebet entfernt.
Das übersteigt unsere Vorstellungskraft. Und auch das ist gut so. Denn nur so können wir Gott auch nicht (nur) für uns festnageln und einkasteln. Nur so ist er absolut da und gleichzeitig überall sonst auch.