Leonhardi
Wenn wir an Heilige wie den Hl. Leonhard denken, kann das zwei Richtungen haben:
Einerseits wenden wir uns im Gebet an die Heiligen, und hoffen, dass sie bei Gott etwas für uns bewirken, dass sie uns Fürsprecher sind. Also wenden wir uns am traditionellen Schlusstag in der Jausenstation mit Bitten an den Heiligen.
Andererseits stellt sich uns die Frage, was wir von ihm lernen können.
Der Hl. Leonhard lebte ja in Frankreich als Einsiedler. Dort setzte er sich v.a. für Gefangene und Haftentlassene ein. Was ihm auch die Ketten als Erkennungszeichen brachte. Als ihn der König - so erzählt die Legende - mit Gold überhäufen wollte, da er der Königin zu einer glücklichen Geburt verhalf, bat er nur um ein Stück Land, dass er in einem Tag mit dem Esel umrunden konnte, um dort für die Haftentlassenen eine Heimat zu haben, wo sie lernen konnten, in der Gesellschaft Fuß zu fassen.
Mir gefällt die Bescheidenheit des Heiligen. Er braucht nicht viel, schon gar nicht für sich selbst. Was ihn trägt, ist das Vertrauen auf Gott, der ihn reich beschenkt. Mehr kann ihm der König nicht geben.
Mich beeindruckt aber auch sein Einsatz für Menschen, denen in der Gesellschaft oft keine Chance gelassen wird - bis heute. Gerade jetzt nach dem schrecklichen Anschlag in Wien wird oft gefragt, warum man diesen Mann freigelassen hat. In dem Fall ist die Frage verständlich, aber es muss dennoch das Ziel des Strafvollzugs sein, Menschen, die ein Verbrechen begangen haben, so zu begleiten, dass sie es nicht wieder tun. Nur möglichst lang einsperren erreicht dieses Ziel sicher nicht.
Das wusste der Hl. Leonhard und begleitete solche Menschen, gab ihnen Arbeit, lehrte sie ein Handwerk - wie es heute z.B. auch die Emmausgemeinschaft in St. Pölten tut.
Natürlich ist ein solches Engagement herausfordernd und nicht jedermanns Sache, aber es ist wichtig, wie wir dazu denken.
Ein Gottvertrauen, wie es der Hl. Leonhard hatte, hilft uns auch in anderen schwierigen Situationen. Wir leben in der Pandemie - irgendwie sind wir alle eingesperrt, oder ausgesperrt, wir dürfen nicht aufeinander zugehen, wie wir das gewohnt waren. Es ist belastend für jeden von uns, manche sind vielleicht auch überlastet. Vielleicht kann uns Leonhard auch in dieser Situation Hilfe sein. Er lebte als Einsiedler, aber er war nicht nur allein, weil viele Menschen kamen, um bei ihm Hilfe zu suchen.
Heute stehen uns viele Medien zur Verfügung, die wir nutzen können, um in Kontakt zu bleiben, um nachzufragen, wie es den anderen geht. So sollte trotz der Beschränkungen niemand vereinsamen müssen.
Bitten wir den Hl. Leonhard, dass er uns in dieser schwierigen Zeit beisteht und hilft, diese Zeit zu überwinden.
Hl. Leonhard, bitte für uns.
Ich lade Sie ein, auch die Fürbitten, die sonst am Heiligenstein oder in der Pfarrkirche gebetet worden wären, zu bedenken und an Gott zu richten:
Ein Vater unser, kann die Gebetszeit abschließen.