Hineingenommen in die Liebe Gottes
Liebe Schwestern u. Brüder im Herrn!
Wie soll es weitergehen, wenn Jesus nicht mehr bei ihnen sein wird, so fragten sich die Jünger.
Ein Leben ohne die sichtbare Gegenwart des Herrn - war damals für die Jünger schwer vorstellbar – für uns Gläubige von heute - ist es die Normalsituation. Deshalb sind wir eingeladen, diese Texte des Sonntags näher zu betrachten und zu schauen, was sie uns in unserer heutigen Situation sagen möchten.
Die Lesung aus der Apostelgeschichte führt uns in die Zeit der ersten Christenverfolgung – nach dem Tod des Stephanus. Bedroht und aus Jerusalem vertrieben, berichtete Philippus in Samarien von Jesus und seiner Bedeutung – und er kann Erstaunliches bewirken. Viele Menschen hören ihm zu, viele werden geheilt, sogar Dämonen werden ausgetrieben und viele werden im Innersten angesprochen, sodass sie sich der Gemeinde anschlossen. Ja, sie empfangen die Taufe und Firmung – wie wir heute sagen würden.
Was mag Philippus da gesagt haben, was mag er getan haben, dass die Menschen Heilung und Befreiung erfahren konnten, so dass sie sich gerne der Gemeinde anschlossen? Es können dies keine trockenen Belehrungen gewesen sein – sozusagen Verhaltensmaßregeln und irgendwelche Vorschriften. Es muss dabei um seine eigene tiefe Erfahrung gegangen sein, um die große Bedeutung, die Jesus und das Leben in seiner Nachfolge für ihn hatte. Mit seiner eigenen Begeisterung konnte er andere anstecken. Wie erfüllt muss Philippus von seinen Erfahrungen mit Jesus gewesen sein, sodass er so überzeugend sprechen und auch wirken konnte.
Das heißt für uns - Christus zu ehren, nach seinem Wesen zu fragen, IHM nachzufolgen – und das ist keine Privatsache für stille Stunden vielleicht an einem Wochenende. Das wirkt sich auch aus im Tun und Sprechen – im Miteinander – in Meinungen und Verhalten – in unseren Haltungen.
Dann kann es vorkommen, dass andere fragen: Warum tust du das? Wie schaffst du dieses und jenes? Was gibt dir Kraft und Geduld? Glaubst du wirklich, dass sich das Gute durchsetzen kann? Glaubst du an einen Gott, der sich um dich kümmert? - usw. Und dann sollen und dürfen die Jünger – das sind jetzt wir – nicht ausweichen, sondern Rede und Antwort geben über den Glauben.
Das setzt allerdings auch voraus, dass wir in groben Zügen vorleben, was wir glauben.
Es geht wirklich nicht darum, andere mit Glaubenssätzen zu verfolgen – aber da, wo Fragen auftauchen – da gilt es dann Farbe zu bekennen. Wenn die Menschen merken, dass das Evangelium auch etwas mit ihrem Leben zu tun hat – wo sie Erfahrungen machen können, die sie in ihrem Inneren treffen, dann sind sie auch empfänglich für die frohe Botschaft. Wenn das Evangelium ein Gesicht bekommt durch einen Menschen, der authentisch lebt und auch spricht, dann kann der Funke überspringen.
Darin liegen gleich zwei Herausforderungen an uns: 1. den Mut zu haben, davon zu sprechen, was mich selber zuinnerst bewegt - und 2. auch so zu leben, dass ich gefragt werde. Wie könnte meine Antwort lauten, wenn ich nach meinem Glauben gefragt würde?
Im Evangelium hören wir Jesus selbst – wie er den Jüngern Mut macht für die Zeit - in der er nicht mehr leiblich da ist. Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten - lautet da der erste Satz.
Ja, wenn wir JESUS lieben, dann leben wir auch nach seiner Weisung - also seinen Geboten - dann ist ER auch auf eine andere Art mit und bei uns, im Geist, den der Vater gibt. Wenn wir also mit IHM verbunden leben - dann wird uns dazu auch der Hl. Geist geschenkt. Ihr seid in mir und ich bin in euch – so verspricht uns Jesus.
Ich möchte noch ein wenig bei den Geboten bleiben. In den letzten Wochen – zu Beginn der Coronakrise - haben der Papst und die Bischöfe im Zusammenhang mit den Einschränkungen eine Entbindung vom Sonntagsgebot zugesprochen, was aus Gründen der Sicherheit uns allen verständlich ist. Mit dem Satz „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten“, wurden wir aber heute auch wieder daran erinnert, dass es so etwas wie ein Sonntagsgebot gibt – und es doch nicht gut sein kann, wenn wir uns dazu unsere Verhaltensregeln selber gestalten.
Die Beziehung zu Christus soll beständig sein – sie ist über Jahrhunderte erfahrbar – auch heute.
Wir haben Zeugnisse über seine Worte und sein Leben in der Hl. Schrift - wir haben die Erfahrung vieler glaubenden Menschen - wir haben die Sakramente, Gebete, Zeichen und Lieder, die uns alle mit IHM in Berührung bringen können. Damals wie heute ist es wichtig, die Gemeinschaft mit anderen Glaubenden zu finden, denn alleine zu glauben ist auf die Dauer schwer. Daher ruft uns Jesus zu: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.
Die frühe Kirche wusste sich auch nach seiner Himmelfahrt mit Jesus verbunden - und diese junge Kirche war sehr lebendig. Der Blick auf sie gibt uns reichlich Anhaltspunkte für unseren Weg als Kirche in dieser zerrissenen Welt. Sie lädt auch uns heute ein, Jesus zu lieben und uns an seinen Geboten zu orientieren.