...brachen in ihren Häusern das Brot...
Das steht so da in der Apostelgeschichte, neben anderen wichtigen Dingen, die die Kirche ausmachen: Dass sie an der Lehre der Apostel festhielten und am Gebet, und dass sie alles füreinander hergaben, dass sie eine Gemeinschaft bildeten und immer mehr wurden. Es ist sicher ein idealtypischer Bericht, ob es wirklich eine solche Gemeinde gegeben hat, wissen wir nicht. Lukas hat es jedenfalls aufgeschrieben, damit wir uns daran orientieren, denn darum geht es, wenn wir als Christen leben wollen.
Sie brachen in ihren Häusern das Brot und taten das in der Gewissheit, dass Jesus in diesem Brot mitten unter ihnen war. Sie taten das, was Jesus ihnen beim letzten Abendmahl aufgetragen hatte. Es war Eucharistie, was die ersten Christen in ihren Häusern feierten. Bei manchen Hausgemeinschaften war vielleicht auch einer der Apostel dabei, aber sicher nicht bei allen. Wahrscheinlich ist, dass der Feier, wie es im Judentum Sitte war, der Hausvorsteher vorstand. Er – vielleicht auch sie – sprach das Dankgebet, brach das Brot und verteilte es an alle.
Ich gehe davon aus, dass diese Feiern zumindest jeden ersten Tag der Woche, am Sonntag stattfanden. Ein Hinweis dazu könnte im Johannes-Evangelium stehen, wo es heißt, dass sie am 8. Tag wieder beisammen waren. Christen versammelten sich also schon von Anfang an jeden Sonntag und feierten den Tag der Auferstehung, indem sie das Brot brachen und miteinander kommunizierten, also Gemeinschaft pflegten.
Es hatte sicher gute Gründe, vor allem, als die Feiern nicht mehr in den Häusern, sondern in eigens dafür gebauten Gotteshäusern stattfanden, dass diesen Feiern beauftragte Männer, die dafür auch ausgebildet wurden, vorstanden. Inzwischen waren es wahrscheinlich auch wirklich nur noch Männer. Ihnen wurden die Hände aufgelegt, damit sie die Gemeinde leiten und der Feier der Eucharistie vorstehen, so wie das bis heute passiert.
Nun aber sind wir verpflichtet, wieder in unseren Häusern zu feiern, in den Hausgemeinschaften zusammenzusitzen um miteinander zu beten, mehr geht in dieser Situation nicht. Gut, wir können zuschauen, wie andere feiern. Aber Jesus hat nicht gesagt: Schaut euch das an! Sondern: „Nehmt und esst!“ und „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ und „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Ich glaube nicht, dass das, was wir heute in unseren Häusern machen, wenn wir Brot brechen mit Jesus in der Mitte, etwas wesentlich anderes ist, als die Christen damals gemacht haben.
Ich finde es schade, dass die Vertreter unserer Kirche zwar darauf drängen, an der Lehre der Apostel und ihrer Nachfolger festzuhalten, aber sich nicht dazu durchringen können, uns auch wieder zu sagen, dass wir wie die Christen damals in unseren Häusern Brot brechen sollen, in der Hoffnung, dass wir das auch bald wieder gemeinsam in unseren Kirchen machen können. Ich lade dazu ein, denn Brot zu nehmen, das Dankgebet zu sprechen, es zu brechen und gemeinsam zu essen, ist nicht ein Gebot der Kirche, von dem sie einfach suspendieren kann, sondern ein Auftrag Jesu mit der Zusage, dass er in diesem Brot bei uns ist.