Impuls zum Palmsonntag
Der König kommt!
„Ja, ich bin ein König.“ hören wir Jesus am Karfreitag zu Pilatus sagen, kurz bevor dieser entscheidet, ihn kreuzigen zu lassen.
„Jesus von Nazareth, König der Juden“
steht auf der Inschrift über dem Kreuz Jesu.
Jesus ist König, aber nicht ein allmächtiger Herrscher, keiner, der drüberfährt, der Macht ausübt. Er muss nicht andere klein machen, damit er selbst groß ist.
Jesus als König kommt auf einem Esel, einem Lasttier, dem Reittier der Armen.
Er kommt auf Tuchfühlung mit den Menschen, ihnen nahe.
Menschen jubeln ihm zu – nicht weil er eine Schlacht gewonnen hat – sondern weil er liebt,
weil er unzähligen Menschen geholfen hat, er hat geheilt, aufgerichtet, getröstet, gestärkt, …
Jesus als König hätte vielleicht die Macht gehabt, die Römer aus dem Land zu vertreiben.
Er hätte vielleicht auch die Macht, das Virus zu besiegen oder in der ganzen Welt Frieden zu stiften. Aber dazu ist er nicht in die Welt gekommen. Sein Ziel war es nicht, alles für uns zu erledigen, sondern uns einen Weg zu zeigen, wie wir die Welt gestalten können, damit sie ein guter Ort ist, da zu leben; wie wir miteinander leben können, damit alle glücklich werden; wie wir einander begegnen können, sodass es in unserer Nähe gut ist, zu sein.
Jedes Jahr feiern wir den Einzug in Jerusalem mit einer Palmprozession, mit Glocken, Orgel, Kirchenchor, mit kleinen und mächtigen Palmbuschen. Heuer nicht.
Vielleicht bleibt in diesem Jahr dafür mehr Zeit zum Überlegen, wer dieser König für mich ist.
Vielleicht bleibt uns Zeit, zu hinterfragen, was Nachfolge bei diesem König bedeuten könnte.
Vielleicht stellt sich mir die Frage, ob ich auf diesen König überhaupt hören will, ob er mir etwas zu sagen hat, ob seine Ideen, sein Handeln für mich Relevanz hat.
Es könnte Konsequenzen haben für mein Leben,
wenn ich wie er für alle Menschen den Blick schärfen würde, die in Not sind – nah oder fern;
wenn ich wie er auf Menschen zugehen würde, die am Rand stehen;
wenn es für mich nur ein wichtiges Gebot geben würde: die Liebe.
Das Leben wird vielleicht nicht einfacher in der Nachfolge Jesu, auch nicht schmerzfrei oder konfliktfrei – das war das Leben Jesu auch nicht.
Aber das Leben im Vertrauen auf Jesus kann gelassener sein, weil er mir garantiert, dass alles gut wird, weil er mich spüren lässt, dass ich nicht allein bin, auch wenn kein Mensch zu mir kommen kann.
Das Leben in der Nähe zu Jesus wird freudiger sein, weil ich lerne, dankbar zu sein, weil ich sehe, dass so vieles geschenkt ist, das ich nicht selber machen könnte.
Das Miteinander in der Familie, unter KollegInnen und Freunden kann Qualität gewinnen mit Jesus in der Mitte, weil er uns zeigt, wie es ist, wenn einer für den anderen da ist – letztlich gibt es dabei nämlich keinen Verlierer, weil jeder reich beschenkt wird.
Heute bleibt uns die Frage: Ist es dieser König wert, ihm zu folgen?